Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 46-47 (13.11.1919)
- Date
- 1919-11-13
- Page
- Seite 1461-1462 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649310--0909-2650274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1461 VOLK UND LAND -.=--=-= 1462 jetzt bestehenden Kolonien viele genossenschaftliche Einrichtungen vorhanden sind/- Im Anschluß an diese Ausführungen bringen wir folgenden Bericht der ,,Jüdischen Arbeiterkorrespondenz.“ über ,,Arbeitergenossenschaften in Palästina“: Die genossenschaftliche Arbeits- und Siedlungsform gewinnt eine immer größere Bedeutung im Leben der jüdischen Arbeiter Palästinas, sowie im Kolonisationswerk im allgemeinen. Neben den älteren Versuchen, Arbeiterkolonien auf genossenschaftlicher Grundlage, also kooperative Großbetriebe zu schaffen, haben sich insbesondere während des Krieges die Arbeitsgenossenschaften entwickelt. Es sind kooperative Akkordgruppen, die die Ausführung bestimmter Arbeiten übernehmen. Bei ländlichen Arbeitsgenossenschaften handelt es sich zumeist üm die Uebernahme der Pflege fruchttragender Pflanzungen oder auch um die Vorbereitung von neu erworbenen Grundstücken für spätere Ansiedlung. Nach dem hauptsächlichen wirtschaftlichen Zweck kann man darum folgende Arten der landwirtschaftlichen Arbeitergenossenschaften unterscheiden: a) die Siedlungsgenossenschaften oder kooperative Kolonien; b) die Vorbereitungs- oder Ameliorationsgenossenschaften; c) die Arbeitsgenossenschaften für Ackerbau und Gemüsebau, die letzten bestehen zu einen# großen Teil aus Arbeiterinnen; d) sonstige Arbeitsgenossenschaften. Im letzten Wirtschaftsjahre 5679 bestanden in Palästina insgesamt 31 Genossenschaften der vier Arten mit 146 Arbeitern und Arbeiterinnen, die ein Areal von 17 000 Dun am (1700 Hektar) bewirtschaftet haben. Davon waren 2 Aufforstungsgenossenschaften, eine übernahm die Bepflanzung der Karmel-Abhänge mit Waldfichten, eine zweite die Vorbereitung einer Baumschule (in Nachlath- Jehudah bei Rischon) von 300 000 Eukalyptus- und anderen Bäumen. Eine Ameliorationsgenossenschaft von 22 Arbeitern übernahm die Trocknung des sumpfigen Geländes in Merchavia. Die wichtigsten, hauptsächlich auf Getreidebau beruhenden Genossenschaften befinden sich auf den Ländereien des Jüdischen Nationalfonds, davon sind die in Merchavia (Ebene Israel) und Dagania (am Tiberiassee) die bedeutendsten kooperativen Großbetriebe im Lande. In Ben-Schemen und Huld ah werden die Oliven- und Mandelpflanzungen des Herzlwaldes, in Gan-Schmuel (bei Hederah) ein Orangegarten von Genossenschaften bewirtschaftet. Auch diese (drei Pflanzungsgenossenschaften widmen sich zu einem großen Teil dem Getreidebau und Ben-Schemen hat auch eine bedeutende Milchwirtschaft. Die Gesamtzahl der Ackerbau- und Pflanzungsgenossenschaften beläuft sich auf 16 mit 255 Mitgliedern, die eine Fläche von 15 000 Dunam bebauen. Mit Ausnahme der genannten Betriebe auf N. F .