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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1453-1454

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1453-1454 (sequence 12)
Language
German
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1453 -VOLK UND LAND - ■ ..: 1454 Ist somit prinzipiell ge^en ein Volksamt für Emigration, welches sich die Regulierung der Wanderung ja zur Aufgabe gemacht hat, nichts einzuwenden, so sind doch die Voraussetzungen, unter denen es zu Stande kommen soll, für eine rein nationaljüdisch orientierte Politik unmöglich. Die Bedenken, welche Julius Berger in der ,,Jüdischen Rundschau“ (Nr. 72) erhebt, treffen hier in der Tat zu. Die Emigrationskonferenz würde nur die bisherige richtungslose, höchstens von dem traditionellen Begriff der Wohltätigkeit inspirierte Politik noch mehr verankern. Das wäre ein Fehler. Die jüdische Politik braucht Konzentration und Unterordnung unter rein völkisch-jüdische Gesichtspunkte. Der Organisationsrummel stört die Einheitlichkeit der Politik. Solange sich Dr. Birnbaum als Miglied der Emigrationskonferenz Personen wünscht, die durch irgendwelche beliebigen Gesichtspunkte, sei es Wohltätigkeit, sei es Furcht vor dem Antisemitismus oder sonst etwas, zur 1 eilnahme veranlaßt werden, solange ist nicht die Garantie gegeben, daß ein einheitlicher Gesichtspunkt vorherrschend wird. Es kommt aber durchaus nicht alles darauf an, daß etwas getan wird, es kommt ganz bedeutend darauf an, w i e es getan wird. Es braucht nicht bestritten zu werden, daß eine von Dr. Birnbaum eventuell einberufene Konferenz Arbeit leisten .könnte, welche der Emigrationsfrage zugute kommt, sie wird aber nie in der Lage sein, diese Probleme derartig einem beherrschenden Gedanken unterzuordnen, daß eine restgültige Lösung der Judennot auch nur wahrscheinlich wird. Daß die Wanderungstrage auch im Zionismus genügend gewürdigt wird, bedarf keiner weiteren Begründung. Insofern braucht die Uebereinstimmung mit Dr. Birnbaum nicht mehr ausdrücklich versichert zu werden. Es handelt sich für uns nur darum; welche Instanz soll die praktische Durchführung in die Hand nehmen? Sofern die Frage der jüdischen Wanderung ein ausschließlich jüdisch-politisches Problem ist, muß auch die Instanz, welche sich mit ihrer Regelung befaßt, eine jüdisch-politische sein, schon um deswillen, weil wir das Problem, genau wie Dr. Birnbaum es will, auf dem Wege der Verständigung mit anderen Regierungen lösen wollen, und weil wir zu diesem Zwecke eine politische Körperschaft brauchen, welche Anspruch darauf erheben kann, als die politische Vertretung des jüdischen Volkes wirklich zu gelten. Wir haben genug Dilettantismus in Dingen der Oeffentlichkeit getrieben. Jede Organisation, welche diesen Dilettantismus fortsetzen will, muß notwendig die Einheit anderer Politik stören und gefährden. Ueber die endgültige Gestaltung der politischen Vertretung des Judentums mögen Zweifel bestehen. Bislang ist die Organisation des Zionismus die berufene Vertretung gewesen, und wird es auch um deswillen für die nächste Zukunft bleiben, weil ihrer Initiative allein die bisher auf der Friedenskonferenz erreichten Resultate zu danken sind. Die zionistische Organisation wird daher nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, hier einzugreifen und auch die Wanderungsfragen in ihr Arbeitsgebiet einzubeziehen, und nicht nur das, sondern ihm auch unverzüglich Instanzen zu schaffen, welche der Größe der Aufgabe gerecht werden können. Auch ohne dieses politische Erfordernis würde es nicht der Bedeutung des Problems entsprechen, eine Instanz für die Frage zu schaffen, welche nicht von der Gesamtheit