Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48-49 (27.11.1919)
- Date
- 1919-11-27
- Page
- Seite 1521-1522 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1521 VOLK UND LAND 1522 Straße, an der die Kaufläden des Platzes liegen. Seine Bedeutung in der Friedenszeit verdankte er dem Handel mit den zahlreichen umwohnenden Beduinen stammen. Die Möglichkeit des Entstehens einer Siedlung liegt in dem nahen Grundwasser des Wadi Berseba, das i t etwa 20 Brunnen gewonnen wird. Zu einer Zeit, als man türkischerseits noch daran dachte, gegen Aegypten agressiv vorzugehen, wurde der Bahnbau durch die Sinaiwüste geplant und mit der Dschemal Pascha eigenen Energie rasch gefördert. Die Ausführung lag auch hier wieder in der Hand Meißner-Paschas. Die Linie sollte möglichst direkt auf die Mitte des Kanals nach Ismailia führen. Sie ist aber nur zu ihrem kleineren Teil, bis zur ägyptischen Grenze, zur Ausführung gelangt. Seit dem Rückzuge der türkischen Armee ist die Strecke auflässig; ob sie jemals wieder in Betrieb genommen wird, erscheint zweifelhaft, wäre aber, wenn sich die Funde von Oelkalken bei Korniub südöstlich Berseba günstig entwickeln, nicht ausgeschlossen. Als nächsten, Endpunkt hatte die Bahn Hafir gewählt. Dasselbe liegt in Luftlinie etwa 50 km südwestlich Berseba. Um es zu erreichen, mußte aber ein großer Bogen nach Südosten gemacht werden, so daß die Linie 72 km lang wurde. Denn auf dem direkten Wege liegen1 schwereren Bahnbuu hindernde Sanddünen, die letzten Ausläufer des großen Sandmeeres des südwestlichen Sinai. Die Linie geht zunächst nach Süden, hat nach wenigen Kilometern die Lössfläche von Berseba durchquert und tritt dann wieder in das Kreidegebirge ein. Nach 12 1cm folgt die Haltestelle Bir Ibn Türkije, nach 25 km Bir Asludsch. Etwa bis hierher ist das Land noch mit Einzelhöfen besiedelt und in fruchtbaren Senken angebaut. 10 lern unterhalb Asludsch liegt am Wadi gleichen Namens Chalassa, ein, Etappenort am direkten Weg nach Hafir mit ausgedehntem Ruinenfeld byzantinischer Zeit. 15 km entfernt in rein westlicher Richtung liegt Er Ruhebe (Rehoboth), gleichfalls eine ausgedehnte Ruinenstätte byzantinischer Zeit. Die Bahn zieht sich nun in einer in guten Regenjahren angebauten Lehmfläche nach Süd-, westen. Im Osten erblickt man in 6—10 km Entfernung den Steilabfall der Kreidehöhen des Negeb. Im Tale liegen 2 km östlich der Bahnlinie bei km 50 die Ruinen vom Sbeita; eine schöne byzantinische Kirche ist erhalten. Nach dem Umfang der Trümmer zu schließen, war der Ort nicht unbedeutend. Unverkennbare Reste aiter Weinkulturen zeigen sich an den Höhen. Die Bahn folgt dem Tal des Wadi el Abiad, überquert einen niedrigen Kreiderücken und erreicht dann Hafir el Audscha. Hafir war bis vor wenigen Jahren umbesiedelt. Erst die 1906 neu1 festgelegte syrisch-ägyptische Grenze veranlaßte die türkische Regierung hier eine Niederlassung zu gründen, um die zahlreichen Beduinen etwas unter Kontrolle zu bekommen. Die Niederschläge sind in dieser Gegend schom wesentlich geringer als in Berseba, etwa 150 mm jährlich, und der Eindruck des Geländes ziemlich wüst, Nur im Frühjahr ist für ein bis zwei Monate die Landschaft in ein zartes Grün gehüllt. Der Ackerbau beschränkt sich auf günstig gelegene Flächen in den Tälern und