Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48-49 (27.11.1919)
- Date
- 1919-11-27
- Page
- Seite 1509-1510 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1509 VOLK UND LAND ===^=-=====^—=^==-- 1510 Blciai>enai. („Arsenale ,>i iead“). in Deutschland j das Uraniagrün bewährt. Bei saugenden Insekten | die das der Pflanze aufgespritzte Gift nicht in den I Magen gelangen lassen, da sie ihre Nahrung aus j dem Inneren der Pflanze heraussaugen, verwendet i man ein sogenanntes Kontaktgift, dessen Berührung j schon tödlich wirkt. Hier kommt vor allem die Schwefelkalkbrühe in Betracht. An anderen erfolgreichen Spritzmitteln ist noch Petroleum, Tabaks- I lauge, und Seifenlaugen zu erwähnen. In Europa und bis vor 15 Jahren auch in Amerika bediente man sich bei der Anwendung dieser Mittel vor allem der Handspritzen, die in vielen Modellen, besonders fein in den Revolverspritzen für den Weinbau, in den Handel kommen. Seit 15 Jahren ist man in Amerika zu den „Power sprayers“, Spritzapparaten mit Motorbetrieb, mit denen man mittels langer Schläuche und fahrbarer Wagen die höchsten Bäume spritzen kann, übergegangen. Es haben sich, besonders in Kalifornien, private Unternehmer gefunden, die mit ihren Wagen die ganzen Farmen abspritzen, wobei sich die Farmer sehr gut stehen. Ein Verfahren, das neuerdings sehr viel von sich reden macht und das zweifellos eine große Zukunft hat, ist die Räucherung mit Blausäure. In Kalifornien werden die ganzen Orangenplantagen reihenweise mit gasimpermeablen Zelten bedeckt und dann gegen Schildläuse geräuchert. Das verhältnismäßig teure Verfahren hat sich gut bewährt, und auch die Plantagenbesitzer sind auf ihre Rechnung gekommen. In der Rheinpfalz hat man neuerdings systematische Versuche mit Blauj säurebekämpfung des Traubenwicklers („Heu- und Sauerwurm“) gemacht, die ebenfalls vielversprechend sind. Die größte Zukunft hat dies Verfahren aber wohl auf dem Gebiet der Speicher-, Magazin- und Mühlenschädlinge. Hier sind so J überzeugende Erfolge gegen sämtliche Schädlinge erzielt worden, daß es sich hier wohl einen dauj ernden Platz sichern wird, Weniger zukunftsreich j ist die Vernichtung der überwinternden Weibchen; von Culex pipiens und anderen Stechmücken, weil j gar nicht als Imago, sondern als bei der Puppe j die meisten Stechmücken überwinteim und so doch j nicht erfaßt werden. Bedenklich an dem Blausäure- I Verfahren ist seine 'große Giftigkeit für den j Menschen. Wenn auch in Amerika noch kein Todesj fall vorgekommen sein s-oll, so sind in Deutschland! doch schon Menschenleben zu beklagen gewesen,! so daß eine gesetzliche Regelung dahingehend gej troffen werden mußte, daß Blausäur er äucherungen j nur noch von geschultem und geprüftem Personal j ausgeübt weiden dürfen, bei dem wohl keine i größere Gefahr besteht. i Noch einige andere technische Methoden haben sich in Einzelfällen bewährt, so z. B. das Abklopfen oder Abschütteln in Klopfschirme oder j Fangtücher, das u. a. bei der Maikäferbekämpfung j hervorragende Dienste tat, das Abfangen mittels j Teerschlitten, die die Pflanzen schütteln und die | abfallenden Insekten festhalten, das gegen Erdflöhe! an Hopfen und gegen Rapsglanzkäfer verwandt! wird, so die Leimringe an Bäumen, die die heraufj kletternden Raupen festhalten, wobei jedoch auf j regelmäßige Reinigung zu achten ist, da sonst die j Raupen über die Leiber ihrer geopferten Vorgänger j doch ihr Ziel erreichen und endlich die mechanische Grenzsperre durch Lappen, Pappringe usw. Die beiden letzten werden z. B. besonders gern gegen die flügellosen Weibchen des Frostspanners angewandt, die so an