Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48-49 (27.11.1919)
- Date
- 1919-11-27
- Page
- Seite 1549-1550 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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1549 VOLK UND LAND 1550 Zwecks Einberufung' einer gemeinsamen Konferenz der „Zeire-Zion‘‘ und „Hapoel-Hazai'r“ erlassen Josef S p r i n z a k namens des Zentralbüros „Hapoel-Haza'ir“ in Jerusalem, A. Kaplan namens des Zentralbüros der ,,Zeire-Zion“ und Dr. Hugo Bergmann namens des Zentralbüros des „Hapoel-Hazair“ für Westeuropa einen Aufruf, in dem es u. aheißt: Genossen! Wir denken, daß der gegenwärtige Moment in unserer nationalen Arbeit uns verpflichtet, die Kräfte zu sammeln und zu stärken und eine allgemeine Konferenz des „Hapoel-Hazai'r“ und der „Zeire- Zion" zwecks Vereinigung aller Teile unserer Bewegung zu gemeinsamer Arbeit einztiberufen. Diese Konferenz wird in einer ernsten Uebergangszeit des Zionismus zusammentreten. Verschiedener Ursachen halber scheint der Zionismus gegenwärtig aufgehört zu haben eine Bewegung zu sein und ist in einen Zustand der Erwartung übergegangen. Diese Erwartung hat die zionistische Bewegung von ihrer schaffenden organisatorischen Arbeit abgelenkt und ist geeignet eine Schwächung und Zersplitterung der nationalen Energie herbeizuführen. Söllte dieser Zustand weiter anhalten, könnte er den Zionismus in eine schwere Krisis bringen. Wenn wir auch noch nicht das letzte Wort unserer politischen Forderungen kennen, so ist doch eines klar: Palästina muß unser — des jüdischen Volkes — werden und wir können das Land nur durch unsere Arbeit und unser Schaffen erwerben. Während der letzten Jahre ist unsere Bewegung, die Bewegung der Arbeiter und des Jung-Zionismus, gewachsen und gestärkt worden. Irm Namen des arbeitenden Palästinas, das nur durch Arbeit und freie jüdische Kulter erlöst werden kann, im Namen der Bedürfnisse und der Ideale der Massen des Arbeitervolkes ist diese Arbeit unerläßlich. Im Namen all dessen hat unsere Bewegung die Forderung aufgestellt, zu diesem Zwecke im. jüdischen Volke Pioniere zu erziehen. Bisher war diese Arbeit in den verschiedenen Ländern zersplittert und auch die Meinungen waren verschieden. Jetzt kommt der Moment, diese Arbeit zusamnienzufassen und alle Gegensätze auf unserem Wege zu beseitigen, um die Hauptgrundsätze für die vereinigte Arbeit der Bewegung festzusetzen. Die einzuberufende Konferenz wird die Aufgabe haben, die Meinungsverschiedenheiten, die bei den verschiedenen Arbeiterparteien herrschen, zu klären und zu beseitigen. Die Tagesordnung sollte folgende Punkte enthalten: 1. Die Grundzüge eines vereinigten Programms. 2. Plan unserer Arbeit in Palästina. 3. Plan der Palästinaarbeit imi Galuth; Chaluzimbewegung. 4. Die national-ökonomischen und politischen Fragen im Galuth. 5- Die kulturellen Arbeiten und die Verbreitung der hebräischen Sprache. 6. Grundsätze für eine gemeinsame allgemeine Organisation in allen Ländern. 7. Die Frage der Vereinigung der verschiedenen demokratischen Kräfte der arbeitenden Zionisten zu gemeinsamer Arbeit. Diese Tagesordnung ist nur mit allgemeinen Strichen wiedergegeben. Es ist aber von vornherein klar, daß jeder einzelne dieser Punkte Gelegenheit gibt zur Erörterung und! Schlußfolgerungen über alle Fragen, die die Genossen aller Länder interessieren. Die Festsetzung der Punkte der Tagesordnung, wie auch alle Aenderungen und noch vorzuschlagenden Zusätze werden durch Verhandlungen der Konferenz-Kommission mit den verschiedenen Zentren des „Hapoel- Hazai'r“ und der „Zeire-Zion“ festgesetzt werden. Die Konferenz soll im Monat Tebeth zusammentreten, Wir werden uns bemühen, bei erster Möglichkeit den Ort der Konferenz bekanntzugeben. Konferenz der’französischen