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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1449-1450

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1449-1450 (sequence 10)
Language
German
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144Q -rr-- ■ =- - -^= VOLK UND LAND -r-^r- _ . . —^ _^= 1450 eine { umilie vorgesorgt hat. Aber dafür macht der Unterhalt der fünf Familien nach Oettinger nur 4500 Francs aus, so da(5 020 Francs übrig bleiben, die als Verzinsung von 10 000 Francs (zu 6 "u) ausreichen, für welchen Betrag man den Testierenden vier Familien bequem Häuser hersteilen könnte. Aber selbst mit einem Mehrkapital von 10 000 Francs für Bauzwecke stiege der Gesamtkapitalbedarf der fünf Familien nur auf 32 000 Francs, würde also weniger als 7000 Francs pro Familie ausmachen, um den Leuten eine E x i - s t e n z zu bieten, ohne daß sie mehr als ein Fünftel ihrer Zeit darauf zu verwenden, hätten? Es ist klar, daß bei jeder halbwegs vernünftigen Verwertung der Zeit und Arbeitskraft ein recht annehmbares Einkommen zu erzielen wäre, womit wiederum bewiesen ist, daß nach Oettingers Methoden der Eedarf an Kapital und an Boden etwa fünt mal so groß scheint, als er in Wirklichkeit ist. Dies aber ist nicht mehr (wie schon zum Ueberdruß betont), ein bloßer „Rechenfehle r“, sondern eine grundstürzende Aend e r u n g. Wir haben also gegenüber den Oettingerschen Ziffern nur mit einem ungefähren Fünftel sowohl an Kapital wie an Boden wie an Arbeit zu rechnen. Dieses Ergebnis von 1:5 kommt aus der Richtigstellung von Oettingers Rechnung auf Grund seiner Unterlagen heraus. Wenn wir uns nicht nur von seinen Rechenmethoden sondern auch von seinen Unterlagen frei machen, können wir zu noch viel geeigneteren Ansiedluingsformen gelangen, bei denen auch das Kapitalerfordernis sich noch weiter verringert. Aber schon die Differenz von 1: 5 kann einstweilen genügen. Wenn unterstützte Kolonisation einige 20 000 Francs und 100 Dun am Land pro Familie erforderte, so wäre eine Volkshilfe auf solcher Grundlage unmöglich. Erfordert sie nur etwa den vierten oder fünften Teil, so wird diese Hilfe einem unendlich viel größeren Kreise zugänglich. Es ist also nicht ein Unterschied des Grades, sondern der zwischen Ja und Nein, zwischen Schwarz und Weih, zwischen Möglich und U n m ö g I i c h. Die Affäre Oettinger war zu Ende, als am 2. Tage der Zentralkomitee-Sitzung niemand mehr den Beweis für Oettingers absolutes rechnerisches Versagen bestreiten konnte, und wenn wir auch gern weiter glauben wollen, daß Oettinger ein guter Land w i r t ist, r e e h n e n kann er wirklich nicht, woW1 aber - wie wir gesehen haben - unfreiwillig andere irreführen. Wirtschaft und Rechnen! — In beiden gibt es verschiedene Stufen. Beim Rechnen spricht man vom kleinen und vom großen Einmaleins. Wer das kleine nicht beherrscht, darf noch nicht zum großen übergehen. Es gibt aber einen noch höheren Grad, und bei dem halten wir jetzt, nämlich bei dem ganz großen Einmaleins, bei dem wir zu operieren haben mit so großen, so vielen und so mannigfachen Wille und Plan, Arbeit und Technik, Geist und Faktoren wie Volk und Land, Idee und Schwung, Stoff, Hilfe und Wirtschaft, Pflicht und Freiheit. IJm aus diesen Faktoren das höchste Resultat zu erzielen, brauchen wir große Rechner, kritische Konstrukteure — mit einem Wort echte Kolonisatoren. Nicht Leute, deren ganz anders gearbeitete Mentalität jede Falschrechnung mitmacht oder glaubt, die unser Werk unmöglich machen würde, und die diejenigen als verantwortungslos hinstellen möchten, die den Zionismus für realisierbar halten, auch jetzt noch, nachdem "'die Mächte seine Berechtigung anerkannt haben. Berlin, int November 1919. Davis T r i e t s ch. * Druckfehler-Berichtigung. In dem Artikel von Trietsch: „Vor dem Wan dersturm“ in Nr. 44/45 ds. Bl. ist auf Spalte 1378, 15. Zeile von oben ein sinnentstellender Druckfehler stehen geblieben. Es weist bis jetzt nichts aut eine „glanzvoll e“ Tat hin, sondern selbstverständlich auf eine „p 1 a n v o 11 e“. DAS VOLKSAMT FUER EMIGRATION Von Dr. Julius Katzenstein, Bremen. Der nachstehende Aufsatz lag bereits fertig vor, als die Gründung einer „jüdischen Emigrations-Organisation“ bekannt wurde. Der Verfasser mußte sich daher darauf beschränken, zu dieser Gründung in einem Nachwort Stellung zu nehmen. Die Fragen der jüdischen Wanderung werden von Dr. Nathan Birnbaum in seiner Broschüre „Vor dem Wandersturm“*) erneut aufgerollt. Was er über das Bevorstehen der Wanderung sagt, über das Elend, das auf den Augenblick der Oeffnung der Tore wartet, über die Not, welche die Wanderung unabwendbar macht, das ist alles nichts Neues. Aber dieses Altbekannte ist selten mit solcher EinringUchkeit gesagt worden, und selten ist uns die Größe der Not so unmittelbar zu j Bewußtsein gekommen, wie in dieser kurzen Zui sammenfassung. Es wird hier auch zugleich —! — wenn auch nicht zum ersten Male — die Fordej rung nach einer Hilfe aufgestellt, die über Ver-! einswohltaten hinaus gehen soll, und die vor allem j *) L. Sänger, Frankfurt a. M. 1919. in der Form ihrer Organisierung ein neues, selbständiges, in seiner Aufgabe isoliertes und von allen Parteien zu begründendes Organ fordert: Ein V o 1 k s a m t für Emigration. Seine Errichtung soll beschlossen werden auf einer Konferenz zur Besprechung der Emigrationsfragen. Wie denkt sich Dr. Birnbaum die Entstehung des Volksamtes und die Erfüllung seiner Aufgaben? Es sollen alle jüdischen Parteien und Gruppen, „jüdische Menschen aller Richtungen“, zusammentreten und auf der besagten Konferenz ein Volksamt gründen, dem „eine großzügige Regulierung der Emigration“ obliegen soll mit folgenden Tätigkeitsgebieten : 1. Eine möglichst genaue Erhebung über Zahl, Beruf und Benufseignung, ökonomische Lage, physische und kulturelle Artung derjenigen Massen, die aus wandern wollen. 2. Die genaueste Erhebung über die Arbeits¬ und sonstigen ökonomischen Verhältnisse, über Klima, Bevölkerung und Kultur der in Aussicht ge nom m e n en E in w and e ru n g slä nd e r.

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