Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1919)
- Date
- 1919-12-10
- Page
- Seite 1583-1584 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1583 VOLK UND LAND 1584 friedenstellcn wollte. ln den Staatswörterbüchern ist so etwas wie ein „Nationales Heim“ unbekannt. Dies ist ein unbestimmtes (poetisches Wort, das wohl vor 20 Jahren genügt hätte. Was man brauche, sei eine feste Abmachung, sonst könnte ein neuer Pharao kommen, „der den Joseph nicht kannte“ und die Zionisten würden wie Shylock die Erlaubnis erhalten, ihr Pfund Fleisch zu nehmen, jedoch ohne einen Tropfen Blut zu vergießen. Man wolle das Recht haben, sagen : wir nach 25 Jahren, Freiheit lind Unabhängigkeit zu j verlangen. Nationen sind ein komplizierter Organis-; mus und es könnte sein, daß England, wenn die Zeit gekommen ist, in der Lage wäre, unsere rechtmäßigen Forderungen abzuschlagen. Man solle offen gegen die englische Regierung sein, wie auch gegen die Araber. Nur so wären gute Beziehungen mit diesen möglich. Die Araber werden Arabien erhalten und große Gebiete wurden ihnen für ihr nationales Heim versprochen, jedoch müßten sie sich klar sein, daß diejenigen, die in Palästina blieben, ihrer Nationalität nach Juden sein würden. Eine andere Frage, die der Aufklärung bedürfe, sei die-Stellung gegenüber .den Juden des östlichen Europas, die zu Tausenden darauf warteten, nach Palästina zu gehen. Ist ihnen erklärt worden, daß in den nächsten Jahren Palästina nur eine geringe Anzahl Menschen aufnehmen kann? Ihm sei gesagt Vörden, '-daß ein beratendes Komitee geschaffen worden wäre. Wozu? Warum leben wir in der ägyptischen Finsternis? Die Zionisten müßten vereint an die Führer herantreten, und Einzelheiten über diese Sache verlangen. Er wäre zufriedgn, wenn er den Ball ins Rollen gebracht hätte. Die Opponenten, unter denen sich auch Leo Hermann befand, führten aus, daß von Geheimdiplomatie keine Rede sein könne, daß man mit den gegebenen Umständen rechnen müsse und dijese erlaubten nicht die Gründung eines autonomen Staates; wenn die jüdische Nation politisch reif sein würde, wofür gerade ihre Abhängigkeit vom britischen Staate bürge, würde sie auch die Autonomie erlangen. Die Zionisten hätten ihre Aufgabe zunächst darin zu erblicken, die Minorität in Palästina in eine Majorität zu verwandeln. Was die Konferenz in' Basel betreffe, 90 würden auf ihr alle Richtungen der zionistischen Idee vertreten sein, und wegen der Auswanderung, wäre in der polnischen Presse genügend geschrieben worden, um die Leute zu orientieren. Schließlich müßten Vorwürfe eher gegen die zionistischen Organisationen als gegen die Führer gerichtet werden, weil diese nicht die notwendigen Mittel für die vorbereitende Arbeit aufgebracht hätten. C o w e n antwortete, daß der Wortlaut des Mandates auf der Londoner Konferenz nicht diskutiert worden wäre. Er wüßte wohl, daß einige britische Kolonien Selbständigkeit erhalten hätten, aber er dachte auch an Aegypten und Irland. Er behauptete, daß man nicht versucht* hätte, die nötigen Bedingungen zu schaffen. Jede Abmachung mit der Regierung würde — wenn veröffentlicht —- einen großen Eindruck auf die Araber machen. Man habe von der Regierung nicht freie Hand erhalten. So konnte die „Haboneh“-Company ihre Registrierung in England nur erlangen, als sie eine Bürgschaft gab, daß 50 0/0 ihrer Ausgaben im Lande verbleiben würden. Dies ist ein schändliches Verlangen und es ist schändlich, daß es erfüllt werden mußte. Die öffentliche Meinung müsse tätiger beeinflußt werden als bisher. Verschleppung und Intrige „Palestine“, das Organ des britischen Palästinakom itees, schreibt in einem Leitartikel vom 15. November; Ein Jahr Ist vergangen und wir haben mit aller gebührenden Feierlichkeit den Jahrestag des Waffenstillstandes begangen. Wir dachten an das Sterben, die Opfer und die unendliche Agonie der Völker. Wie gerne hätten