Zionisten Die Konferenz der französischen. Zionisten tagte am 26., 27., 29. und 30. November in Paris. Von den Mitgliedern des Aktionskomitees waren erschienen:; Ni all n in Sükul'uw, 1 d e 1 s o h n , N e i d i t s c h , | Dr. Motz kin und Dr. Reich. Im Namen der I Federation Sioniste Francaise (F.S. F.) begrüßte Dr.; Simon Guinsbourg die Anwesenden, worauf Dr. Jacobsohn zum Vorsitzcmden gewählt wurde. , Sokolow entwarf sodann folgendes Bild über die , gegenwärtige Situation im Zionismus. Die Lage, führte J er aus, ist nach wie vor günstig. Sowohl Lord Cu rzjn | in England, als auch Pi c hon und Tardieu in | Frankreich versicherten ihn erst unlängst neuerdings, daß die Balfoursche Deklaration voll und ganz aufrecht bliebe. Die französische Regierung stehe dem Zionismus sehr sympathisch gegenüber. Frankreich wird das Mandat über Syrien und England das Mandat über Palästina erlangen. Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen Großmächten sind ausgeglichen. Auf der Tagesordnung der Friedenskonferenz stehe jetzt Ungarn, und erst dann werde der Friede mit der Türkei beraten werden, so daß die Regelung der Palästinafrage erst in ungefähr vier Monaten zu erwarten ist. Die League of Nations wird sicher in Aktion treten, da dies Frankreich und England wünschen und den Rahmen für das Mandat über Palästina wird die League of Nations bzw. die Friedenskonferenz schaffen. Die Einzelheiten bereitet schon jetzt das Aktionskomitee vor, im Einvernehmen mit der englischen Regierung. Das Verhältnis zu den Arabern ist sehr gut. Daß sich viele von ihnen noch nicht mit dem Gedanken eines jüdischen Palästinas befreundet haben, zeugt nicht vom Gegenteil; haben wir doch auch noch viele Juden, die gegen den Zionismus sind. Auch die englischen Beamten in Palästina sind unserer Sache schon viel mehr gewogen. Die Palästinakommission arbeitet rührig und bereitet das Land vor. Man baut Häuser, ein englischer Ingenieur entwirft bereits die Baupläne für die Universität usw. Nicht nur die Gymnasien in Jerusalem und Jaffa, sondern auch das Technikum in Haifa werden unter unserer Verwaltung stehen. Nach Aufhebung der Okkupation wird die Immigration seitens der englischen Regierung nicht mehr eingeschränkt werden, aber wir selbst müssen aus technischen Gründen in der Zulassung der Masseneinwanderung vorsichtig sein. Die für den Januar nach Basel einberufene zionistische Jahreskonferenz soll den Kongreß vorbereiten und die zionistischen Kräfte wieder vereinigen. Im, Namen des „Tarbuth“ begrüßte auf hebräisch Slatopolski die Konferenz. Für einen „außerordentlichen“ Zionistenkongreß „Peuple Juif“, das Organ der französischen Zionisten, veröffentlicht im Hinblick auf die Herbstsession des Rates der französischen Zionisten, die für den 15., 16. und 17. November festgesetzt wurde, einen Leitartikel aus der Feder N. Hermanns über die Aufgaben des Rates der französischen zionistischen Organisation, der u. a. über die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses folgendes schreibt: Was -die zionistische Zentralorganisatiom betrifft, so ist’ nach unserer Meinung nötig, daß das Provisorium und der durch den Krieg geschaffene Ausnahmezustand aufhören. ln allen Ländern finden parlamentarische Wahlen statt, oder werden solche geplant; bei uns hat die Leitung seit 1913 keine*Rechenschaft über ihre Tätigkeit abgelegt. Es ist wfahr, daß die Hälfte unseres Volkes sich derzeit in einer tragischen Lage befindet, die ihm nicht erlaubt, sein. Recht in der Organisation auszuüben; wenn jedoch der zionistische Kongreß, den man in Jerusalem plant, dort noch nicht einberufen werden kann, brauchen wir einen außerordentlichen Kongreß, der allein den Willen des jüdischen Volkes laut kundgeben kann. Die Londoner Kon-