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Volk und Land · 1919-12-17 · Heft 51-52 (17.12.1919) · p. Seite 1609-1610

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 51-52 (17.12.1919)
Date
1919-12-17
Page
Seite 1609-1610 (sequence 10)
Language
German
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1600 die äußere und für die innere Politik gegeben werden. Von dem Gesichtspunkt der bloßen Exekutive müssen wir uns bei den midisten Wahlen soweit als nur möglich entfernen. Freilich sind auch sonst die weitgehendsten organisatorischen Veränderungen notwendig geworden. Die bisherigen Formen reichen für neuen Status und für die neuen Möglichkeiten des Zionismus nicht aus. Die Gefolgschaft der zionistischen Bewegung hat sich seit dem letzten Kongreß, der ja nun 6'..> Jahre bereits zurückliegt, vervielfacht und gleichzeitig in ihrer landsmannschaftlichen Zusammensetzung (und auch sonst) weitgehend verschoben. Die bisherigen V^ahlmodalitäten sind auch nie auf Kongresse mit solcher Verantwortlichkeit wie die nunmehr kommenden zugeschnitten gewesen. Das Tempo der vorauszusehenden Entwicklung erfordert auch jährliche Kongresse und eine leistungsfähigere ständige Vertretung der zionistischen Interessen als bisher. Wir werden auf längere Wahlperioden kommen müssen, um eine bessere Kontinuität in der Führung unserer Geschäfte zu erlangen. Das Risiko, das in solchen längeren Festlegungen ebenfalls enthalten sein kann, wird durch die Wiederherstellung des 1610 jährlichen Kongresses weitgehend ausgeglichen werden können. Aber vor allen Dingen müssen wir dahin streben, nicht nur die Leitung, sondern auch die Bewegungaktiver zu machen. Der künftige Zustand soll nicht der sein, daß jeder von beiden Faktoren sich mit der Unzulänglichkeit des anderen entschuldigt, sondern beide haben es von vornherein zu verstehen, daß nur in der gegenseitigen Ueberbietung an Eifer und Arbeit das Heil der Bewegung liegen kann. Dazu ist es aber vor allem notwendig, endlich einmal den prinzipiellen Unterschied zwischen positiver und negativer Opposition, zwischen den konstruktiven und miesmacherischen Tendenzen in lind neben der jeweiligen Leitung zu erkennen. Ich bin mit jeder Schärfe einverstanden, die sich gegen die negative und miesmacherische Opposition wendet, muß aber darauf bestehen, daß in einer Bestrebung wie der unseren der jeweiligen Leitung jedes Maß von Respekt vor verantwortungsbewußten positiven Oppositionen zukommt, deren Aufgabe bei uns gelegentlich sehr Viel schwerer gewesen ist als ehe der jeweiligen Regierungen. VOLK UND LAND VII. Schlußwort Ein Kampf um Zion? Was Zionismus ist (oder doch war), darüber herrscht einigermaßen Klarheit: Die Wiedervereinigung von Volk und Land der Juden. Aber Zion? Hierbei will es Vielen -- auch im „Zionismus“ nicht genügen, daß es das'soeben bezeichnete Zijel des Zionismus sei. Denn dieser wolle ja auf kolonisatorischen Wegen eine politische und reale Heimstätte schaffen. . . „Zion“ aber ist Vielen ein Ideal, das die Entweihung durch Wirklichkeit und Verwirklichung scheut. fch überlasse neidlos den Träumern eines irrealen Zion jene luftigen Gedankenjagdgründe, bitte sie aber dringend, auch ihrerseits vom realen Zion, vom Zionismus der Verwirklichung, die Hände zu lassen. Gewiß: Zionismus ist nicht nur das Mechanische iirgendeiner Kolonisation, sondern er will die Wiedereinsetzung der Juden in ihr Land. Auf jüdischen Wegen, soweit nicht durch solche das jüdische Ziel gefährdet, verhindert oder verlangsamt wird. Als Grundlage für die Entfaltung jüdischer Geistigkeit brauchen wir jüdische Körperlichkeit. Diese zu schaffen — auf jüdischen Wegen — ist ' das Ziel auch meines Planes. Ich glaube, den alten jüdischen sozialen und den alten jüdischen staatlichen Gedanken weiter gedacht zu haben, wenn j ich den neuen Staatsbau auf gleiche Rechte und gleiche Pflichten, auf das Prinfzip der Arbeit — aber unter Beseitigung jedes dauernden Arbeitertums lind jeder Hörigkeit - stelle, auf gleiches Landmaß für Alle und auf eine staatliche Fürsorge, die neben dem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wohlergehen des Volksganzen auch auf die möglichste Gleichheit der Chancen für Alle — Gegenwärtige und Zukünftige hinzielt. Die von mir pnoponierte Versöhnung von Kapital und Arbeit, die Ueberwindung des viel zu sehr am Gestern klebenden Sozialismus durch einen viel weitergehenden, die Freiheit und Selbständigkeit iu jungen Jahren, die nach meinen Plänen jeder nach Ableistung seines Arbeitsdienstes für das Gemeinwesen haben soll, und deren Durchführbarkeit ich gezeigt habe diese sollen mir doch in den Schriften der wortreichen Idealisten gezeigt werden, die in jeder Verwirklichung eine Herabwürdigung des Ideals sehen, die aus dem Gemeinwesen der jüdischen Völkskonzentration einen jüdischen Kirchenstaat oder ein Tummelfeld für Titular-Proletarier, die mit dem edlen Worte „Arbeit“’ Mißbrauch treiben, oder ein palästinensisches Literaturcafe oder einen jüdischen Kulturklüngcl machen möchten. Das Geistige, das wirklichkeitsbewußt zunächst den leiblichen Volkskörper wieder gesund machen will - dieses Geistige in allen Ehren. Aber auch die volksfeindliche Verstiegenheit und jene Pseudo-Geistigkeit, die sich auf die falschesten Sach-Unterlagen stützt, dahin, wo sie hingehört: in den Orkus! Der Kampf um Zion ist für uns die Freilegung des Weges, die Beseitigung der Hindernisse. Mögen diese in zionistischen Leitungen sitzen, mögen sie — im besten Glauben ungeeignetster Mentalitäten — als sogenannte Fachleute wirtschaftlichen Unsinn predigen, mögen sie sich als Apostel der ausgesuchtesten Auslese-Theorien auftun: wir müssen von ihnen allen und von allen anderen Hindernissen den Weg des jüdischen Volkes nach Palästina frei machen. Nur volksentfremdeten Schwachköpfen kann die Aufgabe als klein oder als „ungeistig“ Vorkommen, das Volk aus dem neuen Mizrajim herauszuführen. Dies ist die große jüdische Aufgabe der vor uns liegenden Zeit. Daß ein gesundes jüdisches

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