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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1495-1496

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1495-1496 (sequence 33)
Language
German
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1495 Fragen des Hilfswerkes sei so gewaltig, daß es unmöglich wäre, die Erfüllung dieses Bedürfnisses für längere Zeit aufzuschieben. Gegen die Idee einer Entsendung einer amerikanischen Kommission für dieselben Zwecke in die Länder selbst, lasse sich prinzipiell nichts sagen. Es müssen eben alle Mittel zur Anwendung gelangen. Wir wollen jedoch darüber klar sein, daß eine solche Kommission nur vorbereitende, nicht entscheidende Arbeit leisten kann und darf. An dem: von uns zu Anfang angegebenen Zeitpunkt für die Hilfskonferenz (November oder Dezember) halten wir nicht fest. Wir wollen den amerikanischen Vertretern möglichst weit eritgegenkommen, indem wir die Einberufungszeit für den Januar verschieben. Dies ist aber der letzte vernünftige Termin. Sonst liefen wir Gefahr^ daß wir einen Teil unserer Leistungsmöglichkeiten versäumen würden. Die Zustimmungen, welche das Komitee der Jüdischen Delegationen nacheinander von den verschiedensten Seiten erhalten hat, beweisen nochmals, daß die geplante Hilfskonferenz nicht ein künstliches Unternehmen, sondern eine Lebensnotwendigkeit sei. Die allgemeine jüdische Welthilfskonferenz wird daher auf jeden Fall abgehalten werden. W a r b u r g erklärt darauf, daß er in Amerika in freundschaftlicher Weise über die interessanten und instruktiven Beratungen, welche er mit dem KomiTee der Jüdischen Delegationen und dessen einzelnen Mitgliedern gehabt habe, berichten werde. Er glaube mit Bestimmtheit, daß wir zu einer Verständigung gelangen werden. Er habe hier nur Bedenken äußern, aber keineswegs als Gegner der Pläne des Komitees auftreten wollen. Er danke demi ‘ Komitee für die Gelegenheit, die sich ihm geboten hätte. Der Vorsitzende teilte während den Beratungen auch mit, daß unmittelbar vor Beginn der Versammlung ein Telegramm von M a r s h a 11 eingelaufen sei, in welchem' dieser das Komitee der Jüdischen Delegationen dringlichst auffordert, mit Warburg das ganze Gebiet der Hilfsiragen durchzugehen. Ostjüdische Konferenz Der „Verband der Ostjuden in Deutschland“ hat den Beschluß gefaßt, zu Weihnachten eine ostjüdische Konferenz nach Berlin einzuberufen. Die Konferenz soll aus gewählten Delegierten von dem Verband angeschlossenen, oder sich noch anschließenden ostjüdischen Ortsgruppen und Vereinen aus ganz Deutschland zusammengesetzt sein. Auf je 50 Mitglieder, für die Landesbeiträge von je 5 M. an die Zentrale des Verbandes abgeführt werden, kommt ein Delegierter, für. je weitere 50 Mitglieder mit entrichtetem Landesbeitrag von 5 M. ein weiterer Delegierter. Die Tagesordnung der Konferenz wird noch bekannt gegeben werden. Auf der Konferenz sollen alle aktuellen Fragen, die sich aus der gegenwärtigen Lage der Ostjuden ergeben, im Anschluß an Spezial-Referate eingehend beraten werden. Dazu gehört vor allem' die Fürsorge für die ostjüdischen Flüchtlinge, die soziale und rechtliche Lage der Ostjuden in Deutschland, die Stellung der Ostjuden in den jüdischen Gemeinden und anderen Organisationen, die kulturellen Aufgaben der Ostjudenheit, der organisatorische Zusammenschluß der ostjüdischen Kreise in Deutschland und die Organisation des ostjüdischen Verbandes. Die ostjüdische Konferenz ist berufen, eine einheitliche Grundlage für die Zusammenfassung der Kräfte, und unser gesamtes soziales und kulturelles Werk zu schaffen. Bei der großen Wichtigkeit dieser Aufgabe ist es dringend erforderlich, daß alle tätigen ostjüdischen Kreise in Deutschland mit größtem Eifer ungesäumt die nötigen Organisations- und