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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1519-1520

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1519-1520 (sequence 13)
Language
German
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1510 VOLK UND LAND 1520 unterlagert wird. Beide sind das Vcrwitterungsprodukt diluvialer mariner Schichten, die zumeist aus einem mürben Kalksandstein, dem „Trümmerkalk'1 Blanckenhorns, bestehen. Während der Lehmboden meist dem Ackerboden dient, sind die sandigen Höhen vorzügliches Gartenland. Bei Be: Wässerung im trockenen Sommerhalbjahr gedeiht die Orange hervorragend. Jaffa führte war dem Krieg für 5 Millionen Mark davon aus. Bewässerung ist überall möglich; denn in wechselnder, oft allerdings recht beträchtlicher Tiefe findet sich reichliches Gruindwasser. Oelbäume, Mandeln, Feigen und Wein gedeihen auf dem sandigen Boden auch ohne Bewässerung. Daß ein solches Land schon seit altersher unter Kultur war, ist naheliegend. Denn gesundes Klima und leicht zu bearbeitender Boden vereinigen sidh hier. So saß hier schon vor 4000 Jahren eiine seßhafte Bevölkerung, und vor 3000 Jahren kamen die Philister ins Land, welche der ganzen südlichen Ebene ihren Namen gaben. Links der Bahn, südlich Ramie, lag eine ihrer Hauptstädte Ekron, jetzt Akir, eine 1884 von Rothschild gegründete Judenkolonie. Oestlich auf einem Hügel beim Dorf Abu Schusche liegen die Ruinen von Gezer, die uns die Geschichte Morn! 5 Jahrtausenden erkennen lassen. Bei Wadi Serar zweigt von der Linie Jaffa — Jerusalem die nach Berseba gehende Linie ab. Sie wurde 1915 von Meißner-Pascha in ganz kurzer Zeit erbaut und konnte schon am 30. Oktober 1915 in Berseba feierlich eingeweiht werden. Von ihr zweigt die nach Gaza führende Linie bei Tine ab, und von Berseba nach Süden ging die Bahn in die Sinaiwüste. Betrachten wir zunächst die Strecke Wadi Serar — Berseba: Station km Höhe Wadi Serar 165 90 Tineh 175 79 Arak el Manschije 191 118 Teil el Nedschile 203 188 Um Dabkal 211 228 Teil Scheria 222 155 Wadi Rgeig 242 177 Berseba 247 264 Die Bahn folgt dem Laufe des Wadi Serar, das von hier bis zur Mündung ins Mittelmeer noch dreimal seinen Namen wechselt. Zunächst heißt es Wadi Muchezin, dann Wadi Katra und zuletzt Nähr Rubin. Westlich liegt im Wadi die Farm El Beka, dann steigt die Bahn auf brauner Lehmfläche nach Süden, läßt Cheime zur Linken und trifft nach 10 km das Fellachendorf Tine. Der Bahnhoi liegt unmittelbar östlich des unbedeutenden Dorfes. Nach 16 km wird Arak el Man sch i je erreicht. Die Gegend ist fruchtbar. Weizen und Durrah werden auf ausgedehnten Feldern gebaut. Viele Dörfer liegen inmitten undurchdringlicher Kaktushecken, meist vom einigen Palmen überragt. Am Hang der Berge, östlich von Tine, liegt auf einem weißen Hügel das Tel es Safie, die Specula alba der alten Kreuzfahrer, vom König Fulko von Anjou 1138 erbaut, 1191 von Saladin zerstört. Man vermutet hier dei alte Philisterstadt Gath. Unmittelbar östlich Arak ein Teil auf einem isolierten Kreidefels, in dem sich einige Höhten befinden. Das Dorf ist groß und volkreich. Von hier ist in zwei Stunden Bet Dschibrin auf guter neuer Straße erreichbar. Südlich dieses Ortes bei dem Teil Sandahänne, dem alten Maresa, interessante alte Grabhöhlen aus griechischer Zeit. Der Orb liegt bereits in den Bergen Judas, die hier aus weicher senoner Kreide bestehen. Die Bahn steigt ziemlich stark auf der nach Westen geneigten Lehmfläche. ln dem' Wadi ist marines Diluvium, das hier 