Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 46-47 (13.11.1919)
- Date
- 1919-11-13
- Page
- Seite 1485-1486 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649310--0921-2650286- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1485 VOLK UND LAND 1486 und durch gute Ernten. Aber seiten kaufen sie eigenen Kamp, so lange noch Urkamp zu annehmbaren Bedingungen ausgeliehen wird. So ziemlich alle wohlhabenden Bauern sind verheiratet; die Hausfrau kann durch ihr häusliches Wirken dazu beitragen, das Kampleben erträglich, ja gemütlich zu machen. Aber es gibt nur einige wohlhabende Bauern und wenige Hausfrauen, und diese wollen oder können sich nicht um das Wohl und Wehe ihrer Landsleute und Angestellten bekümmern. Wohl jeder größere Bauer besitzt ein Automobil, das die Entfernungen spielend besiegt und Verkehr mit Nachbarn und Besuche in den Städten ohne Zeitverlust ermöglicht. Der Peon mit seinem Gaul kommt nicht sonderlich weit, es sei denn, er nimmt sich Urlaub auf ein paar Tage, aber trotz der Gastfreundschaft, die überall herrscht, wird er wenig Anschluß finden. Die Jugend, die es heute in Argentinien gibt, entbehrt einer gesitteten Erziehung und urteilbildender Kenntnisse, dennoch ist sie urwüchsig und selbstbewußt beim Umgang mit Menschen aus fast allen Ländern der Welt. PALAESTINA Beschlösse der Poale - Zion Die Konferenz der Poale-Zion in Stockholm nahm folgende Resolution an: Resolution über die Wahlrechtsfrage in P al ä s t i na. Die Beratung nimmt mit Befriedigung die Erklärung der Palästina-Delegation zur Kenntnis, daß sie den Sprachenzensus für das passive Wahlrecht zu der jüdischen Gründungsversammlung in Palästina verwirft und durch die Partei „Achduth Haawodah“ für die Beseitigung dieser Begrenzung eingetreten wird. Resolution zur Palästina-Arbeit. Die Beratung ist der Ansicht, daß die Schaffung einer jüdisch nationalen Heimstätte in Palästina, die die breiten arbeitenden und arbeitsuchenden jüdischen Massen aufnehmen soll, durch die privatkapitalistische Kolonisation gefährdet wird, die nur auf ihren Eigennutz und ihre Profite bedacht und geeignet ist, Palästina jeder Bedeutung für das jüdische Volk zu berauben; daß die Lebensbedürfnisse der breiten jüdischen Volksmassen ein weittragendes soziales Siedlungssystem erfordern, das auf Nationalisierung des Bodens, genossenschaftlicher Arbeitskolonisation in Dorf und Stadt, Volkskontrolle zur Produktion, Nationaleigentum an den gemeinnützigen Einrichtungen, genossenschaftlicher Organisation des Konsums und systematischer sozialer Gesetzgebung auf dem Gebiete der Immigration, Kolonisation, Arbeit, des Wohnungswesens, der Volksgesundheit, Versicherung, Erziehung und Volksbildung beruhen muß. Die soziale Kolonisationstätigkeit in Palästina schafft Möglichkeiten für eine breite Volkseinwanderung, gibt den sozialen Schaffungskräften in der jüdischen Arbeiterschaft Ausdruck und' in der gegenwärtigen Periode der sozialen Revolution, zurzeit des Entscheidungskampfes des Proletariats gegen die kapitalistische Ordnung, bahnt sie den Weg zum sozialistischen Palästina. Die umfassende systematische soziale Kolonisationstätigkeit kann nur gesichert werden, wenn die jüdische Arbeiterklasse ihre organisierten Kräfte auf den Aufbau Palästinas richten, ihre Interessen und Bestrebungen im dem langen Prozeß der Auswanderung und Kolonisation systematisch beschützen und gestützt auf die Solidarität des internationalen Proletariats unaufhörlich den Kampf führen wird gegen die kapitalistischen Tendenzen und für ein sozialistisches Palästina. Die Beratung erklärt: In der gegenwärtigen schicksalsschweren Stunde, als die politischen und nationalen Kämpfe das Leben der bedeutendsten Teile des jüi