Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1919)
- Date
- 1919-12-10
- Page
- Seite 1593-1594 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1593 ==========-^^^=^ =---^== VOLK UND LAND —^ -=-^-=' -^:-^-]5Q4 _ _1 _1 11 iiiniiijg I BUECHERBESPRECHUNQEN — =— || Sämtliche in „Volk und Land“ erwähnten und besprochenen Bücher und Druckwerke aller Art erhalten unsere Leser am schnellsten durch die Sortimentsabteilung des „Welt -Verlages' , Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 35 Arthur Trebitsch : Geist und J u d c 111 u in. Wien- Leipzig, Ed. Strache. 282 S. 8°. Brosch. 12 M., geb. 13.50 M. Das Buch ist durch zwei Stellen ausreichend gekennzeichnet: 1. S. 187, Zeile 2 von unten bis S. 188, j Zeile 9 von unten: „Noch heute gedenke ich jener Religionsstunden im Gymnasium, da. uns das „auserwählte Volk" und der jüdische Gott sollte gelehrt werden. Wir aber waren ein gar störrisches, junges Volk gewesen, und wir weigerten uns, die fremde häßliche Sprache zu lernen und wir wollten weder Ehrfurcht noch Glauben empfinden, mit unserem, jungen Ueben bereits anderem Glauben und anderer Ehrfurcht ahnend aufgetan . . . Nicht allzuweit von mir und1 nur um zwei Jahrgänge getrennt war [war! siel] damals ein Otto Weininger gewesen, der den trotzigen Chor der Fronde und der seelischen Gehorsamsverweigerung mit seinem gewaltigen, frühgereiften Geiste unterstützte. Und so lernten wir jene Sprache nicht und waren innerlich flenne und abgeneigt [der deutschen Grammatik und] der Lehre und dem starren Gesetze des verloren* gegangenen [Herr Trebitsch meint: verlorenen] und entwurzelten Volkes Israel; denn wir wußten und fühlten uns als Söhne der eigenen, geliebten, deutsch-österreichischen, [Herr Trebitsch meint: österreichischen] Heimat, und alle guten Geister der deutschen Vergangenheit wachten über uns wie über irgendwelche [Herr Trebitsch meint: welchen anderen] deutschen Knaben auf der Welt! Und also, war und blieb ich ein Renegat mein Leben lang, dessen, was ich abwehrend verneinen mußte in guter Erkenntnis meines lebendigen Seins und Fuhlens! — Entweder also dies Wort (Renegat) hat seinen verächtlichen Nebenton ein für allemal einzubüßen oder aber muß ein jeder ganz ernstlich verwarnt werden, der es vorschnell und nicht wohl angebracht zu mißbrauchen wagte!" 2. S. 282, Zeile 2 von oben bis Zeile 4 von unten: „Tatsächlich aber müssen wir den Juden im heutigen Geistesleben den „dummen August der Kultur" nennen [sollte Herr Trebitsch hier nicht etwas unbedacht verallgemeinern?], der allüberall mit Befehlshabergebärden voranläuft, dieweil die wahrhaft Schaffenden im Schweiße ihres Angesichts und in voller Hingabe die eigentliche Arbeit, leisten; darin aber weicht unser Gleichnis in betrüblicher Weise von der Wirklichkeit ab, daß, während im Zirkus der nichtige Hokuspokus des Voraneilens, Befehleerteilens und Regierens durchschaut und belacht wird, auf der Arena dies Lebens des Judens führende Rolle [Herr Trer bitsch mleint: die führende Rolle des Juden] noch lange nicht in ihrer Lächerlichkeit, Ueberflüssigkeit und Anmaßung durchschaut worden war." Hält man sich zu dem Angeführten vor Augen, daß Herr Trebitsch selbst getaufter Jude ist und in Wien lebt, sagt man, was einen Houston Steward Chamb erlain recht, ist einem T rebit sch billig, zumal in Wien: der Uebergang zum Feinde und die Verleumdung des eigenen Stammes. A bon entendeur salut! Dr. John Loewenthal. Gerhard Holdheim-Walter Preuß: Die theoretischen Grundlagen desZionismus. Ein Leitfaden. Mit einem Anhang: Die bedeutendsten jüdischen Organisationen und Institutionen. 