Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48-49 (27.11.1919)
- Date
- 1919-11-27
- Page
- Seite 1501-1502 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1501 -VOLK UND LAND 1502 den Libanon Frankreich übergeben werden soll. Aber während die Einen eine innere selbständige Regie.ung verlangen und nur mit einer Vormundschaft der französischen Republik einverstanden sind, gibt es unter den Christen in Beyruth Gruppen, welche eine absolute Annexion der Distrikte Beyruth und Libanon durch Frankreich verlangen. Die Mitglieder dieses Vereins sind die aufgeklärtesten der Stadt, die ihre erste Erziehung in den Schulen der französischen Jesuiten in Syrien erhalten haben und nachher in Paris studierten. Jetzt will diese Intelligenz ihr Syrertum abstreifen und sich in Vollblut-Franzosen verwandeln. Leizhin hat die Leitung dieser Parteien ihre Politik geändert, und schließt sie an diejenigen an, die nur um das Mandat Frankreichs bitten. Wie es scheint, machten die Führer Frankreichs sie darauf aufmerksam, daß die extreme Forderung einer Annexion, eine Unmöglichkeit ist. Als die amerikanische Kommission nach Beyruth kam, reichten ihr die Vertreter des obengenannten Vereins ein von 64 000 Einwohnern unterschriebenes Memorandum ein, in dem sie die Uebertragung des Mandats über Beyruth an Frankreich verlangten. Ihre Gründe waren folgende: Die Verbreitung der französischen Sprache bei einem großen Teil der Bevölkerung, die Landesgesetze sind zumeist nach dem „Codex Napoleon“ und daneben noch andere Gründe, die so fadenscheinig sind, daß, zöge man sie in Betracht, man auch ganz Anatolien und andere Gebiete der alten Türkei an Frankreich abgeben müßte. Die Vorsteher der muselmanischen Gemeinde verlangten selbstverständlich, daß Beyruth und Umgebung dem arabischen Hedjasstaat einverleibt werden soll. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ihre Forderungen Hand in Hand mit den Forderungen des Zentrums der arabischen Bewegung in Damaskus gehen, und zwar nach vorher empfangenen Instruktionen. . Jede Partei bemühte sich, die Juden auf ihre Seite zu ziehen. Vor der Ankunft der Kommission brachten plötzlich alle Elemente den jüdischen Führern Freundschaftsbeweise und suchten ihnen zu beweisen, daß, wenn ihre Gegner siegen sollten, eine große Gefahr fü die Beyrruther Bevölkerung einschließlich der Juden, bevorstehe. Aber die jüdische Gemeinde bemühte sich stets außerhalb jeder Partei und jedes Einflusses zu stehen, denn in Anbetracht dessen, daß die Zahl der Juden in dieser Stadt so klein ist, so zog es die Gemeinde mit Recht vor, sich keiner Gruppe anzuschließen und verhielt sich während der ganzen Zeit vollkommen neutral. Zwar sprachen die Juden vor der Kommission im Sinne der Forderung nach Uebergabe des Mandats über Beyruth an Frankreich, aber sie waren auch die einzigen, die betonten, daß sie nicht stimmen könnten, für ein klerikales Frankreich der Jesuiten, die im Laufe weniger Jahre den Samen des Antisemitismus durch das Netz ihrer Brüder-Schulen ausgestreut haben. Sie könnten nur ein freies Frankreich dulden. Sie sprachen auch viel über den Wert der jüdischen Kolonisation in Palästina und vertraten die Forderung nach Erleichterung der Einwanderung, aber ihre Reden waren viel zu allgemein und ohne Zweifel standen ihre Forderungen nicht auf der Höhe des historischen Momentes. Die Ursachen hierfür zu nennen, erübrigt sich wohl. Es sind besonders Mangel an Ueberzeugung gegenüber der Sache des Volkes und schwaches nationales Empfinden. Was die Christen über uns vor der Kommission