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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1541-1542

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1541-1542 (sequence 24)
Language
German
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1541 VOLK UNO LAND 1542 HEBRAEISCHE MOSAIKEN lieber die Entdeckung hochinteressanter hebräischer Mosaiken im Palästinafeklzug und ihre Entzifferung gibt die „Times“ folgende Schilderung des berühmten französischen Orientalisten M. C. Clermont-Gauneau. Wir verdanken dem Krieg die Entdeckung verschiedener alter Monumente von hohem Interesse in verschiedenen Teilen des östlichen Kriegstheaters. In Palästina zum Beispiel war es das schöne byzantinische Mosaik, welches durch die j Einnahme eines türkischen Laufgrabens bei Shellal, südlich von Gaza, an das Licht gebracht, seither sorgfältig zusammengefügt und nach ^Australien gebracht worden ist. Der Krieg brachte nicht lange darauf unter ganz ähnlichen Umständen einen gleichen Glücksfall an einem vom ersten weit entfernten Ort, genannt Am Duk, der wenige Meilen nordwestlich ' von Jericho,;am Fuße des [Gebirges Quarantana oder j Kanontal sich befindet, wo nach der örtlichen Le- | gende Jesus 40 Tage fastete und vom Satan verj sucht wurde. | Eine türkische Kugel, welche auf die britischen t j Laufgräben abgefeuert wurde, wählte sich zum j Explodieren verständigerweise gerade einen Platz j aus, wo ein den Augen verborgener Schatz lag und ein hebräisches Mosaik von ganz außerordent-! lichem Interesse zum Teil bloßgelegt wurde. Das durch diesen Zufall so wohl begonnene Werk wurde rasch vollendet und die Ueberbleibsel eines großen : Mosaikpflasters wurden festgemacht, welche eine Inschrift trugen. Der Major A. M. Färber, welcher gerade an Ort und Stelle \yar, nahm eine Photographie auf und sandte sie an unsere Akademie in j Paris mit der Bitte um Aufklärung über ihre Bej deufung. j Die ^Aufgabe der [Prüfung, wurde mir übertragen j und auf den ersten Blick erkannte ich darin einen; Text in hebräischen Buchstaben der quadratischen j Kursivschrift in judeo-aramäischer oder arameoj jüdischer Sprache, welche viel Gemeinsames mit j den Mosaikinschriften der galiläischen Synagogen j in Kefr Kenna (dem Kanan der Bibel) utnd Sesuriye (Sephoris) haben, die ich, vor längerer Zeit entdeckte. : Rechts und links sind außerhalb des Textes Spuren! von stark verstümmelten Zeichnungen, welche sich \ zu dem Umriß eines Tieres, nicht ungleich einem j Löwen zusammenzufügen scheinen und gegenüber ist das Fragment eines menschlichen Armes erkennj bar. Genauer ließe sich das nur durch eine Unter- < suchung an Ort und Stelle feststellen. Das Resultat j der Entzifferung nach der ersten Photographie ist j folgendes: [ „Geehrt sei das Andenken von Binyamin j (Benjamin), dem Pharnas (eine Art Gemeindei Verwalter), des Sohnes von Yosch (Josef). Geehrt sei das Andenken all derer, welche Beistand leisten und eiges jeden, welcher diesem heiligen Platze Gold, Silber oder irgendein Wertobjekt spendet. Bleibet nicht zurück im Spenden für den heiligen Platz. Amen.