Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 46-47 (13.11.1919)
- Date
- 1919-11-13
- Page
- Seite 1493-1494 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649310--0925-2650290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VOLK UND LAND 1494 1493 liegt hiernach durchaus nicht vor. Nachdem die verschiedenen Gruppen der deutschen Judenbeit organisiert 1 sind, ist die Zeit vorüber, in der Privatpersonen ohne ein Mandat der Organisationen so schwerwiegende und schwierige Aufgaben, wie es die Ausvvanderungsfürsorge j ist, in die Hand nehmen können,! Die jüdische Welt - Hilfskonferenz Aus Anlaß der Anwesenheit des Präsidenten des amerikanischen Joint Distribution Committee, Felix Warburg, New York, welcher nach Paris in Anj gelegenheiten des Hilfswerkes für kurze Zeit gej kommen war, hielt nach vorangegangenen persönlichen J Besprechungen und partiellen Beratungen das Komitee der Jüdischen Delegationen arm 21. Okt. 1919 eine spezielle Sitzung ab, welche sich mit den Fragen der Rekonstruktion des zerrütteten jüdischen Wirtschaftslebens, insbesondere mit der zugunsten der vom Kriege betroffenen Juden geplanten Welthilfskonferenz beschäftigte. Außer Warburg wohnten dieser wichtigen Beratung als Gäste mehrere andere Persönlichkeiten bei, so Dr. Bogen, Rabb. T e i t e 1 b a u tm, welcher in den letzten Monaten imi Aufträge amerikanischer Hilfsgesellschaften der Qesamtbevölkerung der Türkei, Kleinasiens und Palästinas Lebensmittel gebracht hatte, Advokat G o l d s t e i n aus der Ukraine, Schweizer, der Schatzmeister der amerikanischen Zionistenföderation u. a. In Abwesenheit des für eine kurze Zeit in der Schweiz sich aufhaltenden Präsidenten des Komitees Sokolow, leitete Leo M o t z 1c i n die Sitzung. In der an die amerikanischen Gäste gerichteten Ansprache betonte der Vorsitzende die große Bedeutung des amerikanischen Judentums der gesamten Welt. Er wies u. a. auf die Rolle hin, welche das amerikanische Judentum seit Beginn des Krieges gespielt hat. Redner geht dann auf Besprechung der politischen Arbeiten des Komitees über und betont, daß ungeachtet des Erfolges in der polnischen Sache die Frage mit Bezug auf Rumänien und mehrere andere Länder noch immer nicht endgültig entschieden ist. Insbesondere akuit ist zuletzt die ganze unabsehbare Frage der Zukunft der russischen Juden geworden. Allein parallel mit diesen politischen Arbeiten ist zur Vermeidung einer außerordentlichen wirtschaftlichen Katastrophe die vom Komitee inaugurierte allgemeine jüdische Hilfskonferenz dringend, welche aus Vertretern der Hilfsorganisationen von Amerika, Europa, Asien usw. bestehen »oll, um die besten Methoden und Formen der Schaffung größtmöglicher Fonds sowie das zweckmäßigste System der Verwendung dieser Summen festzusetzen. Auf den Appell, welchen das Komitee der Jüdischen Delegationen deswegen an die Hilfsorganisationen und Komitees von 25 Ländern gerichtet hat, sind uns von einer Reihe dieser Organisationen bereits zusagende Antworten zugekommen. Nach sehr kurzer Zeit wird bereits1 ganz Osteuropa den Ruf positiv beantwortet haben. Die ernste Frage ist nunmehr, welche Haltung die amerikanisch-jüdischen Organisationen einnehmen werden. In seiner Erwiderung drückte Warburg seine Sympathien für die Ziele der projektierten Konferenz aus. Er erklärte, daß auch er zur Ueberzeugung gekommen sei, daß ein planmäßiges Zusammenarbeiten des europäischen und amerikanischen Judentums für das Hilfswerk absolut dringend sei. Die Aufgabe sei so enorm, die zur Verringerung der Leiden der jüdischen Millionenmassen erforderlichen Mittel müssen so ungeheuer sein, daß auch das amerikanische Judentum trotz seiner gewaltigen Fimanzqueilen, allein nicht imstande sein würde, dieses Werk zu vollbringein. Denn er könne es nicht leugnen, daß das amerikanische Judentum in seiner Gebefreudigkeit ermatte. Er fürchte, daß es den großen Aufgaben ohne Hilfe der europäischen