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Volk und Land · 1919-12-10 · Heft 50 (10.12.1919) · p. Seite 1579-1580

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 50 (10.12.1919)
Date
1919-12-10
Page
Seite 1579-1580 (sequence 11)
Language
German
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1579 VOLK UND LAND 1580 Geschichte gemacht haben, folgten in schneller Reihenj folge einander. j Selbst der assimilatorische „Jewish Guardian*‘ bej zeichnet die Ankunft Nordaus in England als ein i bedeutsames Ereignis/* Oberst Patterson, der bekanntlich einer der Leiter der jüdischen Palästina-Legion war, verließ Palästina, um sich nach England zu begeben. Die Jerusalemer jüdische Gemeinde überreichte Patterson vor seiner Abreise eine Megillah, welche die Dienste beschreibt, welche Patterson der jüdischen Sache erwies. Danach muß jeder Vorwurf, die Leitung komme ihrer Verpflichtung, das zionistische Publikum von allem Wichtigen zu unterrichten, nicht in genügendem Maße nach, als böswillige Verleumdung zurückgewiesen werden. Man wird billig fragen dürfen, was denn z. B. an dem Bericht über den Presseempfang Nordaus noch ausführlicher hätte sein können? Nein, man tut in London schon seine Pflicht, und wird sie weiter tun, eingedenk der großen Aufgabe, die der Zionismus .. Scherz bei Seite, die Formen, weldre die Berichterstattung unserer „Offiziösen“ anzunehmen beginnen, verpflichten dazu, daß man den Managern dieses Pressedienstes recht derb auf die Finger klopft. Der Zionismus hat es nicht verdient und es liegen auch keine zwingenden Gründe dafür vor, daß man ihn ausgerechnet im gegenwärtigen Zeitpunkt vor sich selbst und vor der Welt lächerlich macht durch eine Berichterstattung,, bei der dem deutschen Leser ein Geschmack aufstößt, als habe er den Hofbericht des Berliner Lokalanzeigers gelesen. (Wem in aller Welt will man mit den Schmötnzes, die man kritiklos in die Lande hinausschickt, eigentlich imponieren? Z. B. mit der Meldung, daß Chajim Weizmann zur Fahrt nach Kairo einen französischen Kreuzer benutzt hat. Mit wessen Psychologie rechnet man, wenn man die Vorstellung beim Leser hervorruten will, daß der Führer des Zionismus an Bord eines Kriegsschiffes Reisen unternimmt: genau wie Poincare, der Prinz of Wales, der . König von Italien, weiland Wilhelm II. Auf welches Denken und Empfinden spekuliert man dabei: aut das der ostjüdischen Massen, denen vielleicht ein Ausv\ andererschiff, sicherlich aber kein Panzerkreuzer Gegenstand der Bewunderung sein wird, und die nicht das mindeste Verständnis für die politische Bedeutung dessen haben, daß 'Weizmann Gast der französischen Flotte war, oder auf jenen neuen, jungjüdischen Geist, der mit starkem Radikalismus „Europa ablehnt“ und nicht verfehlen wird, sich immer mehr aus einer- Organisation hinauszuentwickeln, die mit einer Gelehrigkeit sondergleichen beginnt, die wirklichen Torheiten des europäischen Lebens auf das zionistisch-palästinemr- 1 sische zu übertragen. Näherliegend scheint die j Annahme, daß hier Einflüsse maßgebend sind, die! aus der Sphäre des November-Zionismus stammen, j in der die Stellung zum jüdischen Gedanken im Wesentlichen beeinflußt wird von der Bewertung der jüdischen Frage durch die englische Politik. Für Leute, die aus englischem Patriotismus „Zionisten“ geworden sind, mag die Kreuzerfahrt Weizmanns eine wichtige Angelegenheit sein; für den Zionismus ist es gefährlich, sie zu einer solchen zu stempeln. Aber was reden wir von Psychologie! Wer den Bericht über Nordaus Presseempfang gelesen hat, dem müssen die Haare zu Berge stehen über diesen Gipfel der Schmockerei und Abgrund von Politiklosigkeit, über dieses Attentat auf Nordau, den Zionismus und den Weltruf der journalistischen Geschicklichkeit des Juden. Denn dieser Bericht ist in jeder Beziehung unglaublich: es ist unglaubhaft, daß ein Zionist, ein Mann der Feder, ein Nordau diesen blasphemischen Unsinn verzapft haben soll, diesen frivolen Witz vom „M essias als;K o 11 e k t i v u m“, mit dem ehrlich und scheinbar Entrüstete mit beispiellosem Erfolg gegen den Zionismus agitieren werden, wenn dieser verrückten Fabel nicht sofort und völlig der Boden entzogen wird. Wie aber ist es möglich, daß über eine offizielle zionistische Veranstaltung in dieser geradezu verantwortungslosen Weise berichtet wird? Man braucht kein frommer Jude zu sein, um zu wissen,, daß ein Vergleich zwischen England und dem Maschiach eine Art Chillul haschem ist, kein bibelgläubiger Christ, um ihn als Lästerung des Gekreuzigten zu empfinden, und sicher auch kein Engländer, um zu ahnen, wie sehr merkwürdig ein solches Wort aus dem Munde eines Führers der zionistischen Bewegung in den Ohren des englischen Volkes klingen muß. Wenn das etwas anderes ist, als vollendete Dummheit, gemischt mit einer guten Portion Würdelosigkeit, wenn das etwa den Anspruch erhebt, „Politik“ zu sein, so ist den Zionisten zu raten, alle Hoffnungen zu begraben oder aber — solche Politiker zum Teufel zu jagen. Wenn das Londoner Büro solchen Wahnsinnsakt seiner offiziösen Korrespondenz nicht zu verhindern weiß, so erbringt es damit den Beweis, daß es unfähig ist, gewisse elementare Anforderungen politischer Art zu erfüllen. Wir wissen, daß wir in unseren Reihen genug Journalisten haben, die ihr Handwerk verstehen und sowohl Geschmack wie Rückgrat besitzen. Und wir werden solange schonungslos die Unzulänglichkeit der zionistischen Berichterstattung bloßstellen, bis wir es erreicht haben, daß nicht fortgesetzt durch den Gebrauch von viel Papier und wenig Gehirnsubstanz der Zionismus vor Gott und der Welt lächerlich gemacht wird. Inhaltsverzeichnis und Sachregister des ersten Jahrganges von „Volk und Land" werden der letzten Nummer angefugt Deren Erscheinen wird sich hierdurch etwas verzögern. illllllilllllllllllllUUIIIMIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIfllllllllllllUUIIIIIIIIIIIIIIIIillllllllllllllllllllllllM

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