Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1511-1512

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1511-1512 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649311--0939-2650305
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1511 VOLK UND LAND 1512 größerem Umfange als Weiuschädling auf. Neuerdings wird er durch den seit 1880 unablässig vordringenden bekreuzten Traubenwickler, Polychrosis hotrana, immer mehr verdrängt. In Südtirol sind ganz ähnliche klimatische und faunistische Verhältnisse wie im pfälzischen Weinbaugebiet und dort bilden beide Traubenwickler einen Bestandteil der dortigen Fauna, aber keiner von ihnen macht sich v on ihnen als Weinschädling bemerkbar. Sie werden dort offenbar durch Schlupfwespen in mäßigen Grenzen gehalten. Aber aus welchen Gründen z. B. der einbindige Traubenwickler 1801 plötzlich auf die Reben überging, bzvv. sich so stark vermehrte, darüber ist nichts bekannt. Jedenfalls weist die vergleichende Betrachtung beider Länder zugleich den Weg zur systematischen Bekämpfung, indem man natürlich versuchen wird, die Tiroler Schlupfwespen in der Pfalz einheimisch zu machen. Wir beginnen jetzt mit den Problemen der landwirtschaftlichen Schädlingsbekämpfung. Als allgemeine Schädiger aller Kulturen kommen vor allem die Heuschrecken in Betracht, und zwar für Palästina besonders zwei Arten, die ägyptische Wanderheuschrecke, Schistocerca peregrina, und die marokkanische Heuschrecke, Stauronotus maroccanus. Die erstere ist es, die die großen Heuschreckenjahre 1865, 1878, 1890, 1902 und 1915 hervorgerufen hat. Sie kam in großen Scharen über das Meer oder die Halbinsel Sinai aus Aegypten und Arabien gezogen. Die Schwärme begatteten sich direkt nach ihrer Ankunft in Palästina und begannen schon nach 8 Tagen mit der Ablage der Eipakete. Nach etwa vier Wochen schlüpften die Larven aus den Eiern und richteten allenthalben an den Kulturen großen Schaden an. Sie begannen sofort ihre Wanderungen, die sie teils bis Nordsyrien teils bis nach Mesopotamien führten. In Palästina selbst vernichtetem die Wanderheuschrecken den größten Teil der Vegetation und gingen dann teils ohne vorherige, teils nach vorheriger Eiablage zugrunde. Aus diesen Eiern hat sich aber nirgendwo eine neue Generation entwickelt. Die Schistocerca peregrina paßt sich also dem palästinensischen Klima offenbar so schlecht aan, (daß sie in ihm nicht zur Fortpflanzung schreiten kann. Aber schon von den Schwärmen, die nach Mesopotamien gelangten, ist bekannt, daß sie dort noch eine zweite Generation erzeugten. Dieser glückliche Umstand kann sich also auch für Palästina eines Tages ändern. Auffallend und für den Abwehrkampt wichtig ist d;e Periodizität ihres Erscheinens, alle 12 bis 13 Jahre. Man wird also in diesen Jahren besonderes Augenmerk auf die Instandsetzung aller Abwehrmittel richten müssen, im übrigen aber sich dauernd über die Bewegungen der Schwärme in Aegypten und Arabien informiert halten, um nicht unvorhergesehen überrascht zu werden. Die marokkanische Heuschrecke ist in der Wüste zwischen Syrien und Mesopotamien einheimisch, ihre Wanderungen nach Westen sind für Nordsyrien und das Ostjordanland gefährlich, ja es besteht sogar die Gefahr, daß diese sich bis nach dem Westjordanland ausdehnen. Im Gegensatz zu der ersterwähnten ist der Stauronotus maroccanus an das Klima sehr gut angepaßt. Sein Weibchen legt in ungeheuren Massen an den sogenannten Eiablegeplätzen wahrscheinlich nur einmal im Jahre seine Eier, aus denen im Frühjahr die Larven ausschlüpfen, die sich sofort auf die Wanderung begeben. Das gefährliche an ihm ist aber, daß er eben jedes Jahr erscheint. Seine Biologie und Bekämpfung, die übrigens für beide Arten dieselbe