gesprochen haben, ist im einzelnen unbekannt. Aber Tatsache ist es, daß ein Teil überhaupt die jüdischen Fragen mein berührt hat, und die es doch getan haben, äußerten sich im Sinne eines indifferenten Vertreters zu Palästina und zur jüdischen Einwanderung. Wie es scheint, hat der Konflikt, der zwischen ihnen und den Muselmanen, in der Frage der Zukunft Beyruths entstand, sie die Judenfiage vergessen lassen. Dies ist aber jedenfalls ein Beweis dafür, daß sic Palästina als ein Gebiet ansehen, das außerhalb ihrer Grenzen liegt und sie daher nicht interessiert. Die Zeitungen berichten, daß der Vorsitzende der Kommission sich an einen hohen katholischen Geistlichen mit der Anfrage wandte, wie er sich zu der Judenfrage und zu Palästina stelle? Dieser antwortete ihm, daß er nicht das geringste sagen könne, da er so fern von Palästina lebe und gar kein moralisches Recht habe, ein Urteil aus der Ferne sich zu erlauben. Nur eine der christlichen Parteien hat die Abschließung Palästinas gegen die jüdische Einwanderung verlangt. Anders die Führer dei\ Muselmanen. Diese forderten natürlich das, was die arabischen Führer in Damaskus ihnen in den Mund legten, und das absolut ablehnende Verhältnis derselben zu uns ist uns zur Genüge bekannt. Obwohl nicht alles ' zur Veröffentlichung .gekommen ist, Bruchstücke ' sind uns doch davon bekannt. Es sind ja die alten Worte, die im Munde der meisten unserer j Gegner im Lande umgehen: „Die Juden Beyruths, Damaskus und dergleichen sprechen ja unsere Sprache und sind unsere Brüder, aber die Fremdlinge, diese Moskowiter und Revolutionäre, die vertragen wir nicht und vor diesen müssen, wir die Tore Palästinas schließen. Auch die beiden Zeitschriften der Muselmanen „Al-Hakikat“ und “Al-Balag£, die sonst auch immer von Haß und Feindschaft gegen die Juden, wie alle anderen Zeitungen der Araber in Damaskus, erfüllt sind, haben in diesen Tagen besonders scharf gegen uns geschrieben, während die vier Zeitungen der Christen „Lissän el-chäl“, „Albarak“, „Al-Huriath“ und „Alnasien“ stets unsere Ehre schonen, und die letztere, als bekanntes liberales Blatt, hat es auch gewagt, Gutes über die Juden zu schreiben. Dieses Blatt hat auch Protest erhoben gegen die Forderungen eines Verbotes der Juden-Einwanderung nach Palästina. Es begründete dies aber nur von human-sozialistischem Standpunkt und nicht aus Anerkennung unserer nationalen Rechte im Lande. ' i Inzwischen haben aber die Araber Damaskus und ihre Vertreter in Paris nicht geschwiegen, Ihre nationale Begierde kennt keine Grenzen, und sie wollen in einem Tage die ganze Welt umfassen. Lutfalla, der Hauptredner unter ihnen; der viele Jahre Botschaftssekretär in London und Spanien war und der sich für einen echten Europäer und . vorzüglichen Diplomaten hält, äußerte sich einmal dem Vertreter einer größeren Zeitung in Paris gegenüber, daß die Konferenz die arabische Nationalität im weitesten Umfange dieses Begriffes ohne Einschränkung oder Kürzung anerkennen müsse. „Alle Länder, in denen Arabisch gesprochen wird, vom persischen Gojf bis, bis ..... all das gehört uns!“ So will der europäische Araber sein Land sehn: Monarchische Regierung mit demokratischer Konstitution, ohne jeden Einfluß der Religion auf die politischen und bürgerlichen Angelegenheiten der Regierung und mit gleichen Rechten für alle Bürger. Die Einmischung einer europäischen Großmacht lehnt Lutfalla entschieden ab. „Nachdem unsere Nationalität anerkannt und ausnahmslos! unserem Reich eingeordnet werden wird, werden wir die Frage prüfen, ob wir die Hilfe einer der