Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 51-52 (17.12.1919)
- Date
- 1919-12-17
- Page
- Seite 1613-1614 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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I Ö 1 3 - -VOLK UND LAND t.=-T-- ■ t..-:- 1Ö14 Hierüber stehen Berichte noch aus. Vorerst wird man sich mit sanitätspolizeilichen Anordnungen über Anlage fliegensicherer Aborte und Abfallgruben, Bedecken von feilgebotenen Nahrungsmitteln mit Fliegengaze usw. behelfen müssen. Fliegenlarven rufen öfter an der Haut Geschwürb'lduiigen hervor; in seltenen Fällen gelangen sie auch in den Darm und rufen dort gastroentritische Erscheinungen hervor. An Ungeziefer ist in Palästina kein Mangel. Bekanntlich wohnt in Tiberias der König der Flöhe. Auch gegen diese lästigen Plagegeister hilft vorderhand nur peinlichste Sauberkeit. Außerdem muß überall Gelegenheit zum Entlausen bestellen1. Von wie weittragender Bedeutung die Ungezieferfrage in hygienischer Hinsicht werden kann, hat sich während des Weltkrieges gezeigt, indem die große Fleckfieberepidemie in Palästina wie anderswo nur auf die starke Verlausung der Einwohner zurückzuführen ist, da das Fleckfieber nur durch den Stich der Läuse übertragen ward. Ebenso sind die Rattenflöhe die Ueberträger der Pest. Es wird eine wichtige Aufgabe der Hafenpolizei sein, mit rücksichtsloser Schärfe alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Einführung von Ratten aus den Schiffen zu verhindern. Neuerdings hat man mit der Blausäurevergasung aller rattenverdächtigen Schiffe sehr gute Erfolge erzielt. Es erübrigt sich hier, auf die äußerst interessanten biologischen Vorarbeiten zuf Bekämpfung vor allem der Dipteren sowie auf die theoretisch sehr komplizierten Zwischenwirtfragen u. ä. einzugehen; hingegen ist noch aut die Bedeutung hinzuweisen, die gewissen Insektenlarven für die biologische Beurteilung des Wassers haben. Es gibt nämlich bestimmte Larven wie z. B. Chironomus plumosus, die nur in verunreinigten Gewässern Vorkommen und so als Indikator für hygienische Unbrauchbarkeit des betreffenden Wassers dienen. Diese selben Crironemuslarven spielen im Haushalt der Natur eine große Rolle als Hauptnahrung der Süßwasserfische, und der Fischreichtum der Gewässer ist direkt von ihrem Gehalt an ihmetn abhängig, so daß neuerdings umfassende Studien zur künstlichen Züchtung dieser Larven unternommen, werden. Grundsätzlich mit den Aufgaben der menschlichen stimmen die der veterinären Medizin überein, nur sind sie noch viel weniger geklärt. Die in Palästina sehr verbreiteten Tierseuchen wie Maul¬ und Klauenseuche, Rinderpest, Piroplasmose, Milzbrand u. a. gestalten diese Frage zu einer noch akuteren als in der gemäßigten Zone, da sie nach Ruppin bei der noch nicht organisierten Serumbehandfung den Viehbestand viel ernster bedrohen und zudem' die Landleute von der Viehhaltung abschreck en. Die meisten dieser Seuchen werden durch Insekten übertragen. So weisen bei der Maul¬ und Klauenseuche alle neueren Forschungen darauf hin, daß es sich hier um eine Infektionskrankheit handelt. Als Ueberträger kommen nur Insekten in Frage, doch ist es bis heute noch, ungeklärt welches. Ob es sich um irgendeinen der temporären Parasiten wie die Fliegen Stomoxys calci trans, Lyperosia irritans, Musca domestica, Ouliciden, Tabaniden oder stationären wie die verschiedenen Läusearten handelt, ist noch völlig Unklar, zumal es sich scheinbar um eine Chlamydozoenkrankheit handelt, deren Erreger ein filtrierbares Visus von mikroskopisch bisher nicht entdeckten Kleinlebewesen bildet, und zu denen auch