Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 46-47 (13.11.1919)
- Date
- 1919-11-13
- Page
- Seite 1455-1456 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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VOLK UND LAND 1456 1455 handelt werden. Das Problem soll als ein ,,international-politisches“ betrachtet werden. Lin Teil der Forderung von Dr. Birnbaum ist also hier erfüllt. Die Thesen geben sich auch den Anschein, als ob hier wirklich ein einheitlicher Gesichtspunkt für die Lösung der Wanderfrage gefunden sei. Es ist immerhin ein Fortschritt, wenn eine in Deutschland gegründete jüdische Vereinigung die Bedeutung der von ihr zu behandelnden Fragen über die Grenzen Deutschlands hinaus ermißt. Zwar wird nirgends gesagt, daß jüdischpolitische Gesichtspunkte entscheidend sein sollen,, es wird aber 3er Begriff des ,,weltpolitischen“ Problems unterlegt. Dieser Begriff ist weitreichend genug, um jede Untersuchung auf seinen Sinn und seine Bedeutung einfach überflüssig zu machen. Immerhin ergibt sich, aus der Vieldeutigkeit dieses Begriffs Und aus der Behauptung des Berichtes, daß die neue Organisation nicht erwarte, diese Aufgabe selbst und allein zu lösen, vielmehr nur die Vorarbeiten leisten wolle, die Notwendigkeit, mit einem abschließenden Urteil über den Wert dieser Organisation zurückhaltend zu sein. Daß sie für uns und für den Augenblick eine Notwendigkeit darstelle, kann jedenfalls schon jetzt verneint werden. Die neue Organisation will sich, wie sie sagt, mit allen jüdischen Organisationen der Welt zusammenschließen, turn ihnen durch ihre „systematisch vertiefte Beschäftigung mit dem: Problem die nötigen Richtlinien zu geben“, zu dieser Vertiefung folgen im Bericht zwei sehr seltsame Illustrationen. Zunächst der Hinweis, daß die den deutschen „Glaubensgenossen“ ohnehin schon obliegenden großen sozialen und philantropischen Aufgaben noch unendlich kompliziert würden durch die antisemitische Welle. Zweitens etwas, was ich der Vorsicht halber, um mich nicht selbst Textfälschungen auszusetzen, nach dem Wortlaut des Berichtes zitieren will: „Diese antisemitische Entwicklung geht bereits so weit, daß selbst weit linksstehende Zeitungen und neuerdings sogar eine Behörde (im Original gesperrt) unberechtigte Angriffe gegen die Ostjuden erhüben haben. Hier muß schon aus Selbsterhaltungstrieb, die Arbeit einsetzen, und hier hat die Organisation auch bereits ihre ersten Aufgaben begonnen. Dr. Sußnitzki teilte mit, daß die jüdische Emigrations-Organisation darauf hinwirken will, daß größere Massen der gegenwärtig in Deutschland befindlichen Ostjuden bei dem Wiederaufbau Frankreichs Verwendung finden.“ Zum Verständnis des ersteren ein Zitat von Dr. Birnbaum: „Selbst diejenigen, die das Gefühl der Solidarität mit ihren Glaubens- und Stammesbrüdern in sich nicht mehr festzustellen in der Lage sind, müssen doch wenigstens bedenken, daß sie der Wandersturm in ihrer eigenen Ruhe und Sicherheit bedroht! Daß er ihnen, falls er ungeregelt bleibt, unliebsamen Heimsuchungen, antisemitische Anfechtungen, Konkurrenz verschaffen wird!“ Dafür ist ein weiterer Kommentar nicht nötig. Die grandiose Idee aber, die aus der Not des Ostens geflüchteten Stammesbrüder rum Wiederaufbau Frankreichs zu verwenden, kann ebensogut eine grandiose Schamlosigkeit sein. Was hat sich der Initiator dabei gedacht? Will gr den deutschen Arbeitslosen Konkurrenz machen? Will er das Ostjudenproblem lösen? Will er der deutschen Regierung beweisen, daß wir unser Möglichstes tun, sie von der östlichen Gefahr zu* befreien? Oder meint er etwa, daß es angemessen sei, das Los dieser vertriebenen Menschen, welche in ihrer Heimat Schindluder für die Soldateska waren und jetzt Objekte der Pogromhelden sind, dadurch zu verbessern, daß er sie mit der Ausgrabung alliierter und deutscher Blindgänger befaßt? Es ist schwer, aut diese Fragen eine Antwort zu geben. Es wird aber erforderlich sein, daß der Autor dieses Gedankens sich selbst zur Erklärung und zur Verantwortung stellt. PLAN EINER PALÄSTINENSISCHEN ARBEITERSIEDLUNG FUER 50 FAMILIEN Aufgestellt und dem Palästina Amt in Jaffa unterbreitet vom Hapoel Haza'ir. In der Konferenz des Hapoel-Hazair in Palästina vom 6.—9. Ssiwan dieses Jahres wurde beschlossen, eine Arbeitersiedlung zu gründen. Es wurde dann eine Liste von 40—50 erprobten und erfahrenen Arbeitern aufgestellt, die nach Lage und Zustand die ersten und geeignetsten Kandidaten für diese Ansiedlung sind. Eine spezielle Kommission reichte nun der „Abteilung für Landwirtschaft und Kolonisation“ des Palästinaamtes folgende Vorlage und folgenden Brief ein: „Wir erlauben uns folgenden Plan zur Gründung einer Arbeitersiedlung vorzulegen. Den Ort der Ansiedlung haben wir noch nicht festgesetzt, jedoch ist dieser Plan für eine Niederlassung auf einen von Natur aus fruchtbaren oder durch Düngung zugerichteten Boden berechnet. Die Wirtschaft soll anfangs nicht sehr intensiv betrieben werden. Die Intensität soll mit der Größe der Familie, d. h. mit der Anzahl der Arbeitskräfte wachsen. Dies folgt aus dem Grunde, da jeder Ansiedler selbst und nur mit der gegenwärtigen Hilfe seiner Kollegen in der Siedlung, seine Arbeit auszuführen haben wird. Für die Bepflanzumgsfiäche haben wir kein besonderes Budget angelegt, da wir hoffen, daß es mit der gegenseitigen Hilfe der Siedler gelingen wird, den Boden zuzurichten und zu bepflanzen. In der Rubrik „Anlagekapital“ führten wir eine Summe zum Kauf nur von 2 Kühen und 20 Stück Geflügel, da wir annehmen, daß der Ansiedler sich dann weiteres Vieh und Geflügel durch Zucht erwerben wird. Betreffs der Auszahlung der Wirtschaftsschulden werden wir erst in einer Generalversammlung sämtlicher Ansiedler besprechen und gemeinsam mit dem Palästinaamt den passenden Modus finden. Dieser Plan, den wir Ihnen einreichen ist nur ein provisorischer. Den endgültigen Plan sowie eine Statistik der Ansiedler nebst ihrer Familien werden wir erst nach der Generalversammlung -einreichen: a) Gestaltung der Wirtschaft. 1. Ackerland mit einem Saatzyklus von 6 Jahren 60 Dunam 2. Bauplatz, Gemüse und Obst für das Haus . . 10 ,, 3. Verschiedene Pflanzungen.. 10 „ Zusammen 80 Dunam 4. 4 Milchkühe 5. 100 Stück Geflügel 6. 5 Bienenstöcke .