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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1459-1460

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1459-1460 (sequence 15)
Language
German
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1459 VOLK UND LAND 1460 folgen in den ersten Reihen. Es hat auch den Versuchungen des Kricgsgc winnes widerstanden. Dagania und Kincreth haben dem Evakuierungskomitee große Dienste geleistet, indem es ihm, als es kein Geld hatte, Getreide und Kredit lieferte, ebenso der Einkaufsgenossenschaft Hamaschbir. Von den anderen großen Genossenschaften hat Merchavia weniger erfolgreich gearbeitet. Es gab vor allem Schwierigkeiten im kollegialen Zusammenleben der Genossen. Zur Schlichtung der Konflikte wurde kurz vor der Eroberung der britischen Truppen, da keine Verbindung zwischen Merchavia und dem Palästina-Amt in Jaffa bestand, von der galiläischen Arbeiterorganisation ein kleines Schiedsgericht konstituiert, das aus den vertrauenswürdigsten Mitgliedern der Arbeiterschaft aller Schattierungen bestand. Das Schiedsgericht veranlaßte einen vollständigen Personenwechsel. In diesem Jahre ist allerdings die wirtschaftliche Lage weder in Merchavia noch in Dagania eine günstige. Dies kommt von der schlechten Ernte im ganzen Lande, die in diesem Jahre nur 40 Prozent einer mittelmäßigen Ernte betrug. In Tel Adas (Mesrah) besteht eine Okkupationsgenossenschaft. Diese hat den Zweck, Boden, der uns formalrechtlieh noch nicht gehört, durch die Bearbeitung de fakto in unseren Besitz zu bringen. Da müssen natürlich wirtschaftliche Vorteile zurücktreten und man hat in solchen Genossenschaften in den meisten Fällen mit Verlust gearbeitet, weil die Bodenschwierigkeiten zu groß sind. In Karkur (zwischen Sichron Jacob und Chedera) besteht seit mehreren Jahren eine Genossenschaft, die sich sehr bewährt hat. Im letzten Jahre hat sie sich in zwei kleine Genossenschaften aufgeteilt. Die Genossenschaft auf dem Orangengarten des J. N. F. in Gan Schmuei steht gut. Es ist gelungen, den Früchten, die nach dem Auslande nicht verschickt werden komnten, im Inlande Absatz zu verschaffen. Die Erfolge von Gan Schmuei in den letzten Jahren sind beachtenswert, da diese kleine Siedlung am ihrer isolierten Lage, die zu Diebstählen und Ueberfällen oft führte, zu leiden hatte. Die Genossenschaft in Kastinie hatte nach schlechten Erfahrungen im Anfang des Krieges in den letzten Jahren, vor allem durch besonders gute Bearbeitung des Bodens, Erfolge gehabt. Die Ameliorierung des Bodens und zweckmäßige Arbeitsmethoden haben zunächst in Benschemen, wo es im ganzen vier verschiedene Genossenschaften gibt, für Pflanzenbau, Gemüsebau, Geflügelzucht und Ackerbau, selbst in diesem- Jahre gute Resultate im Ackerbau ergeben. In Jerusalem war eine gemischte Gruppe von Arbeitern und Arbeiterinnen tätig, welche auf gepachteten Parzellen Gemüse anbaute. Sie hat sieh leider nach einem Jahre aufgelöst, da kein geeigneter Boden für sie sich finden ließ und die wichtigsten Mitglieder in die jüdischen Legionen eintraten. Die Genossenschaften für Gemüsebau waren im Kriege sehr wichtig. Sie haben alle bis zum Waffenstillstände mit gutem Erfolg gearbeitet, dann jedoch traten große Verluste ein, die mitunter bis zwei Drittel ihres Budgets ausmachten. Die Erklärung dafür ist folgende: Sie begannen ihre Arbeit in einer Zeit, als die Preise für landwirtschaftliche Produkte und auch die Löhne für landwirtschaftliche Arbeiter sehr hoch waren. Die Genossenschaften kauften also Futtermittel, Samen, Nährungsmittei usw. sehr teuer ein, als dann durch den Waffenstillstand die Preise sanken, brachten die erzielten Preise lange nicht die Ausgaben ein, besonders da die Löhne nach