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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1503-1504

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1503-1504 (sequence 5)
Language
German
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1503 VOLK UND LAND 1504 Mächte Oes Völkerbundes bedürfen“. Nach seinen Worten, haben die Syrer der Welt ihre Begabungen in Wissenschaft, Handel, Politik und Finanzen bereits bewiesen. Wir sind kein Volk von Wilden. Wir können unser Reich selbst regieren. Die Einmischung der europäischen Völker in unsere Angelegenheiten wird zu Bürgerkriegen führen und die nationalistischen Triebe der wenigen, gegeneinander kämpfenden Elemente reizen. Deshalb dürfen wir unser Land nicht in verschiedene politische Zonen teilen, die dann zum Zankapfel unter den Bürgern werden können.“ Diese extremen Forderungen der Araberführer und ihre Bestrebungen, auch von Christen bewohnte Landstriche an sich zu reißen, mußten das Band der arabischen Bewegung, die zurzeit der türkischen Regierung Muselmanen wie Christen umfaßte, lockern. Eine tiefe Kluft trennt plötzlich diese beide Elemente. „Wenn Frankreich nicht die Vormundschaft über uns übernehmen wird“, sagen die Christen „dann werden wir gerne den Schutz Englands annehmen, nur damit die Herrschaft des Hedjas nicht aut uns ausgedehnt wird.“ Und die Muselmanen sagen, „Wenn der König Hussein seine Herrschaft nicht auf dieses Distrikt erstrecken wird, dann ziehen wir das konservative England Frankreich vor“. Es scheint, daß die Gründer der arabischen Bewegung, die dank der veränderten Verhältnisse gesehen haben, daß sich ihnen ein Stein des Anstoßes in Gestalt der Religion bei der Verwirklichung ihrer Idee in den Weg legen würde. Diese Bewegung, die dank der veränderten Verhältnisse während des Krieges aufblühte, hat ihren Sitz in Damaskus und es ist bemerkenwert, daß in ihr fast keine Christen sich mehr befinden. Die letztem wollen in keinem Falle die arabische Hedjasregierung zur Herrin haben. Andererseits sehen die Muselmanen in den Christen den einzigen Störer der Verwirklichung ihres Ideals „einer großen arabischen Herrschaft“. Es versuchten zwar die Anführer der arabischen Bewegung in Damaskus, die Christen des Libanons und Beyruths durch Versprechungen und Versicherungen, daß sie nicht orthodox und keine Eiferer sind, und daß ihre Regierung eine liberale sein würde, zu gewinnen, aber dies alles nützte ihnen nicht. In der Rede des Emir Feisal bei seinem letzten Aufenthalte in Beyruth, an die Notabein der Christen sagte er: „Ob ihr wollt oder nicht: wir sind Brüder. Ob ihr uns lieben oder hassen werdet, wir werden Euch lieben, denn Söhne einer Heimat sind wir alle, und eine Sprache vereinigt uns.“ Diese klugen. Worte hatten aber keine Wirkung, Und als der Emir die führenden Christen Beyruths zum Kongreß der Araber einlud, folgten sie seiner Einladung nicht. Der Haß w'ächst inzwischen immer mehr, und die christliche Presse scheut es auch nicht, über Emir Feisal und den König von Hedjas herzufallen, weil diese sic zwangsweise unter ihre Fittiche nehmen wollen. Diese Zeitungen stützen sich stets auf die französische Presse, die ganz offen gegen das Königreich Hedschas agitiert, das gewagt hat, auch auf Syrien Hoffnungen zu hegen, das Frankreich schon lange als sein Erbteil betrachtet. