Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48-49 (27.11.1919)
- Date
- 1919-11-27
- Page
- Seite 1505-1506 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
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1505 ---r-^-rr=r==2= VOLK UND LAND ■-=*=—• ■ ■■=-*= 1 50ö aut die gebildeten und gelehrten Leute, deren Mangel wir auf jeden Schritt und Tritt empfinden/“ Als Mann der Wüste hat dieser Emir ein fühlendes Herz, das sicli leicht entflammt und in Ekstase gerät. Es wird z. B. erzählt, daß, als er einmal durch ein Dorf im Libanon kam, ihm ein Geistlicher ein ihm zu Ehren gedichtetes Lied vortrug. Die Verse entzückten den Emir so, daß er seine Abaja (Mantel) abvvarf und sie dem Verfasser zum Dank und Andenken schenkte. Wenn wir den pomphaften Nachrichten, die so oft in der arabischen Presse in Damaskus veröffentlicht werden, glauben wollten, so könnten wir wirklich meinen, daß dort Großes auf allen Gebieten der Wissenschaft und Erziehung geschaffen wurde. Eines Tages wurde die Nachricht publiziert, daß die arabische Regierung eine Hochschule für Medizin in Damaskus eröffnet habe, und der naive Leser steht da und staunt über die riesige Leistung, in so kurzer Zeit eine Universität zu gründen, die in Wirklichkeit ein Nachlaß der Türken ist. Früher hatte man in türkischer Sprache unterrichtet, und jetzt strebt die arabische Regierung danach, arabische Professoren zu finden und die Schule zu arabisieren. Inzwischen wird die „arabische“ Hochschule ausposaunt! So kann man heute von einem Riesenarchiv, morgen von einer großen Bibliothek hören, über Pläne zur Eröffnung von Volksuna Mittelschulen in allen Winkeln, des Landes, über Ernennungen von Direktoren Inspektoren wsw. zu Hunderten und vxm der Gründung von Vereinen zur Verbreitung der Wissenschaft, der Literatur, des Turnens unter der Jugend usvv. In Wirklichkeit ist das alles blinder Lärm. Eine gute arabische Mittelschule kann man lange suchen ohne sie zu finden. Die Lehrer sind alle Einheimische, die eine mäßige türkische Ausbildung genossen haben. Solche mit höherer europäischer Ausbildung gibt es fast gar nicht. Und unter Tausend ist vielleicht einer, der Vorlesungen in Europa hörte, der wird dann aut Händen getragen und anstatt als Lehrer einer Klasse zu wirken, wird er zum Haupt und Leiter über das ganze Institut ernannt. Andererseits ist das Verhalten des Volkes zur Schule sehr indifferent und absolut kalt. Die Jugend ist zum größten lei] unwissend und die quasi Aufgeklärteren können bloß große Worte machen über Patriotismus und die große Zukunft Arabiens. Täglich schießen neue Zeitungen aus dem Boden, ohne jeden journalistischen Geschmack. Eine Ausnahme bildet der „Mukatabs“ der von Achmad Kurd Ali, dem bekannten Schriftsteller und Geschichtsschreiber in Damaskus, redigiert wird. Aleppo, das auch als großes arabisches Zentrum gilt, steht noch viel tiefer als Damaskus. Das Unwissen seiner Einwohner übersteigt jede Grenze. Ihre beiden bekanntesten Zeitungen, „Albarid-Alssuri“ und ,,'Altakaddum“ sind noch viel minderwertiger als die von Damaskus. Aber vieles, sehr vieles könnten sie von uns lernen. Unsere junge Presse im Lande, das Netz unserer Schulen, die Lehrer, Gelehrten und Führer. Die Leben so rdnuing in den Städten und den Kolonien — kurz, alles was wir mit so armen und kleinen Kräften in einigen Jahrzehnten geschaffen haben, könnten dieser nationalen Bewegung als Beispiel und Muster gelten, wenn sie sich uns gegenüber nicht so fremd stellten. (Aus „Hapoel-Hazair“.) DIE AUFGABEN DER ANGEWANDTEN ENTOMOLOGIE IN PALAESTINA Von Fritz Bode 1. Ziele und Methodik der angewandten Entomologie. Die angewandte Entomologie ist noch eine verhältnismäßig junge Wissenschaft, die im ihrer Bedeutung für die Volkswirtschaft, sehr zum Schaden dieser, leider noch lange nicht genügend gewürdigt wird. Während sie in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Italien seit langem eine bedeutende Rolle spielt und dementsprechende Erfolge erzielt hat, beginnt in den anderen Ländern Europas erst ihre Organisation, der kolonialen Gebiete gar nicht zu< gedenken, die bis auf Südafrika und Australien in dieser Hinsicht völlig unerfaßt sind. Nach Angaben von Escherich beträgt der in den Vereinigten Staaten durch tierische Schädlinge angerichtete Schaden jährlich zirka 3 Milliarden! Mark, im bisherigen Deutschland jährlich über 1 Milliarde Mark, von denen 350—400 Millionen aus der unvollkommenen Bekämpfung der Pflanzenschädlinge allein herrühren. Das Ziel der angewandten Entomologie ist die Bekämpfung von massenhaft auf tretenden schädlichen Insekten, von sogenannten Insektenkalamitäten. Wenn wir bedenken, daß der Mensch in den Kulturpflanzen gleichzeitig die Nährpflanzen gewisser Insekten züchtet und durch diese besseren Ernährungsbedingungen die Vermehrungsquote der betreffenden Tiere ungeheuer vermehrt, so erhalten wir gleichzeitig einen Einblick in die kausalen Beziehungen, die zwischen Landwirtschaft und Insektenepidemien bestehen. Im allgemeinen herrscht nämlich in der n h e i m e r, Bonn. Natur ein biologisches Gleichgewicht, so daß kein Organismus sich über ein gewisses Maß hinaus vermehren kann. An einer allzu1 großen (Vermehrung hindert ihn nämlich entweder der Mangel an Nahrung oder die Zahl der natürlichen Feinde, die bei seinem häufigeren Auftreten bessere Nahrung erhalten und sich auch deshalb entsprechend mehr vermehren. Wir verstehen jetzt auch, weshalb Insektenkalamitäten dann so besonders und nachhaltig schädlich wirken, wenn sie von eingeführten, landfremden Insekten herrühren, denen im neuen Heimatgebiet Feinde völlig fehlen. Deshalb haben die Schwammspinner- und Nonnenkalamitäten in Amerika z. B. diesen katastrophalen Umfang angenommen, während in Europa kleine Epidemien infolge der Selbstregulation der biologischen Lebensgemeinschaft, der sogenannten Biozönose, bald von selbst erlöschen. In Amerika fehlen die natürlichen Feinde, die Schlupfwespen und Raupenfliegen, diie in der Heimat dem Schwammspinner und der Nonne das Gegengewicht halten. So ging man denn dazu über, aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet dieser Schädlinge deren natürliche Feinde zu sammeln und an der Stelle der neuen An Siedlung zu züchten und auch hier heimisch zu machen. Diese Versuche sind in diesem wie in vielen anderen Fällen aufs beste geglückt. Als klassischer Fall möge hier nur der der Orangen schildlaus, Icerya purchasi, Erwähnung finden. Dieselbe war um 1868 von Australien nach Kalifornien verschleppt worden. Sie vermehrte sich daselbst allmählich sehr stark, so daß gegen Ende der achtziger Jahre