Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1919)
- Date
- 1919-12-10
- Page
- Seite 1591-1592 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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1501 VOLK UND LAND 1592 ^iiiiiiiiiniiiinii)iiiiiiiiii'i))iii'>iii»iiii)i»'nmmnn»im'Uiiiii»iiniuni>iiiiiiMiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiitiiiiii[iiiiiiiiiiHiiiiliiiiiiiiiiiimii[|iiiiiiiiliiJlilllilllllllllliiliiiltlli!liiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiHtiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiij5 | AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA ■ ARBEIT || POLITISCHES Am 24. November hat im New Y or k eine grandiose Trauer- und Protestkundgebung gegen die Abschlachtungen der Juden in der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern stattgefunden. An dieser Kundgebung haben sich einige hunderttausend Menschen beteiligt „Israel“ (Rom) berichtet aus Saloniki, daß der Gemeimderat versucht habe, die jüdisch-nationale Kundgebung am 2. November zu hintertreiben, dies aber an der Begeisterung der Saloniker Juden gescheitert sei. Es erfolgte eine Demonstration gegen die Alliance Israelite Universelle. ln Brünn und in Konstantinopel wurden Gruppen des Hapoel-Hazafr gegründet. In England entstand lim Anschluß an den Prozeß, den Sir Alfred Mond gegen antisemitische Verleumdung durchführte, eine systematische Hetze eines kleinen Antisemitenkreises, der außer einem Wochenblatt auch ein „Judenbuch“ herausgeben will, anscheinend eine Art englischen Semi-Gotha. Im österreichischen Landtag wurde ein christlich-sozialer Dringlichkeitsantrag angenommen, der die Regierung zu beschleunigter Abschiebung „aller volkswirtschaftlich schädlichen Fremden, insbesondere der Ostjuden“ auffordert. Die Annahme erfolgte einstimmig, da auch die Sozialdemokratie überraschenderweise mittat. Der „Verband der Ostjuden in Deutschland“ wendet sich in einer Zuschrift an die Presse gegen die von alldeutscher Seite inszenierte Hetze gegen die Ostjuden, die bereits den Erfolg gehabt hat, das städtische Körperschaften ungerechtfertigte Entschlüsse gegen sie fassen. Die „Liga für Menschen- und Bürgerrecht e“ hat beim französischen Ministerium des Innert) Schritte unternommen, um die antisemitische Administration, die in Algerien herrscht, zu beseitigen und volle bürgerliche Gleichberechtigung für die Juden zu erwirken. An verschiedenen deutschen Universitäten (Gießen, Halle, Greifswald) macht sich unter den Medizinern eine scharfe antisemitische Strömung bemerkbar. PALAESTINA Mit dem Beginn der Regenperiode bat die Badesaison in den Heilquellen von Tiberias eingesetzt. Der Verkehr zwischen der Eisenbahnstation Samach (an der Linie Haifa-Deraa) Und der Stadt Tiberias, der sich bisher mittelst eines Dampfbootes auf dem Tiberiassee abwickelte, mußte infolge der Winterstürme eingestellt werden. Dafür hat die „Genezaret-SeeAjesellschaft“ beschlossen, zwischen Samach, Kineret, Tiberias, Nazareth, Rosch-Pinah und Safed einen Automobilverkehr einzuführen, der die Siedlungen Unter- 1md ObergaIiläas~~verbinden soll. Der Beschluß tritt sofort in Kraft ln Konstantinopel hat sich eine jüdische Gesellschaft gebildet, zwecks Gründung einer Bank in Palästina; das Kapital soll eine halbe Million Pfund Sterling betragen. ln Bukarest ist eine Palästina-Handelsgesellschaft mit einem Stammkapital von 2 Millionen Lei gegründet worden. Die Zionistische Organisation von Süd-Rußland beruft eine Konferenz der jüdischen Kolonisten der Provinz Cherson ein, um die Uebersiedlung dieser jüdischen Landleute nach Palästina zu organisieren. In Jerusalem erschien die vierte Lieferung der „Veröffentlichungen des hebräischen Sprachkollegiums“. Sie enthält neben Berichten von Jellin und Ben-Jehuda eine Terminologie der Möbel- und Hausgeräte. Nach einer langen Unterbrechung infolge der Kriegsereignisse erscheint jetzt die hebräische landwirtschaftliche Zeitschrift Palästinas „Hachaklei“ (Der Landwirt) wieder. Die jüdische Aerztevereinigung in Jerusalem gibt eine hebräische Fachmomatsschrift „Ha rfuah“ (Die Medizin) heraus. In Tiberias erscheint in hebräischer Sprache ein in allen Details ausgearbeiteter Entwurf einer Prozeßordnung für die Friedensgerichte Palästinas, zusammengestellt von Daniel Auster. SOZIALES Der polnische Reichstag nahm das Sonntagsruhegesetz endgültig an, durch das den sabbathtreuen polnischen Juden der Zwang eines zweifachen Ruhetages auferlegt wird. Die jüdischen Schneider Kanadas haben den Verdienst von fünf Arbeitsstunden den jüdischen Pogromopfern in Osteuropa gespendet. Die italienischen nichtjüdischen Schneider haben das gleiche getan. Der Schweizer Bundesrat hat seinen Beschluß vom 23. März 1918 betr.. Ausnahmen vom Schächtverbot und die gestützt auf diesen Beschluß erlassene Verfügung des Justiz- und Polizeidepartements vom 17. Juni 1918 aufgehoben. Vom 1. Januar an ist das Schlachten der Tiere ohne Betäubung vor dem Blutentzuge wieder ausnahmslos im ganzen Lande untersagt Der „Israelit“ (Frankfurt a. M.) macht den Vorschlag, jüdische Waisenkinder, statt sie in Waisenhäuser zü geben, jüdischen Lehrern auf dem Lande anzuvertrauen, um so den Kindern eine Familienerziehung zuteil werden zu lassen, den Gemeinden eine höhere Anzahl Schüler und einen Unterhlaltsbeitrag für ihre Schulen zu verschaffen. Im JudenviöTtel von Damaskus ist eine englische Missionsschule errichtet worden, die ihre Schüler mit Nahrungsmitteln zu ködern sucht. Der Waad Hair hat Protest erhoben. Die rumänischen Zionisten haben die Errichtung einer jüdischen Volksuniversität beschlossen. ln München errichtete der Verein für jüdische Geschichte und Literatur ein Vorlesungsweseu nach dem Muster der jüdischen Volkshochschulen in Berlin lind Breslau. Als „Helene F i s c h be i n-St i f t u n g für Künstlerinnen“ erhielt die Jüdische Gemeinde Berlin 100 000 M. Die Stipendien sollen begabten Künstlerinnen die Möglichkeit geben, sich in. freier Arbeit zu entwickeln. Das Stipendium solt jedesmal zwischen einer jüdischen und einer christlichen Bewerberin geteilt werden. Die vom Büro für Statistik der Juden herausgegebene „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ erscheint wieder und hat soeben die Hefte Januar—April 1919 herausgegeben. Ehe Jahrgänge 1917 und 1918 sollen baldigst nachgeliefert werden.