Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1543-1544

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1543-1544 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649311--0955-2650321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1543 VOLK HNO LAND 1544 [ . STIMMUNGEN UND MEINUNGEN itmimuniuiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiuiniiiiiiiiiiiitHHMiiiiimiiMUUiuiMiiiiitiiiiiiiiitiiiiiiiuiimiiiiiiiimiiiimiimimummiiiiiiimiiiiiiiiimiiHmiiiiiimiii Araber und Juden Von einem Araber. In Heft 44/45 von „Volk und Land“ ist eine Uriteiredung mit Emir Faisul wiedergegeben, in welcher sich der Sohn des Königs der Hedschas zur Frage der jüdischen Einwanderung in Palästina äußert und den Juden klipp und klar erklärt: Lasciate ogni speranza voi ch’entrate. Sie sollen sich keine Hoffnung darauf machen, in Palästina einen Judenstaat zu errichten. Palästina sei seit vielen Jahrhunderten arabischer Besitz, es bilde eine untrennbare Einheit mit Arabien und Mesopotamien, und wenn manche Zionisten davon sprächen, daß Palästina auf Grund des Anspruches, den die Juden aut das Land haben, so jüdisch werden solle, wie England englisch ist, so redeten sie Unsinn. Immerhin sei die jüdische Einwanderung den Arabern noch lieber als jede andere. Die Juden seien ihre Vettern, und sie würden sie sehr gern fiu ihren Brüdern machen. Er habe nichts dagegen einzuwenden, daß sie an der Regierung Palästinas teiinäinnen, uneingeschränkte Aufsicht über das jüdische Schulwesen führten, ein jüdisches Zentrum errichteten und sich der hebräischen Sprache bedienten, aber nur unter der Voraussetzung, einer absoluten Unterschiedslosigkeit zwischen Arabern und Juden. Emir Faisul ist ein feiner Diplomat, Als Mekkaner hat er sich im Verkehr mit den Türken viel diplomatischen Sinn angeeignet und in letzter Zeit durch den Umgang mit Europäern noch mehr. Die Araber sind überhaupt geborene Diplomaten, das habe ich während meines Aufenthaltes unter den Beduinenstämmen zur Genüge erfahren. Was er mit der einen Hand nimmt, scheint er mit der anderen wiederzugeben. Aber es ist doch im Grunde nur Schein. Zunächst ist es nicht richtig, daß die Araber einen Voranspruch auf den Besitz von Palästina haben. Palästina galt immer als die Heimat der Juden. Die Urgeschichte der Israeliten lehrt, daß sie ursprünglich kleine Nomadenstämme waren, die sich in unbekannter Vorzeit aus Aegypten und der Sinaihalbinsel ins Ostjordanland vorgeschoben und unter den Ureinwohnern des Landes angesiedelt haben, teils mit Waffengewalt, teils durch friedliche^ i Vermischung. Später haben sich noch viele er- | obernde Völker in Palästina niedergelassen, Aegyp-; ter, Syrier, Assyrier, Babylonier, Perser, Griechen j und Römer, die Araber nahmen Syrien und Jerusalem erst 636 n. Chr. ein. Die Juden waren also ungefähr IV« Tausend Jahre früher im Lande; als die Araber und haben ältere Rechte. Allerdings bleibe noch nachzuweisen, ob nicht die in den Juden auf gegangene Urbevölkerung ursprünglich arabisch war. Nach arabischen Quellen besteht jedenfalls eine Verwandtschaft zwischen Arabern und Juden. Sodann ist nicht zu leugnen, daß die jüdische Einwanderung, trotz der ungünstigen j Zustände unter der früheren türkischen Regierung j einen recht vorteilhaften Einfluß auf die wirtschaftlichen Verhältnisse gehabt hat. Die 'Juden haben Geld ins Land gebracht und dadurch viel zur j Hebung von Handel, Gewerbe und Landwirtschaft beigetragen. Viele landwirtschaftliche