300 m über das Meer emporgehoben ist, mehrfach aufgeschlossen. Nach 12 km überschreitet die Bahn das Wadi Abu Gerar. Westlich folgt dann das Teil el Nedschile, unweit davon die gleichnamige Station. Nach 4 km wird das Wadi Hasi auf großer Brücke gekreuzt, das in der Nähe der Bahn ständig Wasser in seinem in die Kreide eingeschnittenen Bett führt. Weiter westlich liegt dicht südlich des Wadi das Teil el Hesi, das biblische Lachis, seinerzeit von Sanherib und Nebukadnezar erobert, eine alte Festung gegen Aegypten. Bei der Station Um Dabkal, 20 km südlich Arak el Manschije, erreicht die Bahn 228 m Meereshöhe. Das Gelände ist wellige Lehmfläche, darunterlagernder diluvialer Trümmerkalk und gej legentlich auch senone Kreide sind hier und da zu beobachten. Große Dörfer finden sich nicht mehr. Nur noch Einzelgehöfte liegen im Gelände. U eberall ist noch Ackerland. Ehemals muß die Gegend viel dichter besiedelt gewesen sein. Zahlreiche Teils liegen hier überall verstreut. Die Bahn senkt sich zum Wadi Scheria. Die Station Teil Scheria liegt 500 m südlich des Wadi, während das alte Teil gleichen Namens unmittelbar nördlich desselben etwa 30 m hoch emporragt. *Scheria bedeutet Tränke und deutet damit au, daß im Wadi stets Wasser vorhanden ist. Etwa 8 km weiter unterhalb, liegt südlich des Wadi das Teil Abu Harere. Alle diese Teils sind als höchste Punkte im Gelände sehr markant. Sie haben tafelförmige Gestalt. Fraglos sind sie alle auf vorhandene Erhebungen aufgesetzt, so das Teil Scheria auf einem Kreiderücken, Teil Abu Harere auf einer Durchragung marinen Diluviums. Aber ihre charakteristisch abgeplatteten ebenen Gipfelflächen verdanken sie wohl stets der Hand des Menschen, die meist mehrere Jahrtausende lang auf diesen Teils gehaust haben. In der Linie des Wadi Scheria fanden die Stellungskämpfe gegen die Engländer im Jahre 1917 statt. Hier erfolgte am 4. bis 6. November der Durchbruch der türkischen Stellungen, der die dritte Gazaschlacht zu Ungunsten der letzteren entschied. In der Sommerzeit, nachdem die Aedcer abgeerntet sind, finden sich hier viele Beduinen, die ihre großen .Herden weiden und im Wasser des Wadi tränken. Etwa seit Um Dabdal ist der braune Lehmboden in einen hellgelben echten Löss übergegangen, der die ganze Senke von Gaza und Berseba nach Süden bis an das Sandmeer des nördlichen Sinai (und an die Kreidehöhen der inneren Wüste auskleidet. Der Löss ist ein ausgezeichneter Gerstenboden, und die Gegend um Berseba führte über Gaza vor dem Krieg in, guten Jahren für etwa 7 Millionen Mark davon (meist nach England) aus. Mißernten sind allerdings häufig, etwa jedes dritte Jahr ist ein Fehljahr. Häufig vernichten auch die Heuschrecken die Arbeit des Landmannes. Zuletzt waren sie 1915 in großen Mengen eingefallen. Die Bahn steigt wieder ziemlich stark an und erreicht nach 20 km die Haltestelle Abu Rgeig, nahe einem Einzelgehöft, und dann nach 5 km den nördlich der Stadt gelegenen Bahnhof von Berseba, im ganzen 247 km von Afule entfernt. Der Bahnhof liegt 264 m über dem Meere. Berseba war während! der Jahre 1915—17 der Hauptetappenplatz der gegen Aegypten operierenden türkischen Armee und verdankt diesem Umstand seine Bahnverbindung. Schon vor dem Kriege wurde der Ort auf Veranlassung von Abdul Hamid wieder besiedelt, nachdem er viele Jahrhunderte unbewohnt war. Er hat etwa 2000 Einwohner, eine neue Moschee, Serails und gruppiert sich um die ziemlich stark zum Wadi Berseba abfallende Haupt-

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