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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1473-1474

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1473-1474 (sequence 22)
Language
German
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1473 VOLK UND LAND 1474 uiMiiiiiiiiiiiiMMMMMiiiiiiiMiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiHiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiimimimiimmimmmiMimiiiiimiiiimiimimimimmmiiiimmiimi I STIMMUNGEN UND MEINUNGEN Zur Lage Nachfolgende Ausführungen entstammen den Kreisen des palästinensischen Hapoel-Hazair. Wir entnehmen sie der Zeitschrift „Die Arbeit“. Im letzten Rundschreiben des Aktionskomitees der zionistischen Organisation an alle zionistischen Föderationen, das wir im vorigen Hefte veröffentlicht hatten, wurde wiederum die Mahnung zur Geduld und zur Beruhigung der Gemüter in der jüdischen Welt erhoben, die von Ungeduld und fiebernder Erwartung erfüllt ist. Der Ton, in dem die Worte gesagt sind, ist sehr eindringlich und ernst, die Beweisgründe äußerst logisch und klar. Liegt aber in diesen Worten ein Trost für die leidenden Massen des jüdischen Volkes, die von der Schwelle des Verderbens ihre Augen zum letzten Rettungsanker erheben — nach Palästina? Können sie und können wir einen Trost finden, wenn dieselbe barmherzige Hand, die einerseits die letzten Qualen des „Galuth“ erleichtern will, auf der anderen Seite mit Strenge vorgeht und uns zu Untätigkeit, zum Schließen der Grenzen, zum Aufhalten der Einwanderung verurteilt? Geduld, Geduld doch wo ist Geduld? Da, wo das Wasser an die Kehle kommt, ist die Mahnung zur Geduld ein bitterer Hohn, wo alles der Zerrüttung, dem Ruin entgegengeht, ist das Versprechen auf „nahe Erlösung“, wo man keinen Anfang, auch keine Spur von einer Tat merkt, nicht mehr, als ein angehämgtes Glau: hensbekenntnisses, das .noch am Schlüsse eines jeden Gebetes mechanisch abgelegt wird. Kann man sich denn mit dem alten Liede trösten, das uns schon seit zwei Jahren immer wieder ertönt: „Verbirg dich noch ein Weilchen, bis der Zorn sich gelegt hat!“? Können wir uns trösten, wo Zions Pfade einsam trauern, wo in Konstantinopel Hunderte von Einwanderern vor Hunger verkommen, ohne daß ihnen die Möglichkeit gegeben ist, ihr Ziel zu erreichen, wo in Holland, Oesterreich, Italien und anderen Ländern Hunderte von jungen Chaluzim ratlos stehen, weil die Tore Palästinas vor ihnen verschlossen sind? Und wir hier, im Lande, sollten wir uns von der Stickluft, im dem Drucke von innen und außen, in der uns umgebenden Oede, bei dem Mangel an Arbeit uind Schaffen, wo die kleine Schar der Arbeiter zur Untätigkeit verurteilt und dem Hunger ausgeliefert ist — sollten wir uns angesichts dieser Lage trösten? Wir wüssen nicht, wer uns das Gebot der Geduld auferlegt, nicht, wer uns bei unserer palästinensischen Arbeit dies Schweigen gebietet, ob es durch die äußere Lage gegeben ist, die man nicht ändern kann, oder durch ein wohldurchdachtes Arbeitssystem. Für uns ist jedenfalls die ganze Lage durchaus kein bloßer „Nervenkitzel“. Erregung und Ungeduld quellen hier nicht aus einem Drange nach Neuem, nach einer Lösung, aus dem Wunsche, den letzten Akt eines interessanten Schauspiels kennen zu lernen. Es handelt sich hier urm unsere tiefste und brennendste Lebensfrage, die die Kompetenzen einer „Staatsweisheit“ außerhalb von uns nicht berührt. Die zionistische Organisation, und wfr mit ihr, „glauben fest daran, daß die erwartete Zustimmung eintreffen wird“, w'ir glauben, daß die Lenker der Weltgeschicke nicht dies grausame Spiel treiben wollen, den heiligsten Gefühlen eines gequälten und unglücklichen Volkes zu spotten. Der stärkste Glaube jedoch ist der Glaube an uns selbst, an unsere Willens- und Tatkraft. Und gerade in dieser kritischen Stunde dürfen wir nicht die Hoffnung