Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48-49 (27.11.1919)
- Date
- 1919-11-27
- Page
- Seite 1551-1552 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VOLK UND LAND 1551 tuen/ vom Mürz dieses Jahres war augenscheinlich ungenügend. Der Umstand, daß die Führer selbst sie wenig ernst genommen haben, hat ihre Aufgabe noch erschwert. Ihres hat eine bedauerliche Mißstimmung in den L okalurganisatiionen hervorgerufen. Es ist w ahr, daß die zionistische Leitung seit ihrer Verlegung nach London eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Immerhin ist es nötig, daß die Vertreter der Lokalorganisationen mit diesen Leitungen in Fühlung kommen, ünt sich ihrer täglichen Arbeit mit mehr Vertrauen und Enthusiasmus widmen zu können und mit besserer Einsicht in die Lage. Wir wollen hier nicht über die auswärtige zionistische Politik reden. Der Kongreß, den wir verlangen, wird in dieser Sache mitzusprechen haben. Was den Wiederaufbau in Palästina betrifft, so ist diese sehr j wichtige Frage bei uns noch zu w enigstudiert worden, und man wird sie vor allem vom wissenschaftlichen und praktischen Gesichtspunkt betrachten müssen. Denn j in solchen Fragen kann man sich nicht mit einigen ) Reden mehr oder weniger kompetenter Leute und mit ' Majoritätsbeschlüssen begnügen.; Zionistische Organisation für den Orient j Das K.Z. B. berichtet:! Die kürzlich gebildete Zionistische Organisation für! den Orient, Zentrale in Konstantinopel, hat anläßlich der Gründung ihres Informationsbüros folgenden Aufruf j an sämtliche Zionistischen Organisationen erlassen: j Die Vertreter der Zionistischen Organisationen ini ’ { Orient, im Denikinschen Rußland', im Kaukasus, ferner j die Delegierten des Hechaluz und der Zeire-Zion dieser j Länder haben unter Vorsitz des Vertreters des Zionistij sehen Actions-Comites, Dr. Ca leb, den Beschluß gej faßt, in Konstantinopel ein Informations- und Pressej büro zu eröffnen. Das Büro hat bereits seine Tätigkeit j begonnen. Die zahlreichen Anfragen aus den verschiej densten Gegenden des Orients und Rußlands haben uns j bewiesen, daß trotz der großen Verkehrsschwierigkeiten | Konstantinopel in Zukunft als Zentrum1 für unsere nach i Palästina zurückkehrenden Volksmassen eine große Aufgabe zufallen wird. Der Mangel an zuverlässigen Informationen über die Verhältnisse in Palästina wird von unseren Brüdern in Rußland schwer empfunden und die dorthin gelangenden übertriebenen Gerüchte führen vielfach zu einer schon jetzt beginnenden übereilten Auswanderung, deren schädliche Folgen unabsehbar sind. Außerdem1 ist es ein unerträglicher Zustand, daß in der Zeit, wo die Lage unserer Brüder in Rußland von Tag zu Tag bedrohter wird, unsere Volksgenossen in Europa und Amerika ganz ohne Nachricht über deren Schicksal sind, und daß auf diese Weise in unseren Brüdern in Rußland der Eindruck erweckt wird, daß sie schutzlos allen Schrecknisssen ausgeliefert sind. Unser Informationsbüro sieht daher seine vornehmste Aufgabe darin, unseren Brüdern in Rußland genaue Informationen über Palästina und gleichzeitig unseren Brüdern in Europa und Amerika zuverlässige Nachrichten über die Vorgänge im nahen Orient und in Rußland zu geben. Eine weitere wichtige Aufgabe sieht unser Büro in der Vorbereitung und der Regelung der Auswanderung aus Rußland naah Palästina und will all denen, die dessen bedürfen, mit Rat und Auskunft behilflich sein. Wenn j schon ‘jetzt, wo alle Wege gesperrt sind, sich viele j Hunderte von Juden mit ihren Familien nach Kon- | stantinopel durchschlagen, um bei den hiesigen ziuj nistischen Komitees Hilfe und Aufklärung zu juchen, j so laßt sich