der Eierablage auf die Obstj bäume verhindert werden können. Endlich seien noch einige Methoden erwähnt, | die vorzugsweise in der Forstentomologie Anwenl clung gefunden haben: Die rindenbrütenden Käfer, z. B. die Boskenkäfer, legen ihre Eier am liebsten an frisch gefällte Bäume. Wenn man nun ständig für das Vorhandensein einer geringen Anzahl solcher Bäume (der sogenannten Fangbäume) sorgt, so kann man den größten Teil dieser Schädlinge aus einem bestimmten Waldbestand abfangen. Im Bienwald suchte man der Maikäferplage dadurch Herr zu werden, daß man alle Lichtungen mit Aetzkalk bestreute und die Weibchen so an' der Eiablage hinderte. Eine beliebte Methode zur Vernichtung von Nachtschmetterlingen ist das Aufstellen von Fanglampen, da diese Tiere zumeist sehr lichtliebend sind. Hier spielt auch die Dosierung der Lichtstärke eine gewisse Rolle, da zu starkes Licht diese Tiere wieder abstößt. Die Entomologie mit ihren Schädlingsvernichtungsverfahren kann natürlich nur da helfen, wo die Schadinsekten die Ursache der Pflanzenkrankheiten bilden, d. h. wo sie sogenannte primäre Schädlinge sind. Sehr häufig sind nun die Fälle, besonders in der Forstwirtschaft, wo die sich einstellenden Insekten nur der Ausdruck einer vorher schon bestehenden Krankheit oder Schwäche sind. In diesen Fällen, in denen sie den Schaden nicht verursachen, sondern nur vergrößern, nennen wir die Schädlinge sekundäre Schädlinge. Hierbei wird der ursächliche Schaden zumeist durch pflanzliche Parasiten oder durch falsche Kulturmethoden erzeugt. Vor allem die letzteren sind sehr häufig für Schäden verantwortlich zu machen, die vom Volk den Insekten zugeschrieben werden. Die Kulturmethoden spielen überhaupt eine an Bedeutung immer mehr zunehmende Rolle bei der Bekämpfung und Prophylaxe von Insektenkalamitäten, indem man z. B. Getreidesorten wählt, die beim Ausschlüpfen der Puppender Fritfliege (Oxcinis frit) schon so heran,gewachsen sind, daß sie durch die Maden keinen Schaden mehr erleiden; so hat man ferner vielfach bemerkt, daß die Drillsaat unter Schädlingen weniger leidet als die Breitsaat; ferner gibt es bei fast jedem Parasiten Pflanzemsorten, die weniger gegen ihn anfällig als andere oder sogar ganz immun gegen ihn sind, wie wir das bei der „Reblaus und Amerikanerreben noch sehen werden. Hier ist inniges Zusammenarbeiten des Forschers mit dem Praktiker noch dringender vonnöten wie anderswo. Bei der Verwendung getöteter Insektenschädlinge als Viehfutter muß man eine gewisse Vorsicht walten lassen. So ist z. B. der Maikäfer der Zwischenwirt für einen gefährlichen Schmarotzer des Schweins, den Riesenkratzer, den man durch die Verfütterung noch künstlich verbreiten würde. 2. Die landwirtschaftlichen Aufgaben der angewandten Entomologie. Wenn wir uns jetzt zu den Aufgaben der angewandten Entomologie speziell in Palästina wenden, so muß eine Bemerkung nachdrücklich an die Spitze gestellt werden: Die angewandte Entomologie ist wie wohl keine andere Wissenschaft allein auf Beobachtung und Erfahrung aufgebaut. Jedes theoretische Buchwissen ist wertlos, wenn es sich nicht aufs genaueste den speziellen Bedingungen des betreffenden Landes bis ins Einzelne an paßt. Da mir persönlich die Erfahrung über die palästinensischen Verhältnisse fehlt, können die folgenden Zeilen nur bezwecken, die Fülle der Probleme, die unserer Wissenschaft hier 'harren, aufzuzeigen. Um wie diffizile Unterschiede es sich hier oft handelt, möge ein Beispiel erläutern. In der Pfalz ist der einbindige Traubenwickler, conchytis ambiguella, anscheinend seit vielen Jahrhunderten ansässig, doch trat er seit 1801 in