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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1547-1548

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1547-1548 (sequence 27)
Language
German
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1547 VOLK und LAND 1548 Zweitens ist die Darstellung des antisozialen Charakters der Fremden maßlos bis zur Unwahrheit übertrieben. Als Hauptzeugen dafür, daß die Fremden sich nicht an die Tarifvorschriften halten und Heimarbeit leisten, führt Herr Spiegelberg den Schneider-Verband an. Ohne Glück. Denn gerade in der Schneiderbranche sind die Fremden fast ausnahmslos jüdische Arbeiter, die eine langjäbiige Schulung in professionellen Organisationen hinter sich haben. Die jüdischen Arbeiter sind völlig im Geiste der wahren Arbeitersolidarität erzogen. In dieser Hinsicht hat die verhältnismäßig junge ostjüdische Arbeiterbewegung vielleicht mehr geleistet als manche fünfzig Jahre alte Gewerkschaftsschule. Aber Herr Spiegelberg weiß wohl, daß er mit all dem den Bürger kaum schrecken kann, und so greift er zu einem viel wirksameren, zeitgemäßeren Mittel: dem Bolschewismus. Man fragt sich nun freilich: Wie kommen „Lohndrücker“ und Heimarbeiter zum Bolschewismus? Darauf hat Herr Spiegelberg nur das eine Wort: Radek! Und kaum! hat er diesen Namen ausgesprochen, da geht auch schon sein Blut mit ihm durch. Es prasseln die Phrasen; „Untergrabung unserer Kultur und unseres Wirtschaftslebens“, Notwendigkeit, „ganz energisch dagegen Front zu machen“, und weiter das übliche Zeug. Wir sind der Meinung, daß die Radeks in Deutschland wie drüben in Rußland schädlich gewesen sind. Aber diese Durcheinandermengung von Radek, Trotzki und den hiesigen polnischen (hauptsächlich polnisch-jüdischen) Arbeitern ist unter allen Umständen eine scheändliche Denunziation. „Ob es russische Juden oder jüdische Russen sind, die unser Gesellschaftsleben unterminieren, kann für einen Sozialisten keine Rolle spielen.“ Die Schädlinge sind in jedem Falle jüdisch, ob „russische Juden oder jüdische Russen“. Und dabei will Herr Spiegelberg als Sozialist diese Frage nicht auf rassenpo’hisches Gebiet hinübergelenkt sehen. Er weiß sehr gut, daß die hier lebenden jüdischen Arbeiter nicht für Radek verantwortlich gemacht werden dürfen. Gleichviel: gegen wen könnte er heute mit mehr Erfolg sein Gift verspritzen als gegen jene Schutzlosen, überall Preisgegebenen, gegen diearmen ostjüdischen Einwanderer, deren sich auch die ententistischen Gerechtigkeitsapostel nicht annehmen werden. Zum Schluß setzt Herr Spiegelberg wieder sein frommes Gesicht auf zu folgendem Abgesang: „Jeder ist uns als Gast willkommen. Aber er muß unsere Sitten und Gebräuche achten und immer der Tatsache eingedenk sein, daß seine Füße unter einem fremden Tisch ruhen. Will er das. durchaus nicht begreifen, so muß es ihm beigebracht werden, indem man ihm zeigt, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat.“ Darauf ist zu erwidern, daß keine sozialistische Internationale darum herumkommen wild, einem Herrn Spiegelberg und ähnlichen Giftmischern nicht nur aus Gründen sozialistischer Ethik, sondern aus einfachster menschlicher Gesittung zu zeigen, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat. („Die Weltbühne“.) A. Singalowski. I I I AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA ■ ARBEIT — POLITISCHES j Hapoel - Hazair und Zeire - Zion Zum Zweck der Vereinigung aller Teile der volkssozialistischen und jungzionistischen Bewegungen zu j einer einheitlichen Weltorganisation ist von den Vertretern der betreffenden Organisationen nunmehr eine gemeinsame Konferenz einberufen worden. In dem Aufruf, der von Josef Sprinzak namens des Zentralkomitees des palästinensischen Hapoel- Hazair, von Elieser Kaplan namens des Zentralkomitees der Zeire-Zion und von Dt. Hugo Bergmann namens deis Zentralkomitees des Hapoel-Hazair in Westeuropa gezeichnet ist, heißt es: „Genossen! Der gegenwärtige Augenblick in unseren nationalen Arbeiten verpflichtet uns, die Kräfte zu sammeln und .zu stärken und eine Weltkonferenz des Hapoel-Hazair und der Zeire-Zion einzuberufen, mit dem Ziel der Vereinigung aller Teile unserer Bewegung zu gemeinsamer Arbeit. In einer ernsten Uebergangszeit im Zionismus rufen wir zur . Konferenz. Infolge verschiedener Ursachen hat der Zionismus in seinem gegenwärtigen Stadium so gut wie aufgehört eine Bewegung zu sein und ist in einen Zustand der abwartenden Erstarrung übergegangen. Diese Erstarrung hat die zionisflsche Bewegung von ihrer organischen schöpferischen Arbeit abgelenkt und ist geeignet, eine Schwächung und Zersplitterung ihrer Energie herbeizuführen. Ein solcher Zustand kann den Zionismus einer schweren Krise entgegenführen. Rechtzeitig wollen wir dieser Vorbeugen und mit geeinten Kräften den kommenden Ereignissen und Möglichkeiten Trotz bieten. Unser Geist soll der Wegweiser der zionistischen Arbeit sein. Noch kennen wir nicht die letzte Entscheidung unserer politischen Forderung. Aber wie weit auch unsere Forderung, die in ihrer vollen Kraft besteht, verwirklicht werden mag, eines ist doch klar: Palästina muß unser — des jüdischen Volkes — werden; es kann es nur werden, durch unsere Arbeit und das Schaffen der realen nationalen Werte. In den letzten Jahren ist unsere Bewegung, die Bewegung der Arbeiter und der zionistischen Jugend, ebenso wie unsere Tätigkeit gewachsen und stark geworden. Im Namen des arbeitenden Palästina, das nur durch jüdische Arbeit und freie Kultur erlöst werden kann, im Namen der Bedürfnisse und der Ideale der arbeitenden Massen des Volkes ist diese unsere Tätigkeit unerläßlich. Aber bisher waren unsere Kräfte zerstreut, ohne eine gemeinsame organisatorische Basis zu besitzen, von der aus eine geistige und reale Beeinflusssung der Volksarbeit hätte erfolgen können. Jetzt ist es an der Zeit, diese zerstreuten Kräfte zu einigen. Jetzt soll unser Weg klar umschrieben, unsere Prinzipien vor aller Welt geklärt und die Hauptgrundsätze für die vereinigte Arbeit der Bewegung festgesetzt werden. Das wird die Aufgabe der Konferenz sein. Für die Tagesordnung der Konferenz wird im Aufruf folgendes Programm vorgeschlagen: 1. Die Grundzüge des Einigungsprogramms. 2. Das Programm unserer Arbeit in Palästina. 3. Die Palästinaarbeit im Galuth und die Hechaluz. 4. Das Problem der ökonomischen und politischen Arbeit im Galuth. 5. Kulturarbeit und Verbreitung der hebräischen Sprache in den Volksmassen. 6. Grundsätze für eine gemeinsame Weltorganisation. 7. Das Problem' der Aklionsgemeinschaft der gesamten Arbeitsdemokratie im Zionismus. Wie ein soeben eingelaufenes Telegramm aus London meldet, ist die Konferenz auf den 13. Januar 1Q20 nach Basel einberufen.

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