hieraus schließen, welche Formen die Aus-! Wanderung annehmen wird, sobald sie sich ohne große j äußere Störungen wird vollziehen können. Wir haben j die Pflicht, jetzt schon Mittel und Wege zu suchen, um unseren auswandernden Brüdern rechtzeitig Hilfe zu J leisten. I 1552 Unser Büro wird jedem Emigranten die nötigen Informationen gewähren und ihm die Existenzmöglichkeiten ,in Palästina gemäß seinen Fähigkeiten und finanziellen Mitteln auseinandersetzen. Das Büro wird in ständigem Kontakt mit Palästina stehen, um über jeden Emigranten zwecks Klarlegung aller vorhandenen Möglichkeiten verhandeln zu können. Besonderes Interesse wird das Büro der Aufgabe widmen, den Jüdischen Familien in Rußland Nachrichten von ihren Angehörigen aus den verschiedenen Ländern zu vermitteln. Unsere Arbeit ist eine schwere und verantwortungsvolle, und nur durch tatkräftige finanzielle und moralische Unterstützung von seiten aller Zionistischen Organisationen werden wir imstande sein, unsere Aufgabe zum Wohle unseres Volkes und Landes zu erfüllen. An alle Zionistischen Organisationen und jüdischen ötfentlichen Körperschaften richten wir das Ersuchen, uns regelmäßig die in ihren Gegenden erscheinenden jüdischen Zeitungen, Informationen usw. zuzustellen. Wir unsererseits sind gern bereit, ihnen all unser Material über die Lage in Palästina, in Rußland und im Orient zuzusenden. Unsere Adresse lautet: Information Office, Zionist Organisation, Roste Anglaise Box 147, Constantinopel. Ein Memorandum der Juden von Saloniki Die jüdische Gemeinde von Saloniki überreichte der Regierung ein Memorandum, in welchem sie folgende Forderungen aufstellt: 1. Anerkennung der Gemeinde und ihres Rechtes auf freie Ausübung der jüdischen Religion, gemäß den bestehenden Sitten und Gebräuchen, Recht auf Gründung und Verwaltung von Schulen und religiösen oder philanthropischen Instituten. Recht der Gemeinde auf Erwerb, Kauf und Verkauf von beweglichen oder unbeweglichen Gütern, die ihre Existenz zu erhalten bestimmt sind. Die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde sind: der Oberrabbiner und der Präsident der Gemeinde. 2. Anerkennung und Gleichstellung der Diplome der Unterrichtsanstalten auf Busls der Staatstitel. 3. Die Juden, die am Samstag feiern, sind nicht gezwungen, am Sonntag oder nichtjüdischen Feiertagen sich der Arbeit zu enthalten. An Samstagen undl anderen jüdischen Feiertagen können die Juden nicht zu einer Tätigkeit gezwungen werden, die ihren religiösen Ueberzeugungen zuwiderläuft. 4. Aufreehterhaltung und Anerkennung des schon bestehenden Rechtes der rabbinischen Autoritäten auf Urteilfällung in Fragen der Ehescheidung und der Nachkommenschaft. 5. Recht auf Erhebung von Taxen und internen Steuern, deren Ertrag der Erhaltung der jüdischen Gemeindeinstitutionen dient. 6. Recht auf Gebrauch der jüdisch-spaniolischen oder hebräischen Sprache in den Handelsbüchern, Korrespondenzen usw. 7. Heiligkeit und Expropriations- Immunität der heiligen Orte, wie Synagogen, Friedhöfe usw. 8. Befreiung von jeglichen Steuern für die Immobilien der Gemeinde, freier Import von allen Bedarfsartikeln für den Kultus, wie z. B. Ostermehl usw. 9. Staatliche Subvention proportioneJl der Zahl und dem Kulturgrade der jüdischen Bevölkerung. 10. Die inneren Statuten der Gemeinde werden nach gründlicher Elaboration der Approbation des Ministeriums vorgelegt werden. Die griechische Presse verhält sich diesen Postulaten gegenüber im allgemeinen reserviert, mit Ausnahme der Athener Tageszeitung „Phos“. Viele der Forderungen seien gerechtfertigt, dagegen seien andere weit übertrieben und den Rechten des Staates zuwider-