disclien Volkes gefährden, als die sozialen Umwälzungen i und Grundlagen der jüdischen Existenz erschüttern und I den baldigen Uebergang großer jüdischer Volksmassen i zu produktiver Wirtschaft fordern, als in ganz Ost-! europa das jüdische Volk zu baldiger Massenauswanderung getrieben wird und als Palästina das Land jüdischer Einwanderung und Wiedergeburt werden kann. In dieser verantwortungsvollen Stunde ist es das Gebot der Poale-Zion in der ganzen Welt, die Arbeit für Palästina auf die Tagesordnung der jüdischen Arbeiter schaft zu stellen, das Palästinabewußtsein in ihr zu erwecken und zu vertiefen und sie zu energischer, aufopferungsvoller, planmäßiger und zielbewußter Tätigkeit aufzufordern, für die Schaffung einer jüdischen Gesellschaft in Palästina auf sozialistischer Grundlage. Die Beratung verpflichtet alle Landesparteien, den Kampf für die Palästina-Arbeit in allen Organen der jüdischen nationalen Autonomie (Gemeinden, Gemeinde- Verbänden und Nationalversammlungen), in den jüdischen Kongressen, io der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Bewegung und in den Arbeiterorden zu führen und die Losung der sozialen Kolonisation in Palästina bei allen Wahlen zu vertreten. ln den Gemeindein haben die Poale-Zion zu fordern . a) die Einsetzung von besonderen Palästinakommissioneu zur Aufklärung über Palästina-Angelegenheiten, zur Förderung der Planmäßigkeit in der Palästina-Einwanderung und zur Organisation der Arbeit der Gemeinden für Palästina im allgemeinen; b) einen regelmäßigen obligatorischen Beitrag für die demokratischen Siedlungsfonds in Palästina, die die Aufgabe haben, die Sozialisierung des jüdischen Lebens in Palästina zu fördern. In der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Bewegung sowie in den Arbeiterorden haben die Poale- Zion entsprechend den Bedingungen des betreffenden Landes in folgender Richtung tätig zu sein; a) für die Einführung einer regelmäßigen Steuer zugunsten des Palästina-Arbeiterfonds; b) für die Beteiligung an den genossenschaftlichen Unternehmungen der Arbeiterschaft Palästinas (wie die genossenschaftliche Bank, Konsumgenossenschaft „Hamaschbir“; c) und für die Einsetzung von besonderen Kommissionen für Palästina- Arbeit. Die Beratung ist der Ansicht, daß die Ermöglichung einer breiten Massenauswanderung nach Palästina, die Erschließung von neuen Bahnen für eine sozialkooperative Massenkolonisation und die Schaffung neuer Formen produktiver Arbeit und gesellschaftlichen Zusammenlebens eine wohlorganisierte, im sozialistischen Geiste erzogene Pionierbewegung erfordert, die sich verbreiten muß, um mit der organisierten palästinensischen Arbeiterschaft zusammenzuwirken, sich an den ländlichen und industriellen Genossenschaften zu beteiligen und die Kräfte der Arbeiterschaft Palästinas zu verstärken und zu vertiefen. Die Organisationsformen und Arbeitsmethoden der Pionierbewegung werden angesichts der Verschiedenheit der Bedingungen in jedem Lande von den Landesparteien im Einvernehmen mit dem Verbandsbüro bestimmt. ZurOrganisationderPalästina-Arbeit. 1. Um die Tätigkeit der Landesparteien für Palästina zu systematisieren, zu vermehren und zu leiten^, beauftragt die Beratung das Verbandsbüro, ein besonderes Ressort für Palästina-Angelegenheiten innerhalb des Büros und unter der Leitung eines seiner Mitglieder einzurichten. Die Aufgaben des Palästinaressorts sind: a) im Verbandsbüro über alle Angelegenheiten der Palästina-Arbeit zu berichten, die die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft im allgemeinen und die Tätigkeit des Weltverbandes im besonderen berühren; b) die regelmäßige Verbindung zwischen dem Verbandssekretariat und dem. Arbeitersekretariat in Palästina auf-