ist, ist während des Krieges von der deutschen entomologischen Expedition unter Bücher besonders gut ei forscht und gefördert worden. Die biologische Bekämpfungsmethode scheint hier vorläufig infolge der sehr komplizierten und eigenartigen Lebensverhältnisse der Heuschrecken in den Hintergrund treten zu müssen, ihre natürlichen Feinde sind v or allem Vögel wie Rosenstar, Storch u. a., ferner Anthraxfliegen und an Pilzen Empusa grylli und Coccobacillus acridiori.m. Unter allen Umständen muß aber das Forschen nach natürlichen Parasiten und deren Vermehrungsbedingungen eifrig fortgesetzt werden, da ein endlicher Erfolg keineswegs ausgeschlossen ist. Die technischen Bekämpfungsmaßnahmen richten sich je nach dem Entwicklungsstadium der betreffenden Tiere. Sehr! wichtig ist zunächst die genaue Aufnahme aller! Eiablageplätze und dort die Vernichtung der 5 bis | 6 cm unter dem Boden liegender Eier durch Pflü-! gen oder durch Hacken. Da die jüngeren Hüpfer! noch nicht in geschlossenen Zügen wandern, kommt j für sie vor allem die Vernichtung durch die 1 reibe- | methode (viele Arbeitskräfte!) oder durch Gift (sehr teuer!) in Betracht. Für die älteren Hüpfer kommt wohl fast immer das jetzt sehr ausgebildete Ziinlkblechverfahren in Frage. Bekanntlich wan- { dern die Züge in geschlossener Marschkolonne, j in bestimmter Breite und in bestimmter Richi tung. Nachts ruhen die Züge gewöhnlich. Man I stellt nun senkrecht zur Zugrichtung früh j morgens eine der Breite des Zuges entsprechende Anzahl von glatten Zinkplatten von 33^ cm Höhe lückenlos aneinander und gräbt in der Richtung des Wanderzuges einige schart abgekantete Gruben, deren Tiefe und Zahl sich je nach der Größe des Haufens richtet. Die Pia Len wand j schließt an beiden Enden mit je einer besonders gut j gearbeiteten Fanggrube ab. Infolge der besonderen I Psychologie der Heuschreckenschwärme fangen sich in den Gruben fast restlos alle Tiere und können in ihnen mühelos vernichtet werden. Die Höhe von zirka 30 cm kann von diesen Arten nicht übersprungen oder überflogen werden. Ein ganzer solcher Zinkapparate von 3 km Länge kann von acht Mann und einem Aufseher unter eventueller Zuhilfenahme der Einwohner mühelos bedient und aut wenigen Maultieren transportiert werden. In Verbindung mit einem gut funktionierenden Nachrichtendienst kann der Abwehrdienst im ganzen Land von sehr wenigen solcher Kolonnen bewältigt werden. Im übrigen ist die Heuschreckenplage eine Begleiterscheinung der Unkultur und wird mit dem Vordringen europäischer Wirtschaftsmethoden in den .Nachbarländern Palästinas seine Schrecken allmählich verlieren. Sehr gefördert werden die Wanderungen noch durch das völlige Fehlen von Wald im vorderen Orient, der sich sonst ihren Wanderungen als ein fast unüberwindliches Hemmnis entgegenstemmt. Von den anderen Schädlingen aller Kulturen, den Termiten und Ameisen, ist meines Wissens bisher in Palästina kein beträchtlicher Schäden angerichtet worden, wenn auch die Ameisen bisweilen in den Speisekammern als Plagegeister bekannt sind. Wir wenden uns nun den Schädlingsproblemen der einzelnen Pflanzungskulturen zu, über die noch herzlich wenig bekannt ist. Nach Ruppin sind die Oelbaumkulturen im allgemeinen sehr widerstandsfähig und haben weder unter Klima noch Parasiten stark zu leiden. Das Vorkommen der gefürchteten Oelfliege, Dacus oleae, die in Italien jährlich Millionenwerte vernichtet, ist aber im Lande festgestellt. Wie wir.aus dem Beispiel vom Traubenwickler gesehen haben, bietet das durchaus keine Gewähr für die Zukunft. Auch in Südafrika kommt die Oelfliege vor, richtet aber dort auch keinen Schaden an, weil sie dort durch Schmarotzerinsekten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.