Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 51-52 (17.12.1919)
- Date
- 1919-12-17
- Page
- Seite 1611-1612 (sequence 11)
- Language
- German
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1611 VOLK UND LAND 1612 Volkritum in ungewöhnlichem Maße geeignet scheint, in sozialer und kultureller Hinsicht sich hervorzutun zum eigenen Besten und zum Besten der ganzen Menschenwelt davon sind auch wir überzeugt. Aber auf dem Wege der Verwirklichung des Zionismus können wir nur die real gerichtete Geistigkeit brauchen, die uns den Weg frei macht und die Reise beschleunigen hilft. Und nicht diejenigen, die im falschverstandenen Interesse irgendwelcher Geistigkeit die Volkshilfe aufhalten möchten. Dies ist „falsches Prophetentum“, und auch gegen dieses wendet sich unser „Kampf um Zion“. DIE AUFGABEN DER ANGEWANDTEN ENTOMOLOGIE IN PALAESTINA Von Fritz Bodenheime r. (Schluß.) 3. Die Aufgaben der angewandten Entomologie in Medizin und Veterinärmedizin Palästinas. Wir wenden uns jetzt zu einem anderen, nicht minder wichtigen Arbeitsgebiet der angewandten Entomologie, ihrer hygienischen und medizinischen Betätigung. Es ist eine seit noch nicht allzu langer Zeit bekannte Tatsache, daß eine große Ciuppe von Krankheiten, die sogenannten Infektionskrankheiten, durch Verseuchung mit kleinen Lebewesen: Bakterien, anderen Pilzen, Protozoen, Würmern u. a. zustande kommt. Bei der Infektion mit diesen krankheitserregenden Mikroorganismen, spielen nun Insekten eine große Rolle, sei es indem sie nur durch bloßen Kontakt dieselben übertragen, wie 7. B. die Fliege, die sich von dem Stuhl eines Typhus- oder Ruhrkranken aut ein Nahrungsmittel setzt, oder als Zwischenwirt benötigt wird, wie bei der Malariamücke, in deren Magen und Leibeshöhle der Malariaerreger erst eine gewisse Entwicklung durchmachen muß, bevor durch den Stich der Mücke neue Menschen angesteckt werden können. Bei dem Schmutz und dem warmen Klima des vorderen Orient, die die Vermehrung dieser Insekten sehr begünstigen, spielt der durch sie angerichtete Schaden eine ungleich größere Rolle als bei uns, in den gemäßigten Zonen. Die Malaria ist die Hauptkrankheit Palästinas. Ihre wirtschaftliche Bedeutung mag man erkennen, wenn man die Ausfälle an Arbeitstagen betrach!et, die durch sie in der landwirtschaftlichen Arbeitsstatistik der jüdischen Arbeiter vor dem Kriege bewirkt wurden. Ein Fünftel bis ein Drittel aller Jahrestage sind dort als Krankheitstage — es handelt sich fast immer um Malaria — vermerkt. Ganze Kolonien sind durch sie restlos vernichtet worden: die Kolonisten von Chederah sahen sich gezwungen, weit ab von ihrer ursprünglichen Siedlung das Dorf neu aufzubauen, wenn sie nicht alle der tückischen Krankheit und ihrer Komplikationen, dem Schwarzwasserfieber, erliegen wollten; von den ursprünglichen Kolonisten der S.edlungsgenossenschaft Merchawjah soll sich heute kein einziger mehr am Leben befinden. Unter diesen Umständen muß die erste gegenwärtige Kolon isationsepoche naturgemäß unter dem Zeichen der Malariasanierung stehen, mit der die Engländer auch schon großzügig begonnen haben. Die Krankheit wird, wie schon erwähnt, nur durch die Weibchen einer Stechmückengattung, Anopheles, verbreitet, die Bekämpfungsbestrebungen haben sich also nur (gegen diese zu richten,;und( da