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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1517-1518

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1517-1518 (sequence 12)
Language
German
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1517 1518 VOLK UND LAND Ebene Sarou bis an das blaue Mittelmeer bieten sich dem Auge. Viele Olivenhaine mildern die Kahlheit der grauen Felshöhen. In starkem Fall geht die Linie nach Mesudie talwärts. Fiier zweigt die Bahnlinie nach Nablus ab. Die nächste Station derselben, Sebastije, ist in Luftlinie nur etura 2km von Mesudie entfernt. Dann folgt nach 10 km Nablus, das altberühmte Sichern. Die Stationen Mesudie und Sebastije werden durch eine 5 km lange Wasserleitung, die durch die Quelle Ain Harun, unterhalb des Dorfes Nakurah gespeist wird, versorgt. Von beiden gleich weit entfernt liegen auf der Höhe westlich des heutigen Dorfes Sebastije die Ruinen der alten Königsstadt des Reiches Israel, Samaria. Ein Besuch der Ruinen ist sehr lohnend. In kaum halbstündigem Steigen erreicht man die runde, Kuppe des Berges, der von einem schönen Olivenhain bestanden ist. Eine zum Teil noch erhaltene Säulenstraße führt rings um den Berg, Auf der Südwestseite blicken noch heute schwere Wachttürme trotzig in die Weite. Dicht oberhalb derselben liegt der durch Baurat Schumacher ausgegrabene Palast des Herodes. An der Niordseite des Hügels der gleichfalls von Herodes stammende Tempel des Augustus. Im Dorf selbst die Reste einer Kirche der Kreuzfahrerzeit. Drei Jahrtausende städtischen Lebens hat dieser Hügel gesehen. Seine Abgelegenheit hat die Zeugen des Altertums mehr als sonst vor der orientalischen Unsitte der Wiederverwendung zu syrischen Profanbauten bewahrt. Still und ernst schauen die Reste längst entschwundener Zeiten über die schöne Landschaft Von Mesudie senkt sich die Bahn rasch ins Wadi esch Schair und folgt diesem bis zium Austritt aus den Bergen. Harte, graue, dickbackige Kalke des Turons in schroffen Formen begleiten das Tal. Ein zur Regenzeit fließender Bach füllt die Talsohle urnd trieb früher allerdings mur einige Monate im Jahr eine Anzahl Wassermühlen. Seit Benutzung von Motoren zum Mühlenantrieb sind sie jedoch verfallen. Haine von Oliven bedecken überall die Hänge. Nach 10 km berührt die Bahn das Dorf Enepta. Nach weiteren 5 km öffnet sich das Tal. Die Höhen rechts und links werden niedriger, und man sieht vorn die Ebene Saron. Aut den Bergen liegen vereinzelte Dörfer. Nach 18 km ist der Bahnhof Tulkarini erreicht, in Luftlinie von Dschenin 41 km, mit der Bahn 51 km entlernt. Der Ort selbst liegit 1 km östlich und ist Sitz eines Mudirs. Besondere Sehenswürdigkeiten] bietet er nicht, doch liegt er malerisch am Westabhange der Berge mit weitem Blick über die Ebene bis ans Meer. Die Bahn zieht sich nun am Fuße der Berge entlang. Auf den Höhen viele Dörfer, teils in reichen Olivenhainen gelegen. Irba, Firaum, Ferdischa, Teibe grüßen von oben, ’in der Fläche sieht man Burdsch mit mittelalterlichen Ruinen eines Wachturms, Kalansawe, von einigen höhen Palmen überragt, dann das große Dorf Et Tire. Die nächste Station ist Kilkilije. Westlich des Ortes dehnen sich Orangeuind Fruchtgärten bis Kafr Saba, an die sich die noch im Entstehen begriffene jüdische Kolonie Sabije ansdiließt. Dann durchfährt man die fruchtbare Lehmebene des Wadi Ischkar und Nähr el Audscha und erreicht nach 40 km von Tulkarim die Station Ras el Ain. Der unbedeutende Ort liegt 1,6 km westlich der Bahnstation. Interessant ist das alte Kälaat, ein mächtiger viereckiger Gebäudekomplex der Sarazenenzeit mit Wachttürmen