Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1919)
- Date
- 1919-12-10
- Page
- Seite 1575-1576 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1575- ■ — ■: ^-.-=r=r= VOLK UND LAN!» =—--;-=■- — — — \ ^75 ist d e r Abs e ii i u ß des T ü r k e n f r i e d e n s, der die türkische Grenzsperre aufhebt, lind d i e Erteilung des palästinensischen Mandates a n G roßbritannie n, die die Pforten des heiligen Landes öffnen wird. Bis d a h i n muß das Emigrationsamt in Konstantinopel zum Funktionieren fertig sein. Kann der Zionismus die große Aufgabe aus eigenen Mitteln bewältigen? Er kann, wenn er muß. Aber es steht ihm frei, und er wird gut daran tun, andere Faktoren zur Mitwirkung heranzuziehen. Ganz besonders im Hinblick auf die Fürsorge-Aktion, die die komplizierteste und kostspieligste sein wird. Wenn man nicht schleunigst für Unterkunftsstätten sorgt, werden alle die Tausende unserer Flüchtlinge und Pioniere, mit ihren Frauen und Greisen, ihren Kindern und Kranken, aut dem Konstantinopeler Pflaster liegen bleiben, gleich den elenden Mohadschirs, die während der Balkankriege zwischen Vieh und Schmutz auf ihnen lagerten. Man wird sich in der ersten Zeit (aber auch das will verhandelt und organisiert sein) mit Militärbaracken helfen müssen,, deren gerade in Konstantinopel aus englischer, französischer oder italienischer Hand leicht zu haben sein werden, da die große Orientarmee der Auflösung entgegengeht. Natürlich muß dann schnellstens ganz Anderes und Dauerndes geschaffen werden. Hier sind in erster Lini e die Transport- Gesellschaften heranzuziehen. Es kann sehr wohl und es muß erreicht werden, daß sie, die aus der Wanderung ihren Nutzen ziehen, sich an der Fürsorge für sie beteiligen. Die Sanitäts¬ und Unterkunftshallen in Konstantinopel wie in den anderen Wanderungshäfen müssen s i e hersteilen, wie es einstmals die deutschen Schiffahrtslinien für die Amerika-Wanderer taten, wie die Cunard-Linie es für Libau vorbereitete. Hier ist Feld für Verhandlungen. Führen die mit bestehenden Linien nicht zum Ziele, so müssen Neugründungen von jüdischer Seite ausgehen (auch da sind ja schon Anfänge sichtbar), die den bezeichneten Anforderungen Rechnung tragen. Für die übrigen Zweige der Fürsorg'e, Kranken- und Armenpflege, werden bestehende jüdische Hilfsorganisationen, speziell solche, die immer schon Emigration in ihrem Programme hatten, sicherlich zu gewinnen sein. Die Ica und der Hilfsverein haben beide in Konstantinopel seit Jahren ihre Vertretung, die unserer Frage lebhaftestes und tätiges Interesse entgegenbringen. Die amerikanische Judenheit i s t schon mitten im Werke. Seit dreiviertel Jahren hat das „Joint Distribution Committee“, auf Initiative seines Orientdelegierten Rev. Teitelbaum, ein Büro für Wanderer-Fürsorge eröffnet. Diese „Oriental Jewish Emigrant Aid Society“ braucht nur mit dem Wanderungsamte in Fühlung gebracht und ausgebaut zu werden. Konstantinopeler* lokale jüdische Organisationen warten aut Betätigung. Die vom Schreiber dieser Zeilen organisierte „Commission Centrale de Secours aux Juifs Ottomans eprouves par la Guerre“ mit ihren sieben arbeitsfähigen und arbeitsfreudigen Sektionen, speziell die von ihm geschaffenen jüdischen Massenküchen, die 10 000 Tagesportionen verteilen, sind, nachdem die Kriegsfürsorgearbeit abflauen darf, zu Wirken auf neuem Felde bereit und geeignet. Die Großloge Bene Berith