Juden nicht werde nach kommen können. Außerdem glaube er, daß ein Austausch der Erfahrungen über die Methoden der Verwendung der gesammelten Fonds absolut notwendig sei, um große Resultate zu erreichen. Er habe jedoch auf Grund seiner Beobachtungen in Europa ein Bedenken, daß eine internationale Zusammenkunft von Juden «aller Länder unter den gegenwärtigen Bedingungen zu Mißverständnissen führen könnte und den Feinden des Judentums, .welche in der letzten Zeit ein außerordentliches System antisemitischer Propaganda in fast ganz Europa .entfaltet haben, einen bequemen Vorwand gewähren würde, um ihre verbrecherischen Intentionen fortzusetzen. Deswegen meine er, die jüdische Weltkonferenz ,müsse um einige Monate aufgeschoben werden, während in der Zwischenzeit eine amerikanische Kommission nach den verschiedenen europäischen Ländern geschickt werden sollte, umi auch iln Europa die besten Methoden der Herbeischaffung großer Mittel durchzuführen und die Systeme der Verwendung festzusetzen. Dessenungeachtet wolle er versichern, daß er sich den Plänen des Komitees nicht widersetze und daß er nach seiner Rückkehr nach Amerika dem Joint Distribution Committee das ganze Projekt in aller Ausführlichkeit darlegen und alle Anlässe und Motive zur Einberufung der Hilfskonferenz wledergeben werde, wie er sie inv Komitee der Jüdischen Delegationen vernommen, habe, um eine Resolution des Joint Distribution Oommittee in kürzester Zeit herbeizuführen. Nach den Ausführungen Warburgs gaben mehrere Teilnehmer der Sitzung zustimmende Erklärungen im Namen der lokalen Organisationen ab. Dr. Diamant (Czernowitz) erklärte im Namen des Nationalrates der Bukowina pnd von Transsylvanien sein Einverständnis zu der geplanten Konferenz. Dr. Ringel meinte, daß die Bedenken wegen Entfachung eines besonders gefährlichen Antisemitismus jeder Grundlage entbehrten. Wären solche Bedenken irgendwie begründet, so hätte das Komitee der Jüdischen Delegationen noch viel weniger als die geplante Welthilfskonferenz zustande kommen dürfen, da es direkte politische Aktionen habe unternehmen müssen. N a i d i t s c h (Petrograd) erklärt, seinerzeit habe man sich auch in Rußland gegen die Bildung einer speziellen jüdischen Hilfsorganisation gewehrt. Man habe damals den Einwand erhoben, daß die jüdische Sonderorganisation zur Stärkung des Antisemitismus Anlaß geben würde. Das russische Judentum habe im Bewußtsein dessen, was auf ‘dem Spiele stehe, auf solche Einwände indes keine Rücksicht genommen. Die spätere Zeit habe dann gezeigt, wie dringend die jüdische Flilfsorganisation in Rußland gewesen sei. Denn dank der frühzeitigen straffen Organisation, sei es neben dem! amerikanischen Judentum dem russischen Judentum gelungen, trotz der Kriegskatastrophen aus ihrem eigenen Milieu viele Millionen aufzubringen. Kaplan (Kiew) erklärt, daß das nationale jüdische Sekretariat der Ukraine im Einklang mit den Beschlüssen der ukrainisch-jüdischen engeren Versammlung bereits im vorigen Winter die Dringlichkeit der Abhaltung einer allgemeinen jüdischen Hilfskonferenz eingesehen habe und dafür eingetreten sei. Infolge der ungeheueren Katastrophen, welche das Judentum, der Ukraine erst in den letzten Monaten erlitten habe, sei die Welthilfskonferenz noch dringender geworden. Er wolle übrigens diese Gelegenheit benutzen, um dem Jcünt Distribution Committee in der Person seines Vorsitzenden W arburg nochmals nahezulegen, daß sobald als möglich eine Kommission des Joint Distribution Gommittee, mit ausreichenden Vollmachten und großen finanziellen Mitteln ausgestattet, nach der Ukraine sich begeben solle. Dies sei ein alter Beschluß noch aus der Zeit der Anwesenheit von M a r s h a 11. Leider sei indes dieser Beschluß noch nicht zur Durchführung gelangt. Darauf resümierte der Vorsitzende den Inhalt der Beratungen: Das Bedürfnis nach einer allgemeinen Zusammenkunft von jüdischen Vertretern aller Länder in