-Boden sind diese Genossenschaften zumeist Okkupationsgruppen zur Vorbereitung des Bodens für spätere Ansiedlung. Ferner bestehen 12 Genossenschaften für Gemüsebau, mit 145 Mitgliedern, die ein Areal von rund 1580 Dunam bearbeiten. DER PALAESTINA Das Arbeitssekretariat, die Palästinavertrelung des Jüdischen Sozialistischen Verbandes Poale- Zion, veröffentlicht seine Bilanz per 1. Juli 1919. Sie gibt einen guten Ueberblick der Wirksamkeit des Palästina-Arbeiterfonds, dessen Mittel, von dem Arbeitssekretariat verwaltet werden. Die Einnahmen des Arbeitssekretariates betrugen ca. 8500 Pfund Sterling (rund 210 000 Frcs.), die hauptsächlich aus Mitteln des Palästina-Arbeiterfonds stammen. Die Ausgaben beliefen sich auf nahezu 8000 £ (200 000 Frcs.). Davon waren nur kaum 5000 Francs in Geräten und in drei Bauplätzen am Karmel für ein Gesundheitsheim auf den Namen des verstorbenen Poale-Zion-Führers Borochow und für ein Arbeiterhaus in Haifa investiert. Die Haupttätigkeit des Arbeitersekretariats bestand in der Finanzierung der verschiedenen genossenschaftlichen, gewerkschaftlichen und kulturellen Unternehmungen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas in Stadt und Land, sowie in der Erhaltung der Arbeitsbüros in Jaffa, Jerusalem, Haifa, Tiberias und Saffed. Die letzten zwei Büros wurden nur für die Kriegszeit geschaffen, als der Verkehr zwischen den einzelnen Landesteilen infolge der kriegerischen Vorgänge äußerst erschwert war. Folgende Zahlen geben einen interessanten Einblick in die Tätigkeit des Palästina-Arbeiterfonds. Es Würden Kredite bewilligt: an die Landarbeiterverbände in Judäa und Galiläa 823 £ (21 000 Frcs.), an neuin ländliche Genossenschaften für Getreidebau 2545 £ (64 000 Frcs.), an sieben Gemüsebaugenossenschaften und an zwei Auffbrstungsgruppen 230 £ (6000 Frcs.), Städtische Produktivgerossenschaften, und zwar, Schneider, Schuhmacher, Tischler, Schlosser, Bauarbeiter, Brunnenbohrer, Drucker, Steinhauer, hauptsächlich in Jaffa, Jeru- -ARBEITERFONDS salem und Haifa, erhielten Betriebskredite von rund 900 £ (22 500 Frcs.), wobei zu bemerken ist, daß zur Vermeidung der bekannten Tendenz derart ger Kooperativen, sich in geschlossene AkTiengesellschaften umzuwandeln, das Inventar dieser Genossenschaften vertraglich Eigentum des Palästina- Arbeiterfonds b'eibt. Für öffent’iche Arbeiten wurden 135 £ (3500 Frcs.) bewilligt, für Konsumgenossenschaften in Jaffa und Haifa 136 £ (3600 Francs), für die Arbeiterkrankenkasse 335 £ (8400 Francs), für Arbeiterküchen und -he’me sowie Leihkassen 152 £ (3800 Frcs.), für Selbstschutzzwecke und den „Haschomer“ rund 560 £ (14 000 Frcs.) und für andere kleine Darlehen, hauptsächlich während der Kriegskrise, 565 £ (14125 Frcs.). Die krisenhaften Vorgänge während der Kriegszeit, die politische Verfolgung der jüdischen Arbeiterbewegung durch die türkischen Behörden, insbesondere der Poale-Zion-Partei, ihrer Presse, sowie der Wächterorganisation „Haschomer“, haben von dem Palästina-Arbeiterfonds große Opfer verlangt. Allein die sogenannte Damaskus- Periode von Oktober 1917 bis Oktober 1918 erscheint in der Bilanz mit nahezu 70 000 Frcs., einschließlich der sehr empfindlichen Kursveruste, und die unvorhergesehenen una außerordentlichen Ausgaben in Verbindung mit den militärischen Vorgängen in derselben Zeit figurieren mit rund 8000 Francs in der Bilanz. Schließlich wäre hervorzuheben, daß der Palästina-Arbeiterfonds durch Garantieleistung fünf anderen Arbeitergenossenschaften (einer kooperativen Maschinenwerkstätte und einer Tischlerei in Haifa, ferner einer landwirtschaft’ichen MaschinengenossensChaft und zwei Druckergenossenschaften) Kredite im Betrage von 60 000 Frcs. verschafft hat. Alles in allem ein Bild