Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-12-10 · Heft 50 (10.12.1919) · p. Seite 1577-1578

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 50 (10.12.1919)
Date
1919-12-10
Page
Seite 1577-1578 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649312--0977-2650344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1577 VOLK UND LAND - --^ =-= 1578 bliebenen, 6. der Zurückgereisten; nach Namens-, Geschlechts-, Alters- und Berufs-Kategorien. 4. Paßstelle: Organ für Beschaffung der Reisedokumente (zionistische, britische und andere notwendige Visa) und für den Verkehr mit Orts¬ und Hafenbehörden. 5. Bahn- und Schiffsdienst: Er besorgt den Verkehr mit den Bahnverwaltungen, Schiffahrtslinien und Transportgesellschaften, beschafft die Reisekarten und kontrolliert die Reise- und Transportbedingungen. Er teilt sich in a) die Rassage-Abteilung, b) die Frachten-Abteilung. 6. Wechselstube: Stelle für Beschaffung der nötigen Geldsorten und die finanzielle' Beratung der Emigranten; bei Bedürftigkeit Verweisung an die Fürsorge. Die Wechselstube ist Filiale des Konstantinopeler zionistischen Finanzinstitutes. 7. Hilfsdienst: Fürsorgestelle, umfassend folgende _ Abteilungen: a) Unterkunft (Baracken, Hallen, Hotels usw.); b) Verpflegung*(Volksküchen in und außerhalb der Hallen); c) Krankenpflege (Hospital, Ambulatorium, Matern ite usw.); d) Beratungsstelle für Zu rück bl eiben de, mit 1. Armen-Unterstützung, 2. Arbeitsnachweis. Soweit das Schema. Es erhebt keinen Anspruch auf Lückenlosigkeit Frühere Erfahrungen können es ergänzen, Kompromisse mit dem Möglichen es verändern. Aber es dürfte in summa eine geeignete Arbeitsform abgeben. Straffe Zentralisierung des Ganzen in energischer Hand, bei möglichster Selbständigkeit der Einzelaktionen, muß dafür sorgen, daß alle praktisch und reibungslos einander zuarbeiten. Die Kontrolle kann dem politischen Vertreter des zionistischen Aktionskomitees in Konstantinopel in die Hand gegeben werden. Ein Ehrenkomitee kann die Organisation beraten. Auf solcher Grundlage begründet und mit Aktionsmittein genügend ausgestattet, wird die Zentrale für Palästina-Wanderung aus Südost-Europa die verantwortungsvolle, ungeheure Aufgabe beT wältigen, die die geographische Lage Konstantinopels und der große historische Augenblick ihr stellen. „JOURNALISMUS!“ Von C. Z. „Und wie er sich räuspert und wie er spuckt . .!“ Man macht der zionistischen Leitung den Vorwurf zu großer Schweigsamkeit. Man fühlt sich schlecht orientiert, man tappt im Dunkeln, man murrt über „Geheimdiplomatie“. Kurz: man ist mit der Behandlung unsere Presse durch die hohen und höchsten Stellen der Bewegung unzufrieden. Keineswegs mit Recht,' wie im Folgenden gezeigt werden wird. Die Leitung schweigt sich nur übpr Dinge aus, von denen sie annehmen darf, daß die Masse der Zionisten, sich nicht für sie interessiert, — bis auf die paar Neugierigen, die auf Stoff für ihre Nörgelsucht fahnden. Alles wirklich Wichtige, alles, was der Zionist unbedingt wissen muß, wird ihm nicht nur in keiner Weise vorenthalten, sondern es wird dafür gesorgt, daß er es schnell und ausführlich erfährt. Hier der Beweis: Das „Jewish Gorrespondence Bureau“ eine offiziöse Nachrichtenstelle des zionistischen Hauptquartiers in London brachte vor kurzem in einer Ausgabe seiner Mitteilungen für die jüdische und die allgemeine Presse folgende Meldungen von hochpolitischer Bedeutung: Dem Londoner Jüdischen Korrespondenzbüro wird aus Jerusalem unter dem 25. Dezember telegraphiert: Weizmann verließ Jaffa an Bord eines französischen Kreuzers, um. sich nadh London zu begeben. Er wird in Kairo Halt machen, wo er einen Vortrag über die hebräische Universität halten wird. Max Nordau empfing am 19. Dezember die Vertreter der englischen Presse. Der Konferenzsaal des Hauptbüros der zionistischen Organisation, war mit Korrespondenten der bedeutendsten englischen Organe, Preßbüros und der jüdischen Zeitungen gefüllt. Nordau machte tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Er antwortete auf alle Fragen in fließendem, formvollendetem1 Englisch. Er sprach mit dem Pathos eines Propheten, dem Temperament eines Jünglings und entfaltete Witz, Klötzel. Schlagfertigkeit und Humor in einem Grade, der jeden Zuhörer zur Bewunderung hinriß. Besonderes Interesse rief seine Stellungnahme zur Erklärung Balfours hervor. „Englands Großmut weckt in uns die Empfindung“, erklärte Nordau in, eindrucks-. voller Weise, „daß nach zwei Jahrtausenden der Dunkelheit endlich die Stunde der Morgenröte naht. Wir dachten, daß der Messias ein Individuum sein würde. Heute fühlen wir, daß es eine kollektive Einheit und sein Name England sein dürfte. Das jüdische Volk hat viele falsche Messiasse gekannt. Wir haben die feste Zuversicht, daß wir mit England nicht die gleiche Erfahrung machen werden. Die Enttäuschung würde zu fürchterlich, sein. Auf die Frage der Möglichkeit einer jüdischen Regierung in Palästina erwiderte Nordau: „Wenn Großbritannien sagen sollte: „Wir sind der Mandatar. Hier ist Palästina!“, die Welt würde staunen, wie schnell wir Juden unsere Regierung aufbauen, würden. Nordau fügte lächelnd hinzu, daß schon heute ein reger Wettbewerb um die Regierungsposten herrsche. Aufsehen erregte die Erklärung Nordaus, daß jene Juden, die nach Palästina gehen wollten, aber keine Möglichkeit zur Verwirklichung ihres Planes finden, das Recht haben müssen, die jüdische Nationalität schon in ihrer^ gegenwärtigen Wohinländern zu erwerben. Als Grenzen Palästinas forderte Nordau im Norden den Berg Hermom, im Süden Aegypten, im Westen die mittelländische See, im Osten den Haurau bis zur Bagdadeiis-embahn (!). ri Die gesamte englische Presse widmete dem greisen Zionistenführer warme Worte der Bewunderung. Die „Pall Mall Gazette“ nennt ihn einen Patriarchen in Israel, auf den das Judentum mit Recht stolz sein dürfe. Er fasse jeden, der mit ihm in Berührung komme, in einer Weise, die nur großen Persönlichkeiten eigen sei. Der „Evening Standard“ schreibt: „Nordau1 sprach mit der Beredsamkeit eines Propheten über die Zukunft Palästinas. Klassische und biblische Aussprüche, Zitate in toten und lebenden Sprachen, Namen, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.