wir geglaubt, daß was mit Tränen gesäet worden, nun in Frieden geerntet werden könne. Aber noch ist die Zeit der Ernte nicht da und die Tränen haben noch nicht aufgehört zu fließen. Man kann rächt einmal mit irgendeiner Sicherheit sagen, daß die Ernte auch nur in Sicht ist. Hier in England beginnt man zu sehen, daß die Verzögerung uns eine schwere Last aufbürdet und die Fragen, die schon genügend verwickelt sind, noch Weiter kompliziert. Für die unterdrückten Völker des Orients aber bedeutet sie weit mehr als materiellen Verlust oder diplomatische Ungelegenheiten, ja mehr als den Verlust eines kostbaren Jahres. Sie bedeutet für sie ein Bleigewicht bei jedem ernstlichen Bemühen, sich aus der Zerstörung und dem Elend der Vergangenheit zu erheben und sich ein neues und kräftiges Leben aufzubaueu. Der nahe Orient ist fern und die Welt des Westens hat genug Sorgen, aber die führenden Staatsmänner und die Völker, die so große Opfer gebracht haben, sollten doch genügend Vorstellungskraft haben, um die Bedeutung des Elends und der Konflikte zu ermessen, in welche die Zauderpolitik die Völker des Nahen Ostens stürzt. ln Ermanglung von Taten und Entscheidungen müssen wir uns, so gut wir können, an Reden halten. Und wir stellen fest, daß zum zweiten Male binnen weniger Tage der Ministerpräsident erklärt hat, daß unter den Verbündeten völlige Uebe rein Stimmung bezüglich der wesentlichen Grundsätze der Regelung der türkischen Frage besteht und daß die türkische Mißwirtschaft ein Ende finden müsse. Vermutlich war es nur ein Versehen, daß Mr. Lloyd George bei der Aufzählung der zu befreienden Nationen die Juden nicht erwähnte. Mr. Lloyd George war van Beginn des Krieges an ein warmer Freund der jüdischen nationalen Sache und er würdigt die Bedeutung eines jüdischen Palästina für die Welt im allgemeinen und für das britische Reich im besonderen. Seine Stärke liegt in seiner Fähigkeit, neue große Ideen zu erfassen. Sein Geist hat die unter Staatsmännern etwas seltene Eigenschaft der Zugänglichkeit. Wer ihm Unbeständigkeit vorwirft, weil er leicht von einer Auffassung zur andern übergeht, tut ihm unrecht. Der Ministerpräsident bleibt einem Gedanken, den er wirklich aufgenommien hat, sehr treu und sucht ihn auf allerlei Wegen durchzusetzen. Natürlich muß er sich in bezug auf Einzelheiten auf andere verlassen ünd darum hängt viel davon ab, auf welche Weise ihm Einzelheiten dargestellt werden. Was das jüdische Palästina betrifft, “so ist der Schlüssel aller Einzelfragen in territorialer Beziehung die richtige Grenze Palästinas, die für seine wirtschaftliche Leistung notwendig ist, und in politischer Beziehung die administrativen, wirtschaftlichen |und politischen Bedingungen, die dem jüdischen Volke lunentbehrlich sind, uni das jüdische Palästina zu schaffen. Diese beiden Gesichtspunkte sind ganz klar und sie sollten den Ministerpräsidenten leiten. Lord AUemby ist augenblicklich in Aegypten und General Gouraud wird bald in Syrien erscheinen. Es scheint aber nicht, daß die Verhandlungen m Paris zu einer Verständigung mit Emir Faisul geführt haben. Der Emir droht mit der Zurückziehung aller seiner Truppen am Syrien und mit der Ablehnung aller Verantwortung, wenn Frankreich auf der Besetzung des Landes (bestehen sollte. Daraus-können wir entnehmen, daß Frankreich die Frage der militärischen Besetzung Syriens für eine ganz ernste hält. Es scheint sich nicht auf iSeuegaltruppen oder auf Marokkaner verlassen zu wollen, $ondem denkt an eine starke Durchsetzung mit weißen Truppen. Es ist sehr bedauerlich, daß die Differenz ,in solchen Formen ausgetragen werden soll. Es liegen auf beiden Seiten Mißverständnisse vor. Wir sind geneigt anzunehmen, daß in der letzten Zeit die Irrtümer auf der Seife des Emirs am zahlreichsten sind. Im Zusammentlang mit seinem Besuch in Paris wurde von neuem ein Angriff auf den guten Glauben und das