Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 51-52 (17.12.1919)
- Date
- 1919-12-17
- Page
- Seite 1597-1598 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1507 VOLK UND LAND Politik Weidmanns und Nordaus in der Richtung eines Maximalprogramms zustimmen, um so mehr müssen wir uns — auch zur Deutlichmachung der abgrundtiefen Kluft zwischen den beiden Anschau- 1598 ungen — gegen eine ganze Reihe von Aeußerungen des minimalistischen Geistes in unserer Leitung wenden, die noch in allerletzter Zeit „verlautbart“ wurden. II. Offiziöse Arbeitspläne Unter der Ueberschrift „Eine offiziöse Aeußerung über den Arbeitsplan für Palästina“ übernimmt die „Jüdische Rundschau“ den nachstehenden Auszug aus dem Leitartikel des hebräischen Organs des Londoner Zentralbüros „Haolam“. Zu unserem Bedauern müssen wir auch dieser neuesten Verlautbarung der Londoner Leitung mit aller Entschiedenheit widersprechen, gleichzeitig übrigens auch dem unmittelbar darauf aus derselben Quelle übernommenen „Neuen Regulativ für Achusoth“ (veröffentlicht in „Jüdische Rundschau“ S. 698/99), wie auch dem bereits vor einiger Zeit herausgekommenen Gommunique des „Departements für Handel und Industrie beim Zionistischen Zentralbüro in London“. In allen diesen Veröffentlichungen fehlt es durchaus an Verständnis für die Erfordernisse und Möglichkeiten der neuen jüdischen Ansiedlung in Palästina, und so erwünscht „es der jüdischen Oeffentlichkeit sein muß, so schnell als möglich über die Absichten und Pläne der maßgebenden Stellen unterrichtet zu werden, so sollten doch derartige Veröffentlichungen lieber unterbleiben, solange die betreffenden Stellen sich nicht die „Maßstäbe“ geholt haben, nach denen unsere neue Arbeit vor sich gehen soll und muß. Der offiziöse Text. Abgesehen von den augenblicklichen, Ln der gesaintpoliitLschen Lage wurzelnden Beschränkungen, die eine Massenemögration vorderhand unmöglich machen, hängt die Einwanderungsfrage der nächsten Zukunft davon ab, in welchem Maße für die Arbeiter, Handwerker und sonstigen Gewerbetreibenden Arbeitsgelegenheit im Lande geboten sein wird. Der leichteste Weg zur Schaffung von Arbeitsbedingungen ist unter den heutigen "Umständen der der Privatinitiative. Wenn Einzelpersonen oder Gesellschaften ihre Kapitalien in industrielle oder Handelsunternehmen in Palästina anlegen, so würden, sie eine Reihe anderer Einwanderer als Arbeiter und Angestellte beschäftigen können. Anfänge können und sollen sofort einsetzeh. Deshalb unterstützt die zionistische Leitung jede private Initiative, jedoch nur unter der Bedingung, daß sie dem Grundsatz der nationalen Kolonisation nicht zuwiderläuft, besonders in bezug auf die gegenseitigen Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für den Aufbau einer Industrie in Palästina ist Vor allem ein angemessenes Kreditinstitut vonnöten. Es liegt bereits ein ^Beschluß vor, das Kapital der Anglo- Palästime-Go. auf eine Million £ zu erhöhen, und zwar soll die Banik nur handelsi/ndustrielle Unternehmen, nicht aber Häuser bau und Bodenbebauung beleihen. Für diese Zwecke 9oW eine Agrarbank ins Leben gerufen werden, deren Einrichtung und Arbeitsmethode grundsätzlich von der Art einer Kommerzbank wie der | Wir haben die „Industriellen und kommerziellen Möglichkeiten“ in Heft 40 und 41 dieser Zeitschrift j* (Spalte 1302/4) bereits zum Abdruck gebracht. Und zwar ohne Kommentar, um bei Gelegenheit darauf hinzuweisen, wie notwendig Kommentare in solchen Fällen sind. Es werden leider nicht allzu viele Leser jener Verlautbarung darauf gekommen sein, welch ungeheuerliche Lächerlichkeit darin liegt, für. die Masseneinwanderung eines so stark industrialisierten Menschenelementes und für die Errichtung von Heimstätten in einem bisher beispiellosen Umfang . .. von einem (!) Motorboot, von einem Möbelfabrikanten, von einem Wäschereifachmann, von einem Bonbonfritzen, von einem Perlmutterknopffabrikanten und — last not least — von . einem erfahrenen Blumenbinder (!) zu reden. Ich will mich gern verpflichten, weitaus die meisten voii den 15 numerierten Einzelheiten jenes Gomrauniques in einer einzigen von den Hunderten von Kolonien unterzubringen, die wir im allerersten Akt unseres Aufbaues haben müssen. Mit Ausnahme vielleicht des erfahrenen Blumenbinders. Aber auch den bringe ich schließlich unter, wenn der Londoner Leitung gerade an diesem besonders gelegen sein sollte. Für heute will ich mich auf die letzten beiden offiziösen Verlautbarungen beschränken, die ich unter Beifügung meiner Bemerkungen zum Abdruck bringe. Kritische Bemerkungen. Dieser Weg ist in der Tat der „leichteste“ für die Leitung, nicht aber der gegebene für unser Werk. Nicht dem zufälligen Umfang der Privatinitiative hat unsere Leitung den ersten Rang in. der Beschaffung von Arbeit zuzuweisen, sondern von sich aus muß das Gemeinwesen für Arbeitsgelegenheiten größten Maßstabes sorgen, umsomehr als ihm in unserem Falle öffentliche Arbeiten größten Maßstabes nicht nur „als Privilegium, sondern auch als Pflicht“ zufallen. Die Aeußerungen der Leitung über das Verhältnis zwischen ihr selbst und dem Unternehmertum, sowie zwischen jenem und der Arbeiterschaft sind weitgehend unklar und nichtsagend und deshalb unbrauchbar. Auf solche Weise wird man weder das Kapital nach Palästina ziehen, noch das Mißtrauen der Arbeiterschaft gegenüber dem Kapital und der „Regierung“ beseitigen. Die zionistische Leitung wird schon deutlicher sagen müssen, wie sie sich die Unterstützung der Privatinitiative denkt, und sie wird gut tun, sich auch darüber klar zu äußern, wie sie sich die Wahrung der nationalen Kolonisation unter gleichzeitiger Durchführung einer vernünftigen und freundschaftlichen arabischen Politik vorstellt. - Die Agrarbank die erst nach den genannten Voraussetzungen geschaffen werden soll, dürfte für die praktischen Bedürfnisse unseres Aufbaues zu spät kommen. Alle diese Voraussetzungen sind auch nicht nötig, sondern nur wünschenswert. Die Agrarbank kann durchaus vor jenen Voraussetzungen geschaffen und nach dem Maße der Verwirklichung jener vereinbart und verstärkt werden. Das ganze Projekt der Agrarbank ist ja auch nicht neu, und schon vor vielen. Jahren haben die damaligen — an den heutigen gemessen viel größeren —