für den Orient, die Quelle und Initiatorin aller jüdischen sozialen Arbeit in der Stadt und im Lande, wird nach Kräften mitwirken; in erster Reihe wird ihr Arbeitsnachweis sich nutzen lassen. Die Aschkenasische Gemeinde ist dabei, Hospital und Maternite, im Hinblick aut die kommenden Notwendigkeiten, ins Leben zu ruten. Die Federation Sioniste u’Orient wird geeignete und hingebungsvolle Mitarbeiter in Fülle für das Emigrantenwerk liefern. Wo soviel Bnndesgenossenschaft bereit steht, soviel Materialien zum Bau bereits vorhanden, kann und wird cs der zionistischen Initiative leicht sein, etwas Gutes und Großes zustande zu bringen. Das einzig Wichtige ist, daß die höchste zionistische Instanz fest will und die Dinge entschlossen in die Hand nimmt. Der Erfolg muß kommen. Die Lage unseres Volkes verlangt es. Zum Schluß sei es gestattet, einen Projekt- Entwurf für die Schaffung des Jüdischen Wanderungsamtes Konstantin opel hier herzusetzen. * * * Das Jüdische Wanderungsamt Konstantinopel ist die Zentrale für die jüdische Auswanderung aus Südosteuropa. Es zerfällt in: I. die Zentrale für jüdische Wanderung nach Uebersee, II. die Zentrale für jüdische Wanderung nach Palästina. Die Zentrale für Palästina-Wanderung untersteht dem Palästina-Wanderungsamt in Jaffa (Haifa?) und ist Haupt-Sammel- und Kontrollstelle der Palästinawanderung aus Südosteuropa. Sie Unterhäusern Netz von Zweigstellen in den Auswanderungsländern, die an den wichtigsten Ausgangspunkten regional zentralisiert sind. Die Zweigstellen, in engem Kontakt mit Konstantinopel, enthalten Vorkehrungen, die denen der Zentrale analog sind. Die Zentrale umfaßt folgende Abteilungen: 1. Informationsdienst: a) außer - palästinischer (Abwanderungs-) Informationsdienst; b) palästinischer (Einwanderungs-) Informationsdienst. Sektion 1 ist Vermittlungsstelle zwischen Palästina und den Auswanderungsländern. Die Zweigstellen liefern der Zentrale genaueste Be-, richte über die politische und wirtschaftliche Lage der Juden in den Auswanderungsgebieten, über die Berufsschichtung, Gesundheits- und Vermögensverhältnisse der zur Auswanderung Gezwungenen oder Bereiten, und über die Abwanderungs- und Beförderungsverhältnisse bis Konstantinopel; sie liefern genaueste Abwanderungs- Prognostik und -Statistik. Die Zentrale übermittelt diese Daten dem Wanderungsamte in Palästina. Dieses seinerseits sendet der Zentrale in Konstantinopel ihre allgemeinen Richtlinien, Instruktionen und Einzelorders in Bezug auf die Abwanderung bis und die Fortwanderung von Konstantinopel, auf die Auslese der Wanderelemente, die 'zeitlichen Dispositionen ihres Aufbruchs, auf die Anforderungen von Unternehmungen, Betrieben, öffentlichen Arbeiten usw. in Palästina. Die Zentrale in Konstantinopel gibt diese Informationen an die Zweigstellen weiter, sowie die Daten über die Ankunfts-, Aufenthalts¬ und Ausweise-Verhältnisse i n und die Weiterfahrt v o n Konstantinopel. 2. Sanitätsdienst: Stelle für Gesundheitskontrolle und -Auslese, für Beobachtung der Verdächtigen und für Zuweisung an die Krankenfürsorge. 3. Kontrolle und Statistik: Stelle für die Auslese, für die Entscheidung über Erlaubnis zur Weiterfahrt. Zuweisung an die entsprechenden Abteilungen. Statistik: 1. der Ankömmlinge, 2. der Weiterbeförderten, 3. der zeitlich oder dauernd Zurückgewiesenen, 4. der an die Uebersee-Zentrale Abgeleiteten, 5. der in Konstantinopel Ver-