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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1513-1514

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1513-1514 (sequence 10)
Language
German
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1513 VOLK UND LAND 1514 in Schach gehalten wird. Aut welche Gründe die geringe Schädlichkeit in Palästina zurückzuführen ist, ob aut das Vorhandensein von Insektenparasiten, aut eine relative Immunität der syrischen Oe'bäume, oder auf die besonderen klimatischen Verhältnis-e, wird sich nur nach eingehender Untersuchung feststellen lassen. Wir müssen uns nur eines klar machen. Durch die umfassenden Sanierungs- und Kultivierungsmaßnahmen der nächsten Jahre werden die tierischen Lebensgemeinschaften des Landes in weitem Umfange durch andere ersetzt werden. Es ist ganz klar, daß so eingreifende Maßnahmen wie die Trockenlegung der Sümpfe, Regulierung der gesamten Wasserverhältnisse, gleichmäßige Berieselung des ganzen Landes, Aufforstung weiter Strecken und vor allem die geschlossene Anlage zusammenhängender großer Pflanzungskulturen, von denen wir oben schon gehört haben, daß sie zugleich eine Futterzüchtung für viele Insekten darstellen, und vor allem das biologische Gleichgewicht des Landes derart über den Haufen werfen wird, daß sich bei der längeren Dauer der Ursachen fürs erste auch kaum ein neues Gleichgewicht herstellen wird. Ferner wird das liand durch die jüdische Kolonisation und die Schaffung guter Häfen einen regen Anschluß an den Weltverkehr erhalten und durch diesen Weltverkehr werden gleichzeitig große Mengen von Insektenschädl ngen aus al'en Gegenden der Erde eingeführt werden. Konnte doch Kräpelin in Hamburg iin der kurzen Zeit von 1898 bis 1901 nicht weniger als 294 exotische Insekten als neu eingeführt feststellen, die über den Hafen hinaus teils ihren siegreichen Akklimatisierungsweg begannen, teils infolge der nicht zusagenden Lebensbedingungen allerdings zugrunde gingen. Wir werden uns also in Palästina Tn den nächsten Jahrzehnten noch aut böse Ueberraschungen gefaßt machen müssen, denn so eingeführte Fremdlinge wirken in einer revolutionierten Lebensgemeinschaft natürlich ganz anders wie in einer ausgeglichenen. Jedenfalls muß mit allem Nachdruck daraut hingewiesen werden, das eine sofortige sachgemäße Ueberwachung der gesamten hierfür in Betracht kommenden Einfuhr, besonders Samen, Setzlinge, Früchte, Holz u. ä. dem Lande unter Umständen sehr große Summen ersparen kann. Bei der Bekämpfung der Oelfiiege wendet man heute in Italien zwei Verfahren an: Prof. Silvestri hat die ganze Welt bereist und Dutzende von Schlupfwespen und auch tierischen Feinden der Fliege oder ihrer Entwicklungsstadien nach Neapel mitgebracht. Ein Teil von diesen beginnt sich in Italien einzuibürgern, so daß in Bälde nier ein aussichtsreicher Erfolg zu erwarten steht. Inzwischen hat Berlese die technische Bekämpfung durch Einführung der sogenannten Bacinella, einer flachen Schüssel, im der sich ein vergifteter und gesüßter Köder befindet, auf die Höhe gebracht. Vor etwa 20 Jahren wurden die an sich' gut gedeihenden Weinanlagen, die sich infolge der allgemeinen schlechten Lage der Weinpreise auf dem Weltmarkt in einer schweren Krise befanden, noch durch die Reblaus, Phylloxera vastatrix, bedroht. Da man das traurige Schicksal Frankreichs, das zwei Drittel seines Weinbaues infolge dieser Geißel des Rebstockes aufgeben mußte und an seinem Nationalvermögen einen Schaden von meh eren Milliarden erlitten hatte, vor Augen sah, ging man in Palästina sofort dazu über, die dortigen Reben auf amerikanische Stöcke aufzupfropfert. Die amerikanischen Reben sind nämlich gegen Rebläuse immun, d. h. sie sind zwar dauernd von ihnen