Trachom, Lyssa u. a. gehören. Die wirtschaftliche Bedeutung der Aphtenerkrankung kann daraus ermessen werden, daß vor dem Krieg in einem Land mit so ausgebildeter veterinärpolizeilicher Gesetzgebung wie Deutschland der durch sie angerichtete Schaden gegen 100 Millionen Mark jährlich betrug. Die Piroplasmose wird durch einen Krankheitserreger aus der Gruppe der Protozoen übertragen, die sog. Babesien oder Piroplasmosen. Die Ansteckung erfolgt durch den Stich von Zecken aus der Gruppe der Ixediden, in deren Inneren die Protozoen einen ähnlichen Entwicklungsprozeß durchlaufen wie der Malariaerreger in der Anopheles. Das Studium der Zwischenwirtfrage steckt in der Veterinärmedizin noch viel mehr in den Kinderschuhen als in der menschliehen Hygiene. Ein intensives Studium der sehr interessanten Infektionsmethoden der Rinder mit Zecken und deren Biologie wird sicherlich für die Praxis noch nächtige Ergebnisse zutage fördern. Ob die sonst fast kosmopolitischen Kriebelmücken (Simuliiden), die, wie die Kolumbatscher Mücke, in Schwärmen Viehherden überfällt, von denen ein großer Teil nach ihren Stichen infolge Herzlähmung zugrunde geht, in Palästina schon Schaden angerichtet haben, ist mir nicht bekannt. Sehr gefürchtete Blutsauger sind die Viehbremsen oder Tabaniden. Die Schwärme dieser Viehbremsen müssen eine solche Landplage gewesen sein, daß man deshalb eine Spezialgottheit Baal-Schub im Lande der Philister in Ekron einsetzte, den auch die Israeliten verehrten. (Munk 1871.) Die ebenfalls kosmopolitischen Dasselfliegen haben wohl wegen des Tiefstandes der Viehzucht, die eine rationelle Lederverwertung noch nicht zuließ, sich nicht allzu sehr bemerkbar gemadit. In Deutschland wird der Schaden für jede befallene Haut auf 4 bis 9 Mark (vor dem Kriege) geschätzt. Die Larven dieser Fliegen leben nämlich im Innern ihrer Wirte, bis sie endlich die Haut an einer Stelle durchbrechen iuna dort ein Geschwür erzeugen. Das Leder weist an diesen Stellen natürlich Löcher auf. Auch der FleisChertrag der befallenen Rinder ist beträchtlich vermindert. Die schon oben erwähnte gemeine Stechfliege, Stomoxys calcitrans, schädigt das von ihnen belästigte Vieh um einen Milchertrag von 10 bis 20 Prozent. Zur Bekämpfung aller dieser Fliegen scheinen die biologischen Untersuchungen von Wilhelmi eine geeignete Handhabe zu bieten, der sich besonders mit den Tropismen dieser Tiere beschäftigt und in ihrem Verhalten gegen Licht-, chemische und Strömungsreize grundlegende Tatsachen fand. Man wird jetzt durch die Bauart des Stalles, das Vieh in weitestem Ausmaße schützen können. In einem' nicht zu hellen Stall verirren sich Simaliiden nur in den seltensten Fällen. Wenn man nun noch dafür sorgt, daß durch Anlage eines nicht zu großen Fensters eine hellste und eine dunkelste Stelle sich im Stall befindet, so kann man die sehr entschieden positiv oder negativ lichtempfindlichen (pbototaktischem) Fliegen auf kleinem Raum1 konzentrieren (und bequem vernichten. Hinzu kommen noch Versuche über die biologische Bekämpfung durch die Hyperparasiten der Fliegen und die Vernichtung ihrer Larven, vor allem im Mist, durch Bestreuen desselben mit Borax, gelöschtem Kalk und Endlaugenkalk. 4. Die Bedeutung der angewandten Entomologie für die Technik. Bei dieser Gelegenheit können wir gleichzeitig den Wert der angewandten Entomologie für die Technik erkennen. Wir gehen hier nur auf die Wasserregulierumgsfragen näher ein, obwohl sich auch für Häiuserbau, Stallanlagen u. a. wichtige Hinweise ergeben. Wir haben oben schon von der Lebensweise der Stechmücken 1 arven in stehenden