Propagandaarbeiten für die Konferenz in Angriff nehmen und energisch durchführen. Wir ersuchen dringend, alle in 14Q6 Deutschland bestehenden Vereinigungen, die siel» uni serem Verbände noch nicht angeschlossen haben, diesen Anschluß zu vollziehen und die erforderliche Mitgliederanzahl zu organisieren, um die Konferenz durch Dele- I gierte beschicken zu können. An den Plätzen, wo keine Ortsgruppen bestehen, müssen solche nach Möglichkeit gebildet werden. Ortsgruppen mit weniger als 50 Mitgliedern können sich mit benachbarten Ortsgruppen hinsichtlich der Delegiertenwahlen verständigen. Die ostjüdische Konferenz muß, um ihren Aufgaben gerecht zu werden, die autoritative Vertretung der gesamten Ostjudenheit in Deutschland bilden. Die Wahrnehmung und Verteidigung der ostjüdischen Interessen erfordert die einheitliche Zusammenfassung aller unserer Kräfte. Wir bitten, uns von dem Gang der Arbeiten für die Konferenz fortlaufen zu unterrichten, die auf der Konferenz zu behandelnden Fragen in den Vereinen und Ortsgruppen eingehend zu diskutieren, und uns eventuell Anträge und Vorschläge baldigst bekanntzugeben. Der Verband der Ostjuden in Deutschland. Berlin, Gormannstr. 29. Die Fremdenfrage in England Der Londoner Korrespondent der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ berichtet: Nach längerer Pause hat der Board of Deputies seine Arbeiten wieder begonnen. Bekanntlich wirbelt jetzt in England die Frage der Aliens bill großen Stauib auf und auch in der ersten Sitzung des Board of Deputies kann es wegen dieser Frage zu aufgeregten Debatten. Das Parlamentär)- and law oommittee legte einen Bericht vor über die von ihm zugunsten der Fremden unternommenen Schritte, der einen Großteil der Versammlung nicht befriedigte. Man warf dem Komitee vor, daß es sich nicht genügend warm und energisch der östlichen Juden angenommen habe. Als Baron Anthony de Rothschild, der Vizepräsident des Board, in seiner Rede ausführte, daß ihm die Verfolgungen der Fremden zwar mißfallen, und er sich ihrer als Engländer schäme, jedoch fraglich sei, ob der Board als solcher sich der Fremden annehmen müsse, da er doch ein Board of Deputies of british Jews sei, also nur wie Briten vorzugehen habe, entstand großer Tumult. Der Antrag, eine besondere Deputation zu den einzelnen | Abgeordneten zu entsenden, blieb mit 21 gegen 36 Stimmen in der Minorität, dagegen wurde beschlossen, daß das Pariamentary and law committee sich neuerlich mit den einzelnen Deputierten in Verbindung setzen . möge, damit diese im Parlament Amendements einbringen, um Erleichterungen in dieser die Juden so tief berührenden Frage zu erwirken. Bei der Parlaments-Debatte kam es zu diversen antisemitischen Reden einzelner Abgeordneten. Besonders warm nahmen sich der Juden die Abgeordneten Kiley, Abg. von Whitechapel und Ormsby Gore an. Baron Lionel de Rothschild verlangte, gemäß dem vom Board of Deputies angenommenen Amendement, daß Ausländer, denen die Einreise von den Immigrations-Beamten nicht gestattet wird, das Recht haben sollen, an ein Immigrations-Tribunal zu appellieren, wie auch, daß ohne Gerichtsprozeß, wo die Fremden sich verteidigen können, keiner ausgewiesen werden dürfe. Der Minister des Innern erklärte, diaß er zwar dem: beistimme, daß eine Appellation vor der Ausweisung aus dem Lande möglich sein solle, es sei jedoch sehr schwer, ein solches Tribunal, das große Kosten verursachen würde, zu schaffen. Falls man ihm einen gangbaren Weg zeigen werde, wie ein solches Tribunal geschaffen werden könne, so werde er diesen Vorschlag in das Gesetz-Projekt, sobald es anderswo (d. h. im Oberhause) verhandelt werden wird, einfügen. Das Amendement Lionel de Rothschilds wurde abgelehnt. VOLK und LAND

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