Kolonien, die j im Lande als Musterbetriebe gelten, sind von Juden j gegründet. Wie die deutschen Kolonisten, haben I sie dem arabischen Bauer zuerst die rationelle Bewirtschaftung des Ackers gezeigt, ihre Weingärten und Kellereien sowie ihre Orangenpflanzungen sind vorbildlich. Auch fiir die Schulbildung unter ihren eigenen Volksgenossen haben sie viel getan, in Jerusalem, Haifa und Jaffa haben sie höhere Lehranstalten errichtet. Ihre Zähigkeit, Ausdauer und Genügsamkeit sind gerade das, was Palästina zu seinem Aufbau nötig hat. Es wäre das richtigste, wenn beide Teile, sich der alten Zeit erinnernd, einen modus vivendi fänden und ihre beiderseitigen Interessen in Uebereinstimmung zu bringen trachteten. Vor dem Krieg vertrugen sich auch Eingeborene und Juden ganz gut, nur hier und da hörte man von Reibungen, die, wie auch bei den deutschen Kolonisten, meist auf Intrigen zurückzuführen waren. Auch war (die Einwanderung nur unerheblich, und wenn die Regierung ihr Schwierigkeiten in den Weg zu legen suchte, so geschah das mehr aus materiellen Gründen, als weil die Bevölkerung über die jüdische Einwanderung klagte. Aber infolge der politischen Veränderungen wird den Juden die Einstellung gegenüber den Effendi und Fellachen täglich schwerer gemacht. Der arabische Bauer wird systematisch gegen sie aufgehetzt. Man suggeriert ihm, daß ein zukünftiger Judenstaat wie ein Damoklesschwert über ihm hänge, man werde ihm seinen Grund und Boden nehmen und den Juden zu seinem j Kadi machen. | Eine große Rolle spielt dabei die Religion,! sowohl der Christen wie der» Mohammedaner. Be-! trachten,.doch auch die Mohammedaner Jerusalem | als zweitgrößtes Heiligtum nach Mekka und ver-! binden in der Regel die Wallfahrt nach Mekka mit der nach Jerusalem. Ueberall trifft man in Palästina I auf kleine islamische ^Wallfahrtsstätten und 'Heiligenlegenden. Die Mohammedaner verachten alle Andersgläubigen und haben ein starkes Solidaritätsgefühl. Obwohl der arabische Bauer von den türkischen Lokalbehörden täglich geknechtet wird, erhält er in Streitsachen mit Andersgläubigen stets Recht. Die Christen widersetzten sich schon vor dem Kriege dem Gedanken eines Judenstaates. Emir Faisul sagt nichts von den Christen in Palästina. Daß er aber als kluger Diplomat an sie denkt, beweist schon seine Ernennung eines Christen, Libanesen. El Hadad (eigentlich „der Schmied“) zum Kriegsminister in Damaskus, der neuen Hauptstadt des arabischen Reichs. Die Christen betrachten Palästina als die Wiege ihrer Religion und Jerusalem als deren Zentralpunkt. Für die Befreiung des heiligen Landes ist in den Kreuzzügen viel Blut geflossen. Nicht allein unter den Katholiken, sondern in der ganzen christlichen Welt würde eine einseitige Regulierung der Palästinafrage auf heftigen Widerspruch stoßen. Besonders von Frankreich ist ein solcher zu erwarten, da es sich, trotz seines indifferentismus im eignen Lande, im Orient politisch als Beschützer des Katholizismus aufspielt. Außerdem haben alle christlichen Gemeinschaften in Palästina viel Grundbesitz und eigne Anstalten. Daß alle diese Elemente für ihren Besitz und ihr Ansehen fürchten, ist um so begreiflicher, als auch im Lande von allen Seiten ein jeder in seinem Interesse falsche Gerüchte verbreitet. Wenn aber die richtigen Personen die Sache in die Hand nähmen, so würde wohl die Möglichkeit einer politischen Verständigung zwischen Arabern und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.