an den Ecken. Unmittelbar unterhalb der Feste sind die SchiChtquellen des Nähr el Audscha, der von hier ab als auch im Sommer wasserreicher Fluß dem Meere ziuströmt. Schöne Orangen- und Bananengärten finden sich in der Nähe der Quellen. Die Gegend ist aber des offenen Wassers wegen ziemlich ungesund. I km westlich liegen im hügeligen marinen Diluvium Mlebbis und Ain Gannim, in letzter Zeit Petach- Tikwah (Tor der Hoffnung) genannt. Diesen Namen erhielt die im Jahre 1878 begründete Judenkolonie, die volkreichste in Palästina. Sie ist ein j interessantes Beispiel dafür, wie sich die Juden aus; den verschiedensten Weltteilen wieder hier in der I alten Heimat zusammengefunden haben. Ein Teil | der Ansiedler stammt aus Rußland, andere kamen j aus Charbin und New Orleans, die Aermsten sind j die Jemeniten; die aus Arabia Felix eingewandert S sind. Wie groß der Vorteil des türkischen Fiskus | aus solchen Niederlassungen ist, ergibt sich daraus,! daß die Kolonie jetzt nach noch nicht 50 Jahren ihres Bestehens 70 000 Mark Steuern jährlich aufbringt. An den Bergen folgt links das ansehnliche Dorf Meschdel Jaba, um das zu Ende 1917 schwere Kämpfe stattfanden, und unmittelbar rechts der Bahn Nebi Tari. Die nächste Station ist Rentije, gleichzeitig Bahnhaltestelle für die 1,5 km westsüdwestlich gelegene deutsche Templerkolonie Wilhelma, benannt nach König Wilhelm von Württemberg. Wilhelma ist eine der jüngsten deutschen! Kolonien Palästinas, 1902 gegründet, eine Tochter- | kolonie des älteren Sarona bei Jaffa. Freundliche | Häuser, von hübschen Gärten umrahmt, ziehen! sich entlang einer breiten mit Eukalyptusbäumen j bepflanzten Hauptstraße. Alles atmet Wohlstand i und deutsche Ordnung. Schönes Vieh steht in den Ställen, reiche Frucht trägt der umliegende Lehmboden. Hier zeigt sich deutlich, wie überlegen der deutsche Kolonist allen anderen Nationen an zielbewußter Arbeit ist. In niur 10 Jahren ist Mustergültiges geschaffen. Leider hatte Wilhelma wie | Petach-Tikwah unter den kriegerischen Ereignissen! j des Spätjahres 1917 schwer zu leiden. Durch Wilhelma zog sich etwa eine Woche langidie Vorposteni Stellung der Engländer, und Mlebbis wechselte! mehrfach den Herrn. Möge beiden eine fröhliche! Zukunft beschieden sein. Nach weiteren 16 km erreicht die Eisenbahnlinie Ludd. Von hier bis Wadi Serar folgt die Bahn der älteren Linie Jaffa — Jerusalem. Die drei Stationen dieser Strecke sind: Station km Höhe in m Ludd * 142 62 Ramie 145 66 Wadi Serar 165 89 Ludd und Ramie sind bekannte, in allen Reisehandbüchern erwähnte Plätze, so daß wir sie hier | * übergehen können. Wadi Serar war vor dem Krieg I lediglich Haltepunkt der Eisenbahn, wurde dann! aber ein wichtiger Etappenort. Alle diese Plätze I waren im November 1917 hart umkämpft; besonders j bei Katra, 8 km westlich von Wadi Serar, leisteten | die Türken erbitterten Widerstand und ließen etwa 1000 Tote und doppelt so viele Gefangene in Hand der siegreichen Engländer. Fruchtbare Felder, von reichen Ostgärten unterbrochen, überall von Kaktushecken durchzogen, hie und da von Palmen überragt, geben der Landschaft eiin parkartiges Gepräge. Wir durchfahren hier den wertvollsten Teil des Landes; er gibt bei sachgemäßer Behandlung überreiche Erträge. Der Boden der ebenen Fläche ist ein fetter Lehm von brauner bis schwarzer Farbe, der durch Humusbeimengung diese dunkle Färbung angenommen hat, ähnlich der russischen Schwarzerde. Die hügeligen Teile der Landschaft bilden oberflächlich einen lehmigen Sand, der in Halbmetertiefe von einem braunroten sandigen Lehm

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