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Volk und Land · 1919-12-17 · Heft 51-52 (17.12.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 51-52 (17.12.1919)
Date
1919-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLK LAMD «IU E DIS C PiN SCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCHl|§f UND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH 17. /24. DEZEMBER 1919 HEFT 51 / 52 L JAHRGANG ZUR NEUESTEN LAGE Von Davis T r i e t s c h. L Nordaus Berufung nach London Die zionistischen Blätter berichten den Eintritt Dr. Max Nordaus in die zionistische Leitung. Er befindet sich bereits in London, wo er in feierlicher Sitzung des Actions-Comites begrüßt und zu aktiver Mitarbeit aufgefordert wurde. Damit finden die Strömungen, die von der zionistischen Leitung eine großzügige Vorbereitungs- und Siedlungstätigkeit verlangen, eine kräftige Unterstützung. Nordau ist bekanntlich in letzter Zeit mit einer auch für seine Verhältnisse sehr scharfen Kritik gegen die bis vor kurzem noch dominierenden Tendenzen der Verkleinerung unserer Möglichkeiten und der Verlangsamung unseres Siedlungswerkes in Palästina aufgetreten. Kein anderer Differenzpunkt zwischen ihm und der Londoner Leitung als der hinsichtlich des Maßstabes und Tempos der neuen Kolonisationsarbeit ist irgendwie in die Erscheinung getreten, und so dürften wir berechtigt sein, aus seiner Berufung nach London den Schluß zu ziehen, daß man dort zum mindesten bereit ist, auch der großzügigen Auffassung von den Notwendigkeiten und Möglichkeiten der jetzigen Lage Gehör zu geben. Wir dürfen hoffen, daß Nordaus Berufung in absolutem Einverständnis mit Weizmann erfolgt ist, und wenn wir uns erinnern, daß auch dieser in seinen letzten ziffernmäßigen Aeußerungen für einen Maßstab der Kolonisation eingetreten ist, der in die Hunderttausende pro Jahr geht, so werden wir mit der Annahme nicht fehl greifen, daß die gesamte Leitung in einer Umorientierung in unserer wichtigsten Frage begriffen ist*). Man dürfte es endlich eingesehen haben, daß der Maßstab und das Tempo, in denen nach den meisten bisherigen offiziösen Verlautbarungen unser Siedlungswerk aufgefaßt wurde und betrieben *) Hierzu siehe auch: Nordau als Maximalist (Volk u. Land, Heft 33/34). Nordau zur Massenemigration (Volk und Land, Heft 44/45). Weizmann als Maximalist (Volk u. Land, Heft 38/39). Herd als Maximalst (Volk u. Land, Heft 32). werden sollte, in absolut keiner Weise den gegenwärtigen Stand der Dinge — sowohl nach der politischen wie nach der jüdischen Lage — gerecht werden konnten. Nordau hat sich in den stärksten Ausdrücken seiner ausdrucksreichen Feder gegen den „Neo- Zionismus“ gewandt, der den Augenblick, in dem die Mächte der zionistischen Forderung zustimmten, dazu benutzen wollte, ihn auf einen Maßstab herabzudrücken, an dem er im Augenblick des denkbar größten Erfolgs hätte zugrunde gehen müssen. Wir haben mit Nordau manche Differenz gehabt, aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß er zur gegenwärtigen Hauptfrage mit seiner Kritik den absolut richtigen Standpunkt angenommen hat. Zum mindesten hat er den richtigen politischen Instinkt bewiesen und die richtige zionistische Grundauffassung, mit der er sich als legitimer Vertreter der großen zionistischen Bewegung dokumentiert. Ob ihm außerdem auch das tatsächliche Material und die Beherrschung des weiten Bereichs der Möglichkeiten eines Aufbauwerks unter noch nicht dagewesenen Verhältnissen zur Seite stehen, können wir nicht sagen. Für eine entscheidende Rolle in der Führung geht es auch ohne dies, und im übrigen wäre es nicht das erste Mal, daß Nordau uns Ueberraschungen bringt. Aber auf alle Fälle steht zu hoffen, daß die Leitung auf dem nunmehr beschrittenen Wege nicht stehen bleibt und alle die Kräfte heranzieht, die von ähnlichen und anderen Grundlagen aus geeignet sind, aus den politischen Möglichkeiten und den Notwendigkeiten der Juden den Aufbau größten Maßstabes und schnellsten Tempos zu machen, der der zionistischen Bewegung von ihren ersten Anfängen an vorgeschwebt hat, und für den die Erklärungen der Mächte nunmehr die politischen Voraussetzungen gewährt haben. So sehr wir aber uns über die neue gute Aussicht freuen, die uns mit Nordaus Berufung gegeben zu sein scheint, und so gern wir einer

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