des jüdischen Volkes (nicht nur von den „interessierten“ Kreisen aller Richtungen) gebildet und von ihrem Willen und Vertrauen getragen wird. Das läßt es ferner erforderlich erscheinen, daß der Aufbau dieser Instanz von dort ausgeht, von wo das Problem tatsächlich seinen Anfang und Ursprung nimmt: nämlich vom Osten. Wenn schon gegründet werden muß, so muß dort zunächst gegründet werden. Wenn eine Emigrationskonferenz nötig ist, so mag dort eine solche abgehalten werden. Was dort als notwendig und wünschenswert bezeichnet werden wird, wird der aus rein jüdischpolitischen Gesichtspunkten zu errichtenden Instanz als Maßstab dienen müssen. Es ist anzunehmen, daß in dieser, wie in so mancher anderen Frage auch, die deutsche Landsmannschaft die Initiative ergreift. Jedenfalls besteht die absolute Notwendigkeit, daß die nächste Jahreskonferenz eindeutig und mit praktischem Resultat eingreift. Die Fragen der Organisierung als solcher sind nicht unüberwindlich schwer. Ich glaube in meinen Ausführungen über die Organisation der jüdischen Einwanderung (Volk und Land, Heft 14/15) einen organisatorisch nicht unbrauchbaren Weg gezeigt zu haben. Es wird nur aut die Intensität unserer Leitung ankommen, mit der sie das fertige Problem einem technischen Rahmen einordn et. Wir gehen also mit Dr. Birnbaum einig in der Forderung nach der Schaffung eines Volksamtes für Emigration. Wir lehnen die Abhaltung einer Emigrations-Konferenz ab, weil diese weder eine einheitliche Politik verbürgen, noch eine genügende Vertretung im politischen Sinne darstellen kann, noch in der Lage sein wird, mehr als vorbereitende Arbeit zu leisten, deren Wert gleichwohl der von uns gewollten Lösung dienlich sein könnte. Diejenigen Organisationen, welche sich bisher mit der Wamderungsfrage befaßt haben, dürfen natürlich nicht ausgeschaltet werden. Es wäre eine Unsinnigkeit, auf ihre Erfahrungen und Mittel verzichten zu wollen. Wir haben nicht Parteiprobleme zu lösen, sondern Volksprobleme. Andererseits werden aber auch die bestehenden Organisationen sich selbst daraufhin prüfen lassen, ob sie in ihrer Isoliertheit fortbestehen wollen oder ob sie nicht doch vorziehen, sich dem zentralen Organ, dessen Schaffung nur eine Frage der Zeit scheint, sich im Interesse unserer Allgemeinheit unterzuordnen. Mögen sie dabei berücksichtigen, daß die Größe der Aufgabe und die Not der Zeit Vereinspolitik nicht mehr vertragen. N achbeme rkung: Am 3. November dieses Jahres hat in Berlin eine jüdische „E m i g r a t i o n s - O r g a n i s a t i o n“ ihre Gründungsversammlung gehalten. Nach dem Bericht bezweckt sie ausschließlich Beschäftigung mit der jüdischen Wanderungsfrage. Das gesamte jüdische Wanderungsproblem soll wissenschaftlich erforscht und die Ergebnisse dieser Forschung der praktischen Verwertung zugeführt werden. Es wird strikte Neutralität gegen alle religiösen und politischen Richtungen im Judentum betont und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß sie mit allen jenen Organisationen, die sich mit der Frage der jüdischen Wanderung beschäftigen, in Arbeitsgemeinschaft treten werde. Als Gründer wird auf eine „Anzahl der bekanntesten Persönlichkeiten des jüdischen Berlins, sowie zahlreiche Vertreter der Ostjuden“ hingewiesen. Es sind zwei Thesen aiufgestellt worden: 1. Die Wanderung darf nicht als Nebenzweig irgendwelcher sozialen oder philantropischen Unternehmungen behandelt werden. 2. Die Frage (Wanderungsfrage) soll nicht mehr von den Organisationen der einzelnen Länder getonnt, sondern als weltpolitische Probleme von den einzelnen Judenheiten der gesamten Kulturwelt be-

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