des Volkes von einer ausschlaggebenden Lösung abhängig machen, die von irgendwelchen außenstehenden Richtern gegeben wird. Die Entscheidung in allen Punkten muß in nnsern Händen liegen, eine Ent- 1 Scheidung, die in realer Arbeit ihren Ausdruck findet, j in einem Schaffen, das voll und ganz auf unser Ziel 1 gerichtet ist, - und jede Minute, die nutzlos verstreicht, j muß uns als unverzeihliche Sünde ungerechnet werden. In demselben Rundschreiben gibt die zionistische Organisation auch einen Programmentwurf der nächsten Einwanderung nach Palästina und der Arbeit im Lande. In der ersten Zeit, bis das Land für die Einwanderung freigegeben wird, steht Palästina nur für Personen der hier aufgezählten Kategorien offen: 1. Solche, die schon im Lande W'aren, und jetzt zurückkehren, oder die in i Palästina Familie und Besitz haben; 2. Vertreter von j Gesellschaften umd Vereinigungen, die zum Aufbau des j Landes gegründet sind; 3. Sachverständige auf verschiedenen Gebieten oder Besitzer großer Vermögen, die sich sofort im Lande einrichten können.“ Diese „erste Zeit“ wird sich noch wer weiß wie lange hinziehen. Wenn wir auch hinsichtlich der allgemeinen Lage nicht genau wissen, wem die Schuld beizumessen ist, so ist diese Klassifizierung der ersten Einwanderung ohne Zweifel das Resultat einer bestimmten Ueberlegung, die nur denen die Grenze öffnet, die dem Gemeinwesen nicht etwa zur Last fallen. Von allen „Fachleuten“, die da erwähnt sind, ist nur eine Art näher bezeichnet: „Besitzer großer Vermögen, die sich sofort im Lande einrichten können.“ Von diesen scheint die zionistische Organisation nicht anzunehmen, daß sie dem Lande zur Last fallen. Sie hat vergessen, oder übersieht absichtlich, daß mit so einem Kapitalisten noch kein nationales Kapital ins Land kommt. Weit eher bringt er Spekulation und Ausbeutung mit sich, diese Spekulation, die dem Gemeinwesen nicht nur zur Last fällt“, sondern darauf drückt, wie ein Riesenberg, der alles in sich verschlingt. Und diese Spekulation macht sich schon im Lande bemerkbar, wo noch nicht ganze drei Kapitalisten eingewandert sind. Für uns sind Leute mit großem Vermögen nur Mehrer der nationalen Sorgen. Für uns ist die Frage der Einwanderung in das Land nicht verbunden mit der Frage, wer sich dort sofort „einrichten“ kann oder nicht. Zwar muß die Einwanderung in Palästina geordnet und organisiert vor sich gehen, — aber hier handelt es sich in erster Reihe, vor jedem großen oder kleinen Kapitalisten, uni das Heranziehen von Arbeitskräften in das Land, die Einwanderung der Chaluzim, wobei es von vornherein unsere unumgängliche Pflicht ist, ihnen Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Arbeit ist das sicherste Kapital bei allen Völkern, und erst recht bei uns. Ohne Arbeiter und ohne Arbeit ohne neue Ansiedlungspunkte und ökonomische Betriebe wird im Lande nichts erstehen. Durch die „Hotels“ der Kapitalisten und durch Boden- und Häuserspekulation wird Palästina nicht erbaut und erlöst werden. Daher rührt auch die weitgehende Agitation für die „Achusoth“, die in diesem Rundschreiben hervortritt. Die „Achusa“ ist jetzt das populärste Schlagwert im Zionismus geworden. Die Führer des Zionismus sehen in ihr die Synthese zwischen einer nicht zu kapitalistischen und nicht zu proletarischen Ansiedlung, einer balebatischen Kolonisation, die Gott und den Menschen wohlgefällig ist. ln Wahrheit ist das nur eine Fortsetzung der Kolonisation in der gegenwärtigen Form, die wir von vornherein ablehnen und wir verwahren uns entschieden dagegen, sie als System1 im der zionistischen Arbeit festzusetzen. Nur eine positive Seite muß man hier hervorheben: „Unerläßliche Bedingung ist, daß alle Arbeit in diesen „Achusoth“ nur von Juden geleistet w'ird.“ Aber auch hier, bei diesem Sieg des

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