Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 46-47 (13.11.1919)
- Date
- 1919-11-13
- Page
- Seite 1491-1492 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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1491 VOLK UND LAND 1492 Rabbiner Kuk handeln wird. Im einer Rabbiner-Versammlung, die am 12. Oktober stattfand, hat Rabbiner Kuk vorgeschlagen, eine besondere, nach orthodoxen Prinzipien gebildete Delcgierten-Koaferenz einzuberufen, welche, um den Frieden der Juden Palästinas nicht zu stören, die in wirtschaftlichen und sozialen Fragen zusammen mit den Radikalen arbeiten soll. Nach lebhafter Diskussion ist eine aus 25 Personen gebildete Kommission gewählt worden, die sich mit dieser Frage beschäftigen wird. Auch hat die Versammlung beschlossen, dem provisorischen Exekutiv-Komitee mitzuteilen, daß die orthodoxen Juden Palästinas keinen Anteil an der Delegierten-Konferenz nehmen werden, wenn es seine Taktik betr. des Frauen-Stimmrechts nicht ändern werde. Nach einer weiteren Meldung des Korrespondenten der „J. P. Z.“ wurde nach stürmischen Diskussionen und nach Reden von W e i z m a n n und Ussischkin vom Waad-Hazmani beschlossen, die Einberufung der Delegierten-Konferenz zu verschieben. Die Verfassung der Jerusalemer jüdischen Gemeinde Die von den Behörden genehmigten Statuten der Jerusalemer Gemeinde enthalten u. a. folgende Bestimmungen: 1. Anerkennung der Gemeinde als eine juristische Persönlichkeit mit dem Rechte der freien Ausübung der jüdischen Religionssatzungen. Das Recht der Gründung und Verwaltung von religiösen, philanthropischen, sozialen und erzieherischen Institutionen. Die jüdische Gemeinde wird durch die Gemeindeleitung, und zwar entweder durch den Oberrabbiner oder den Präsidenten des Gemeindekomitees im Gemeinderat vertreten. 2. Anerkennung der Zeugnisse der jüdischen Gemeindeschulen gleich denen der Staatsschulen. 3. Juden, welche die Sabbatruihe wahren, werden nicht zur Einhaltung des Sonntags oder anderer nicht-jüdischer religiöser Feiertage gezwungen werden. Sie werden nicht gezwungen werden, irgendeine Beschäftigung auszuüben, die ihren religiösen Ueberzeugungen widerspricht. 4. Die Aufrechterhaltung und Anerkennung des Rechtes der rabbinischen Autoritäten als Richter in allen Fragen bezüglich Heirat, Ehescheidung usw. und religiöser Natur aufzutreten. 5. Das Recht der Gemeinde Steuern und Taxen in der bisher gewohnten Weise einzuheben., 6. Das Recht Spaniolisch und Hebräisch in der Buchführung und der Korrespondenz zu gebrauchen. 7. Die Befreiung von Gemeindeschulen, religiösen und philanthropischen Einrichtungen von Steuern. Zollfreiheit für alle Gegenstände, die im Gottesdienste verwendet werden. 8. Staats- und Gemeinde-Subventionen für die erzieherischen, philanthropischen und religiösen Einrichtungen der Gemeinde. Ansiedlung von Legionären Zur Ansiedlung von 100 demobilisierten Legionären hat der New Yorker Achusah-Zion-Gommonwealth ein größeres Arsenal in der Emek-Jizrael gepachtet, darunter auch 1000 Dunam Boden des J. N.-F. in Merchawjah, wo in kürzester Zeit zementierte Baulichkeiten errichtet werden sollen. Vom Straßenbau in Palästina Etwa 700 Mann, meist Fellachen, sind für die Ausbesserung der Wege in der Nähe von Jerusalem engagiert worden. Da die betreffenden Stellen ziemlich weit von der Stadt entfernt liegen, ist es für die jüdischen ungelernten Arbeiter schwierig, sich an diesen Arbeiten zu beteiligen. Die Verwaltung hat auch Geld für die Ausbesserung der Straßen in Jerusalem selbst bewilligt, hierzu ist aber viel Wasser erforderlich, das zurzeit ziemlich knapp ist. Der Stadtrat hat demgemäß beschlossen, mit den Reparaturen in der Stadt bis zur Zeit der Regenfälie /u warten, um daun die Arbeiten in der Stadt, sowie die Ausbesserung des Weges nach Jaffa sofort in Angriff zu nehmen. Deutsche Zweigstelle der Palästina- Reise- und Transport - Gesellschaft Die seit einiger Zeit in Wien bestehende Jüdischpalästinensische Reise- und Transportgesellschaft m. b. H. hat jetzt in Berlin unter der Leitung des Herrn Paul P. Lindenberg, Berlin SW. öl, Blücherstr. 23, eine Zweigstelle für Deutschland eingerichtet, die Hand in Hand mit dem Berliner Palästina-Amt arbeitet und alle transporttechnischen Fragen der Uebersiedlung erledigt. Alle diesbezüglichen Anfragen sind an obige Adresse zu richten. London — Jerusalem - Expreß Demnächst soll ein Expreßdienst London-Jerusalem mit direkten Wagen über Konstantinopel von einer internationalen Gesellschaft eingerichtet werden. Poststückverkehr zwischen der Schweiz und Palästina Nach Palästina und Syrien sind Poststücke aus der Schweiz bis 5 kg ohne Wertangabe noch Nachnahme über Italien oder Frankreich und 'Aegypten wieder zulässig. Pakete nach Orten des östlichen Teils kosten 4 Frcs., solche nach allen übrigen Orten 3,50 Frcs. Für alle diese Sendungen besteht keine Haftpflicht. SOZIALES Warnung vor Unberufenen Das „Berliner Tageblatt“ vom 5. November d. J. bringt eine Notiz über die Gründung einer „Jüdischen Emigrations-Organisation“ in Deutschland. Mit der ostjüdischen Frage befassen sich in Deutschland seit einer Reihe von Jahren eine große Anzahl jüdischer Organisationen. Gerade in den letzten Monaten haben sich dieselben, nachdem bereits während des Krieges für die ostjüdischen Arbeiter das „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisation Deutschlands“ gegründet worden war, zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. An dieser sind beteiligt: der Centralverein deutschet Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Großloge für Deutschland, der Hilfsverein der deutschen Juden, der Zentralverein für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, die Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, die Jüdische Gemeinde in Berlin, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, das Jüdische Arbeitsamt, das Komitee für den Osten, das Arbeiterfürsorgeamt und die ihm angeschlossenen Organisationen der ostjüdischen Arbeiter und des Verbandes der Ostjuden. Diese Organisationen stehen auch bereits seit längerer Zeit mit der deutschen Regierung im Interesse der Ostjuden in Verhandlungen und müssen Wert darauf legen, daß die Möglichkeit einer befriedigenden Regelung nicht durch das Eingreifen von Unlegitimierten gestört wird. Die Arbeitsgemeinschaft dieser Organisationen beschäftigt sich mit der Fürsorge für die in Deutschland befindlichen Ostjuden. Inwieweit später, wie in der Zeit vor dem Kriege, eine jüdische Durchwanderung von Osteuropa durch Deutschland in größerem Stile stattfinden wird, ist heute nicht zu übersehen. Wenn die Möglichkeiten für sie vorhanden sein wrerden, so werden diese Organisationen, die zum Teil eine vieljährige Praxis auf dem sehr schwierigen Gebiet der Massenauswanderung haben, diese Aufgabe durchführen. Ein Grund, eine neue jüdische Emigration »Organisation zu gründen,