befallen, erleiden dadurch aber keinen großen Schaden. Man erklärt sich dies folgendermaßen: bekanntlichist Amerika die Heimat der Reblaus, aus der sie erst gegen 1860 nach Europa kam. Man nimmt nun an, daß die Reblaus alle in Amerika vorkommenden WUnarten völlig ausgerottet hat, bis auf eine geringe Anzahl, die eine gewisse — ob chemische, ob mechanische, wissen wir heute noch nicht — Immunität ihr gegenüber hatten, ein schönes Beispiel für das Ueberleben des Passendsten im Kampfe ums Dasein. Mit dem Aufpfropfen auf diese amerikanischen Unterlagen hat man den palästinensischen Weinbau zwrar vor dem Untergang bewahrt, ihn aber zugleich vor neue Aufgaben gestellt. Denn bisher erzeugen diese Pfropfprodukte einen Wein, der mit den alten europäischen Qualitätsweinen nicht verglichen werden kann, obwohl bei systematischer Sortenauslese und Hefeversuchen sich das im Laufe der Zeit wieder ändern wird. Vorderhand steht jedenfalls zu erwarten, daß de Weine in den nächsten Jahren bei der ohnedies schwierigen Lage des internationalen Weingeschäftes einen schweren Stand haben werden. Denn es ist natürlich völlig unmöglich, zwischen solchen Pfropfreben europäische Sorten zu züchten, da diese sofort von den immunen Amerikanerwurzeln aus infiziert und vernichtet würden. Dte Orangenkulturen werden besonders von einigen Schildläusen heimgesucht: Chrysomphalus aurantii, Aspidiotus hederae, Parlaiorea pergandei, von denen die erste und die letzte, die vor allem an Blättern und Früchten leben, durch ihre saugende Tätigkeit großen Schaden ausüben. Nach Ruppin erfolgt ihre Bekämpfung durch Bespritzen mit Kerosin oder einer Emulsion von schwarzer Seife. In jedem nicht genau bekannten Lande tut man am besten, die landesüblichen erprobten Methoden möglichst beizubehalten. Immerhin kommt bei ihrer Vernichtung neben even'uell anderen Kontaktgiften vor allem das califomische Blausäurevergasungsverfahren, das man allerdings nur mit ganz zuverlässigem Personal versuchen könnte, in Betracht. Daß die biologische Methode bisweilen eine sehr billige und durchgreifende Schädlingsbekämpfung darstellt, davon haben sich die Palästinenser schon selbst überzeugen können. Im Jahre 1910 trat nämlich in der jüdischen Kolonie Petadh-Tikwah die schon als klassisches Beispiel zitierte Orangenschildlaus Icerya purchasi auf, die durch ihren aus Italien bezogenen Feind, den Novius cardinalis schnell vertilgt wurde. (Agr. Bril aus Ruppin 1917.) Schildläuse sind auch die Hauptschädlinge des für die Seidenraupenzucht so außerordentlich wichtigen weißen Maulbeerbaums, nämlich die selteneren- Lecanium cymbiforme und Pulvinaria vitis und besonders Diaspis pentagona, deren Einführung nach Syrien sich auf die Dauer nicht wird vermeiden lassen. In Italien hat man sehr gute Erfolge mit ihrer biologischen Bekämpfung erzielt, indem ein Institut eine Schlupfwespe, Prospa-Itella Berlesei übernahm, und ein anderes eine Reihe Coccinelliden , (Raubkäfer) eingeführt und gezüchlet hat, die jetzt alle zusammen unter der Diaspis tüchtig aufräumen. Als Schützling des Maulbeerbaums hat sich in Syrien auch ein Käfer, Calosoma, bisweilen bemerkbar gemacht. Auch die anderen Baumkulturen haben natürlich ihre Schädlinge, die sich aber erst mit deren wachsenden Ausdehnung wirtschaftlich bemerkbar machen werden. An tierischen Getreidefeinden ist vor allem die Getreidehalmwespe, Cephus pygmaeus, zu erwähnen, deren Weibchen im Frühjahr -im obersten Knoten von Weizen oder Roggen je ein Ei in etwa ein Dutzend Pflanzen legen. Die Larve frißt sich nach dem Ausschlüpten in den Stengel hinein. Vor der Ernte kriecht sie nach unten, wo sie sich verpuppt. Beim Mähen bleibt sie dann in den Stoppel-

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