1919. Welt-Verlag, Berlin. Geh. 3.50 Mi., geb. 4.50 M. Dieses Buch ist in erster Linie für die Hand des Leiters von Kursen über den Zionismus bestimmt, darüber hinaus aber für jeden, der alles Wichtige über die Entwicklung des zionistischen Gedankens und seine Beziehungen zu den großen geistigen Strömungen innerhalb und außerhalb des Judentums in knapper und doch erschöpfender Form vereint finden möchte. Es gibt zunächst einen historischen Abriß der Wandlungen des jüdischen Gedankens seit der Zerstörung des zweiten T empels bis zur Emanzipation eine Darstellung des Wiedererwachens der nationalen Idee im Präzionismus der Heß, Pinsker und der Chowewe Zion. Dann folgt die Schilderung der Persönlichkeit Herzls und eine Uebersicht über die Entwicklung der zionistischen Bewegung unter ihm und seinen Nachfolgern. Ein besonderes Kapitel ist den Theoretikern des jüdischen Nationalismus — Achad Haam, Birnbaum, Buber, Brod, Berdyczewski, Kiatzkin usw. — gewidmet. Der zweite Teil des Buches behandelt das Verhältnis des Zionismus zu den geistigen Strömungen innerhalb und außerhalb des Judentums. Sehr sorgfältig ausgewählte Literaturnachweise, die jedem einzelnen Kapitel beigegeben'sind, ermöglichen es dem Leser, das in gedrängter Kürze Gebotene durch Quellenstudium zu erg” rzen. Da es nicht nur als Lehrbuch, sondern auch \.-i handliches und zuverlässiges Nachschlagewerk zu dienen vermag, sollte es sich im Besitze jedes Zionisten befinden. Siegfried Jacobsohn: Das Jahr der Bühne. Achter. Band 1918/19. Oesterheld & Co., Berlin 1919. 10 M. Strenge Leser mögen die Stirn runzeln, weil dieses Buch hier besprochen wird, obwohl es weder mit Wirtschaft noch mit Politik noch mit Palästinaarbeit etwas zu tun hat. Es soll auch nicht mehr gesagt werden, als daß man immerhin auch auf den Juden Jacobsohn stolz sein darf, der in diesem Band zum achten Mal dem Jahr der deutschen, d. i. der Berliner Bühne seine kritisch bewertete Geschichte schreibt. Friedens- und' Revolutionstheater wird wägend gegeneinander gehalten und festgestellt, daß unterm Stern der neuen Zeit die Bretter eine jämmerliche Welt bedeuten. — Denkt daran, daß auch wir, hoffentlich, einmal ein palästinensisches' Theater haben werden, und lernt beim Lesen des achten Jahres der Bühne erkennen, daß wir neben den Männern der Politik und Wirtschaft auch den Mann der kritischen Feder brauchen werden. Möge er in der Leidenschaft für seinen Beruf einem Jacobsohn nicht nachstehen, und möge das Jahr der hebräischen Bühne dem Freunde sprachlicher Kultur ähnliche Freude bereiten, wie der achte Sammelband der Kritiken Jaoobsohns. C. Z. K. Zeitschriften: Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Herausgegeben und redigiert von Leo Winz. XIX. Jahrgang, Heft 11/12. Haolam (hebräisch). Organ der Zionistischen Weltorganisation. London W. C. 1. Jede Woche ein Heft. Verantwortlich: Für die Redaktion C. Z. Klötzel; für die Inserate Fritz Scherbel, beide Welt - Verlag, Berlin NW 7. Druck von Siegfried Schoiem, Berlin-Schöneberg.