ist nicht jedes Jahr möglich. In byzantinischer Zeit war Hafir ein ansehnlicher Ort. Auf dem Hügel westlich des jetzigen Platzes sind spätgriechische und mittelalterliche Baureste erhalten. Eine alte Basilika stand dort oben, der Mosaikfußboden wurde während des Krieges freigelegt. Hafir liegt nur 3 km von der neuen Grenze. Der Weg nach Aegypten teilt sich liier. Der eine geht nach Westen, bis er nach 50 km aut das Wadi Arisch stößt und diesem dann bis zur Mündung zur Stadt Arisch fol£t. Die ganze Entfernung beträgt 87 km. Die andere Karawanenstraße führt über Kusseime-Hassana nach Ismaüia. Die Bahn folgt der letzteren bis Bir Biren, das nach 12 km erreicht wurde. Der Platz weist gleichfalls alte Ruinen auf, besonders ein großes Wasserbassin aus byzantinischer Zeit. Von diesem Ort sollte die Bahn nach Kusseime vorgetrieben werden. Kusseime liegt 16 km westlich von Biren bereits auf dem englischen Sinai und war eine englische Polizeistatiom. Bis Kusseime reichte in günstigen Jahren dürftiger Ackerbau. Etwa 12 km südöstlich liegt das aus der Bibel bekannte Ain Kades „Das Haderwasser“, wo die Kinder Israel bei ihrem Nomadenleben in der Sinariwüste mehrere Jahre geweilt haben. Die Weiterführung der Bahn war nach Hassana, das in Luftlinie 50 km auf einer fahrbaren Straße 70 km entfernt liegt, geplant Sie sollte dann an der Nordseite des Dschebel Hilal nach Gifgaffa führen. Bis hierher waren die Vorarbeiten gediehen. Gifgaffa liegt 45 km in Luftlinie vom Kanal entfernt. Bis Chabra 11, einem Regenwasserloch in einem Wadi, hätte die Trace keine besonderen Schwierigkeiten gehabt, abgesehen vielleicht von der Unmöglichkeit, Wasser zu beschaffen. Dann folgt aber bis zum großen Bittenu ein 25 km breiter Sanddünengürtel, der wohl einige Unbequemlichkeit verursacht hätte. Von Tine zweigt nach Südwesten die lediglich zu strategischen Zwecken erbaute Linie nach Gaza ab. Sic geht durch fruchtbares Lehmgelände im allgemeinen in Südwest-Richtung. Zahlreiche Dörfer liegen in dieser Gegend. Die Bahn berührt Messudije, Sawafir und Dschulis und kommt hier der großen Straße, die von altersher von Syrien nach Aegypten führte, nahe. 6 km westlich liegt der bedeutende Ort Meschdil, 4 km südwestlich - von diesem am Meere die interessanten Ruinen von Askalon. Die ganze Gegend ist außerordentlich fruchtbar. Schöne Olivenhaine umgeben die Ortschaften. Die Bahnlinie führt links an Barbara vorbei und kreuzt das Wadi Hasi, sie erreicht dicht nördlich Bet Hamm, ihren vorläufigen Endpunkt, da der beabsichtigte Endpunkt Gaza damals unter feindlichem Feuer lag. Am Wadi Hasi zweigte eine weitere, militärischen Zwecken dienende Zweiglinie nach Osten ab. Die Engländer hatten 1916 und 1917 eine Bahn entlang der Küste südlidi des Sirbonischen Sees über Arisch bis Gaza vorgetrieben und durch die Wüste neben derselben eine sechszöllige Nilwasserleitung gelegt. Sie haben dann nach der dritten Gazaschlacht im Herbst und Winter 1917 diese Linie bis Ramie verlängert und sie dort in das vorhandene in gleicher Spur gebaute System Palästinas einbauen lassen. So hat der Krieg die Ueberlandverbindung zwischen Palästina und Aegypten ermöglicht und mag nach all dem Unheil, das er auch über das Heilifge' Land gebrach t; hat, für späterhin doch dadurch noch befruchtend wirken.