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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1475-1476

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1475-1476 (sequence 23)
Language
German
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VOLK UND LAND 1475 1476 Prinzip der jüdischen Arbeit in der zionistischen Organisation, ist uns nur eine moralische Befriedigung gegeben. Denn all das steht ja nur auf dem Papier, doch in der Praxis ist uns keine Bürgschaft gegeben, dab diese Bedingung erfüllt wird. Denn der ganze ökonomische Bau dieses Systems, das darauf gerichtet ist, dem Kaufmann, der in Amerika oder wer weiß sonst wo sitzt, seinen „Weinstock“ und „Feigenbaum“ in Palästina zu erhalten, ist, a priori, ein Attentat auf den Gedanken der jüdischen Arbeit. Hier hilft keine Kontrolle. Auch das kleinste Vermögen duldet keine Aufsicht, es findet seinen Weg durch die Drahtverhaue der strengsten Staatsgesetze. Immer werden sich ökonomische Bedingungen finden, aus denen sich eine Ungültigkeit dieser Bestimmungen, diedie meisten Bauern nicht einhalten wollen, ergibt. Jede Kolonisationsmethode aber, bei der die ökonomische Acnderung nur eine äußerliche und keine innere und grundlegende ist, jede Methode, die nur das Manufakturgeschäft im Auslande durch ein Mandeln- und Rosinengeschäft in Palästina ersetzt, kann uttserer Meinung nach in einer zionistischen Agitation nicht als Ideal hingestellt werden. AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA ARBEIT — | POLITISCHES Aufruf des engeren Actions - Comitees anläßlich des Deklarationstages An das jüdische Volk! Am 2. November dieses Jahres fährt sich zum zweiten Mal der Tag, an dem Großbritannien durch die Deklaration Balfours das Recht des jüdischen Volkes auf die Errichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina anerkannt und seine Mitarbeit am Aufbau einer solchen Heimstätte versprochen hat. Als der große Krieg zu Ende ging, hofften wir alle, daß der Augenblick bereits gekommen sei, da wir unsere Arbeit ernstlich aufnehmen könnten. Dieser Augenblick ist aber auch jetzt noch nicht gekommen. Das jüdische Volk teilt das Los der ganzen Menschheit, die nach den schrecklichen Jahren des Krieges noch immer auf den wirklichen Frieden wartet. Noch schwereres Leid als den übrigen Völkern hat uns dieser Zeitraum zwischen Versprechen und Erfüllung gebracht, und noch größer als für die übrige Menschheit waren die Anforderungen an unsere Geduld und Ausdauer, angesichts der furchtbaren blutigen Opfer, die während dieser ganzen zwei Jahre von Tag zui Tag von unserem Volke gefordert wurden. Aber Not und Verfolgung haben nicht vermocht, den Willen unseres Volkes zu schwächen, der fest und unerschütterlich bleibt, gleich der Geltendmachung unserer Forderungen seit dem Tage, da sie vor zwei Jahren formell und öffentlich anerkannt wurden. Seitdem sind diese Forderungen durch die Erklärungen anderer großen Mächte und Regierungen bestätigt worden, und die britische Regierung selbst hat durch wiederholte Schritte gezeigt, daß sie unverbrüchlich an der Erklärung festhält. Und jetzt glauben wir uns der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß es nur noch wenige Monate dauern wird, bis diese feierlichen Versprechen in der Gestalt konkreter internationaler Vereinbarungen verwirklicht sein werden. Dieser große Augenblick wird die Organisation nicht unvorbereitet finden. In vollem Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit legen die Leiter unserer Organisation jetzt die letzten Grundsteine für die Aufstellung des großen Planes, der als Basis für die Errichtung eines jüdischen Palästinas dienen soll. Es war immer der Stolz der zionistischen Bewegung, das jüdische Volk zu dem Bewußtsein erzogen zu haben, daß sein Schicksal in erster Linie von seiner eigenen Willenskraft abhängt. Und selbst am heutigen Tage, da wir uns dankbar der mächtigen Hilfe erinnern, die Großbritannien uns versprochen hat, möchten wir uns von neuem ins Gedächtnis rufen, daß fremde Hilfe uns nur die Möglichkeiten verschaffen, uns nur das Fach werk geben 'kann, daß es aber bei uns selbst steht, die Arbeit wirklich a.u szu führen, und daß der Erfolg vor allem von unserer Opferbereitschaft, un serer Geduld, unserer Disziplin und unserer Schaffensfähigkeit abhängt. Wir rufen das jüdische Volk auf, es mit allen in seiner Macht stehenden Mitteln sicherzustellen, daß die Zeit, in der unsere Forderungen, die die Welt jetzt anerkannt hat, in die Praxis umgesetzt werden müssen, uns entschlossen und vorbereitet finden soll. Die Führer der Zionistischen Organisation werden mit der gewissenhaftesten Sorgfalt und im Geist brüderlicher Zusammenarbeit mit allen Teilen des jüdischen Volkes die Aufgabe weiter verfolgen, das Versprechen vom 2. November 1917 in eine glorreiche Wirklichkeit umzusetzen. Das Exekutiv-Komitee der Zionistischen Organisation. O. Warburg. N. Sokolow. Gh. Weizmann. S. Levin. W. Jacobson. A. Hantke. Die englisch-arabischen Abmachungen Der Pariser „Temps“ veröffentlicht folgende Mitteilungen über die geheimen Vereinbarungen zwischen der britischen Regierung und den Arabern. Während des Krieges fanden ausführliche Besprechungen zwischen den britischen Behörden und dem König von Hedschas, damals Scherif von Mekka, statt, welche die territorialen. Friedensziele im Orient betrafen. Die Ergebnisse dieser Besprechung sind in acht Briefen enthalten, welche in den Monaten Juli 1915 bis Januar 1916 ausgetauscht wurden. Im ersten Schreiben bietet der Scherif von Mekka der britischen Regierung seine militärische Unterstützung als Gegenleistung für die Unabhängigkeit der Araber in jenem Gebiete an, welches im Norden vom 37. Breitegrad (unter Einschluß von Mersina und Aidan) bis zur persischen Grenze, im Osten von der persischen Grenze bis zum Golf von Bassora, im Süden vom Indischen Ozean (unter Ausschluß von Aden) und im Westen vom Roten und Mittelländischen Meer bis Mersina begrenzt werden soll. In dem zweiten vom 30. August datierten Schreiben antwortet Sir Henry M’Mahon, der britische Geschäftsträger in Aegypten, ausweichend und bezeichnet die Diskussion der Grenzfrage als verfrüht. In einem weiteren am 18. Oktober von Sir Henry M’ Mahon ain das Auswärtige Amt geleiteten Schreiben beharrt der Scherif darauf, daß die Grenzfrage unverzüglich behandelt werden solle, ln seiner Einbegleitumg berichtet Sir Henry über eine in Aegypten zwischen ihm selbst und einem Vertreter des Scherif stattgefundene Besprechung, in welcher der letztere erklärte, daß die Araber sich einer französischen Besetzung rein arabischer Städte, wie Damaskus, Hamah, Horns und Aleppo, mit den Waffen widersetzen, dagegen Modifikationen der vom Scherif vorgeschlagenen Nord westgrenzen annehmen würden.

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