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit verbreitet die hiesige Presse Verleumdungen über den König Hussein. Die „Revue“ erzählt, daß der genannte König seinen Vertreter in Aegypten bevollmächtigt habe, für ihn ein Stück Ackerland tarn Ufer des Nils zu kaufen und verquicken diese 1 endenznachridit mit dem Gerücht, daß der König von Hedjas mit großen Hindernissen zu kämpfen hat, um auf seinem Thron zu bleiben. Ls wäre aber wrfdm zu glauben, daß unter den Führern der Araber in Damaskus vollkommene Einigkeit und Uebereinstimmung herrscht. Aue)? sie zerfallen in verschiedene Strömungen. Manche unter ihnen sind gelassen und besonnen und besitze)] ganz gesunden Verstand, um mit der Wirklichkeit und allen Möglichkeiten zu rechnen und das Maß ihrer Forderungen nicht zu übertreiben. Dagegen gibt cs viele Chauvinisten mit lebhafter Phantasie, die große Forderungen stel en. Diese wollen nicht die Unzulänglichkeit ihrer eigenen Kräfte einsehen und widerstreben absolut jeder Hilfe und Einmischung der europäischen Mächte. In ihrer Phantasie sehen sie schon das Reich Hedjas von Medina, und dein heiligen Mekka dem Reiche England und der französischen Republik gleichen, die viele Elemente verschiedenen Glaubens beherbergen können. Palästina ist selbstverständlich nach ih.rer Meinung ein Teil des arabischen Reiches, und wenn man ihnen die Frage stellt: „Was soll aus den Juden werden?“ erwidern sie, daß sich die im Lande wohnenden assimilieren und Brüder der arabischen Nation werden, die aber unterwegs sind, werden die Tore geschlossen finden und dorthin zurückkehren, woher sie gekommen sind. Auch die Maroniten des Libanens, sind, ob sie wollen oder nicht, „Brüder“. Der Emir Feisal selbst wird zu den Mäßigen gezählt. Er weiß ganz gut, daß er nur durch die Entente so hochgekommen ist, und sein Vater nur König von Englands Gnaden sein wird. In der ersten Zeit hat er nicht aufgehört, über die Notwendigkeit der Hilfe Englands zu sprechen und den Nutzen, den die Araber von der Freundschaft dieser Macht haben werden, klarzmmachen. Es ist aber bekannt, daß in der extremen Richtung der arabischen Bewegung seine Gegner sind weil er sich vor der Entente beugt und mit der Einmischung einer europäischen Großmacht in die Regierung einverstanden ist. Laut verschiedener Nachrichten soll.die Lage dort sehr ungeklärt sein, und es kam auch zu großen Streitigkeiten und Warnungen an den Emir für den Fall, daß er sich auch in Zukunft den Mächten Europas urderzuordnen gedenkt. Laut Nachrichten mancher lokalen Blätter wollten die Extremen in Damaskus schon einigemal sich an dem Redakteur des „Hermon“ vergreifen, weil sein Blatt das Organ des römischen Patriarchen, eines Gegners ihrer Bestrebungen, ist. Einigemal versuchten sie schon, das Redaktionsbüro anzuzünöen. Auch in Beyruth überfiel man einmal den Redakteur des „Alchuriat“, der zu den Libanesen gehört, und wollte ihn wegen seiner Vertretung der Libanonforderungen ermorden. Man erzählt auch, daß der muselmanische Befehlshaber in Baalbeck einen Vorwand fand, um die Häupter der christlichen Gemeinde am Tage der Ankunft der amerikanischen Kommission zu verhaften und ihnen die Möglichkeit zu entziehen, sich der Kommission vorzustelleti. Die Oberhand haben zweifellos die Extremen unter der arabischen Bewegung. Auch scheint der Emir Feisal einzusehen, daß er sich nicht gegen sie stemmen kann. Seine Persönlichkeit ist nicht getestigt genug, um seiner Umgebung seinen Willen aufzuzwingen. Von Natur ist er gutmütig, charakterschwach, und leicht zu beeinflussen. Als er zum ersten Mal nach Beiruth kam, hielt er eine Rede in der amerikanischen Hochschule und wandte sich an die Schüler mit folgenden Worten: „Ich bin kein gelehrter Mann, ich schätze nur das Lernen und die Wissenschaft. Mein Herz frohlockt, eine so große Anzahl von Schülern unserer Nation zu sehen, Euch, die Hoffnung unserer Zukunft und Erbauer unseres Landes! Sehnsüchtig warten wir

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