die Imagines vorderhand nicht radikal vertilgt werden können, vor allem gegen ihre Larven, die sich in jedem Tümpel, in jeder Pfütze, in jedem stehenden Gewässer, in den Dachrinnen, in den Regenresten der förtgeworfenen Konservenbüchsen, in den Wasserrückständen im Blumentopf usw. finden. Es ergibt sich hieraus die Forderung, derartige Brut- I statten der Anopheles zu vernichten. Besonders | handelt es sich da um die Entwässerung der gr ßen i Sümpfe durch Drainage ur.d Bepflanzen mit Euka-! lyptusbäumen, die Ausrottung al er Zisternen durch I Anlage von Wasserleitungen, durch gesundheitsi polizeiliche Besichtigung aller Pfützen und andere j Brutgelegenheiten eventuell durch Begießen von | nicht zu beseitigenden kleineren Flächen mit Sapiol | oder Petroleum, unter dem die Mückenlarven, | allerdings auch die meisten anderen Lebewesen er-! sticken. Wenn der Augiasstall erst einmal gründlich ausgemistet ist, bedarf es, wie das Beispiel Rio de Janeiros bei der Gelbfieberbekömpfu g zeigt, nur geringer Mit-°1, das Land verhältnismäßig malariafrei zu erhalten. Das von Teichmann neuerdings vorgeschlagene Verfahren der Vertilgung der über- | winternden Weibchen in Kellern usw. durch Blau- S säureräucherung erscheint biologisch noch zu wenig! geklärt und außerdem unrentabel zu sein. Zum i Ausbau weiterer Bekämpfungsmethoden tut eine genaue Erforschung der Biologie der Steckmücken Palästinas dringend not, haben doch neuere Un.terj suchungen von Eckstein in dieser Hinsicht erstens l gezeigt, daß wir in einem so gut erforschten Lande wie Deutschland, über die wichtigsten Lebensvor-! gänge der Stechmücken, fast völlig unorientiert | waren, und dann auch für die Bekämpfung an I Hand der besonderen Lebensweise, wie Ueber- J wintern (als Puppe, Imago), Ausschlüpfen, sowie I besonders die dasselbe aus’.ösenden Faktoren usw., i wertvolle Fingerzeige gegeben. Daß bei der Verj nichtung der Anopheles zumeist auch die anderen | Stechmücken wie Culex, Kulicoides usw. vernichtet | werden, dürfte nur ein begrüßenswerter Begleitj umstand sein. Nach den Untersuchungen von Preß ' scheint die gemeine Stechmücke Culex pipiens erst neuerdings auf Warmblüter als Blutsauger übergegangen zu sein. Prell hat weile Strecken gefunden, in denen sie sich nur von Pflanzensäften I nähren und nie auf den Menschen übergingen. I Heute ist sie aber schon der Ueberträger der Vogel- | malaria. Er faßt die auf Warmblüter saugenden; Culiciden als biologische Mutation auf. Nach diesem ■ ist es durchaus nicht ausgeschlossen, daß auch die Gattung Culex sich noch zu einem Krankheitsüberträger herausbilden könnte. Von der Rolle, die die Stubenfliege als Ueberträger von Typhus und Ruhr spielt, haben wir oben schon gesprochen. Robinsohn (1865) schreibt: die gewöhnliche Fliege ist höchst lästig und in manchen Jahreszeiten fast unerträglich. Zur Herabdrückung j der im Orient so lästigen Fliegenplage auf ein erträgliches Maß gibt es nur ein Mittel und das ist: größte Sauberkeit. Silvestri hat neuerdings aus i Afrika mehrere Erzwespen (Chalcididen) jnach Italien | mitgebracht, die dort in den Tönnchenpuppen der | Fliegen schmarotzen und in etwa 14 Tagen eine! Generation durchlaufen, so daß sie bei dieser schnellen Vermehrung den Fliegen sehr gefährlich werden können, falls sie sich akklimatisieren.