“ Es ist also ein Appell für Fonds wahrscheinlich ■ für gottesdienstliche Uebumgen, Wohltätigkeitsj werke, Bezahlung für Personal, Materialauslagen,! Reparaturen der Synagoge, Ausschmückungen, wie das Legen des Mosaiks selbst — wer weiß es. Denn offenbar bezieht es sich auf eine Synagoge. Der Name, mit welchem sie genannt ist, ist sehr sonderbar „astrah-gadichah“ („Der heilige Platz“); und erinnert an die Redewendung, welche, wie I Philo uns erzählt, von den1 Essäern gebraucht wurde: Hieroi topoi, „Die heiligen Plätze“, das heißt die; Synagogen. Es ist bekannt, daß die Essäer eben jene Gegenden um die Mündung des Jordan und das Tote Meer herum bewohnten. Aber diese Wendling kann mit einer Tradition essäischen Ursprungs in Verbindung gebracht werden, vielleicht durch Vermittlung der einen oder anderen jener merkwürdigen jüdischen oder jüdisch-christlichen Sekten, wie die Nazarener, Gibeoniten usw. Denn auf Grund verschiedener Erwägungen, die ich hier nicht ausführen kann — sie werden in einer Monographie, wovon dies nur ein kurzer Auszug ist, dargelegt — bin ich geneigt, das Datum der Inschrift so spät anzusetzen, als die historischen Bedingungen es nur erlauben. Schon der Umstand, daß wir es mit einer Mosaikpflasterung zu tun haben, ist nicht die letzte dieser Erwägungen; denn die galiläischen Synagogen, welche ins zweite Jahrhundert nach Christi und länger zurückreichen, hatten noch keine Mosaikböden. Der Ort, wo die * Mosaik gefunden wurde, und wo natürlich die Synagoge stand, ist die Lagerstätte einer alten Stadt, von der noch charakteristische Spuren zu sehen sind. Ich selbst untersuchte sie vor ungefähr einem halben Jahr. Was für eine Stadt war dies, welche in der Ebene vor Jericho, nahe dem wasserreichen Strom, der sich am Fuße des Quarantana-Berges hervorbricht und von den Arabern Ain Ehik — die Quelle von Duk — genannt wird, erbaut wurde? Dieser Name Duk ist zweifellos ein Ueberbleibsel von Dok, der Festung, wo im zweiten Jahrhundert jene schreckliche Trägödie sich abspielte, die mit dem Tode des berühmten Hasmonäerfürsten Simon Makkabäus endete, der durch seinen eigenen Schwiegersohn Ptolemäus, den Gouverneur von Jericho, überfallen und ermordet wurde. Ain Duk bewahrte den Namen, hat aber nicht genau die Lage jenes dem Dok der Makkabäer, das zweifellos in der Nähe, aber ein wenig bergaufwärts lag. Ich habe bereits früher die Theorie aufgestellt, daß an diesem Platz das Noara des Flavius Josephus lag, von welchem der Tetrach Archelaus, der Sohn Herodots, das Wasser ableitete, um die Palmenhaine von Jericho zu bewässern. Dieses Noara ist dasselbe wie das Na’aran des Talmud und das Noarath des Eusebius und St. Hieronymus, welche in ihrem Onomastikon es mit den biblischen Noorath, im Lande der Efraiten zu indentifizieren suchen. In diesem Zusammenhang geben sie zwei wichtige Daten: erstens, daß das Noorath ihrer Tage fünf römische Meilen von Jericho, entfernt war (genau die gleiche Distanz wie jene Ain Duks von Jericho) und zweitens, daß die Stadt noch von den Juden bewohnt war. Das zeigt, daß dort noch ein jüdisches Zentrum nach der Zerstörung des politischen Judentums durch Hadrian existierte. Dieses Zentrum blühte noch zu einer viel späteren Zeit, wie durch die Schriften der oben genannten Kircheinschriftsteiler bewiesen wird. Sie führen uns in das vierte und fünfte Jahrhundert, gerade in die byzantinische Periode. In Nocros, erzählen sie, nahe dem Donka- Gebirge, haben sich janatische Juden festgesetzt und pflegten heftige Angriffe auf die Mönche des Gebirges zu machen. Natürlich wird, was von dem Mosaik übriggeblieben ist, vollständig blioßgelegt werden müssen. Aber es ist auch wesentlich, gerade unter dem Mosaikboden selbst zu forschen. Denn vielleicht findet sich noch in den Fundamenten der alten Synagoge von Noeros irgendein unterirdisches Gewölbe, welches paleographische Schätze enthält.

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