wie vor hohe waren. In den Genossenschaften selbst sind die Ansichten über das Wesen und die Möglichkeiten der Genossenschaften geteilt. Manche möchten diese Form der Genossenschaft unbedingt aufrechterhalten, andere, die mehr vom dem individualistischen Gesichtspunkte Herkommen, glauben, daß die bestehenden Genossenschaften deshalb nicht das geleistet haben, was sie leisten konnten, weil sie an inneren Zwistigkeiten zu leiden hatten; bekannt sind die Aufsätze von Elieser Jaffe im „Hapoel-Hazair“. Wilkanski tritt bekanntlich seit einigen Jahren für den Gedanken der Klein-Siedler ein. Auch er glaubt, daß die Juden in einer Genossenschaft sich nicht ausleben können. Man meint besonders, daß die Frauen ein dissozierendes Element bilden, die den Bestand der Genossenschaft bedrohen. Dagegen gibt es wiederum absolute Verteidiger der Genossenschaftsform; mitunter sind in derselben Genossenschaft, z. B. in Dagania, selbst diese beiden Richtungen vertreten. Der; verstorbene Josef Bussei war ein warmer Ver-! 1 echter der Genossenschaft. Eine große Schwierigkeit bildet die Frage der Familienbildung und der Kindererziehung; solange die Genossen ledig sind, können sie recht gut Freundschaft und Kameradschaft pflegen, aber oft kommt durch die Frauen Zwietracht in die Genossenschaft, weil sie sich nicht immer in die Genossenschaft einordnen können. Es fragt sich i dann auch, wie die Kinder erzogen werden sollen, i Die Frage hat z. B. in Dagänia gerade sehr ernstes | Nachdenken geweckt. Manche wollen, daß die | Kinder nur in der Familie erzogen werden, dann entsteht aber die Schwierigkeit, daß eine solche I Familie, die naturgemäß nicht soviel für die Ge-; nossenschaft leisten kann, weil mindestens ein wenn | nicht gar mehr Mitglieder für die Erziehung der Kinder in Anspruch genommen werden, von der I Gemeinschaft erhalten werden muß. Demgegen- | über steht die Ansicht, daß man die Kinder gemeini schaftlich erziehen kann. In Dagania sind jetzt j solche Versuche gemacht worden, für die auch j Chawer Bussei sehr warm eintrat. Die Mütter j selbst werden aut diese Weise entlastet und die i Kinder werden von der gesamten Genossenschaft erzogen und zwar alle zusammen von einigen wenigen Frauen oder Mädchen, die dazu besonders geeignet sind. Obwohl nun die Kinder vollständig erzogen und unterrichtet werden und so ziemlich hohe Kosten entstehen, ist man doch der Ansicht, daß dies Verfahren vorteilhafter sei, weil man so vor allem die Möglichkeit hat, besonders geeignete Kräfte heranzubilden. | Interessant ist eine jetzt aufgetretene Strömung | unter den jungen Kolonisten, die größeren Bodeni besitz (250—300 Dunam) haben, von diesem Boden | ein Teil abzugeben, um Klein-Kolonisten zu werden, damit sie nicht in die Lage .kommen, wiedie früheren Kolonisten, Arbeiter und vor allem sogar arabische Arbeiter anzustellen. In der Genossenschaft nämlich erhalten sich die Mitglieder viel frischer und jünger. Die Kolonisten werden mit einer gewissen | Notwendigkeit bald von ihrer Jugend und ihren i Zielen abgedrängt, wenn auch sehr wertvolle Elemente unter ihnen sind. Um soviel mehr ist es zu begrüßen, wenn sie auf ihren Besitz freiwillig verzichten wollen, um den Gefahren zu entgehen. Man spricht von sogenannten „Arbeitenden-Siedhingen“ (Moschawe owdim), es sind dies Siedlungen von lauter Kleinbetrieben. Es ist möglich, daß sich beide Typen, sowohl die Genossenschaften, wie die „Arbeitenden-Sied- J lungen“ durchsetzen werden. Die Genossenschaftsi form hat ihre große Bedeutung vor allem in der | Uebergangszeit der Okkupation, und in den Kleini Siedlungen werden viele Merkmale der Genossen- I schaff bestehen bleiben, wie auch in den schon

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