Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 46-47 (13.11.1919)
- Date
- 1919-11-13
- Page
- Seite 1445-1446 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1445 VOLK UND LAND 1446 4. Meine Antwort an Herrn Oettinger Von l)r. Ephraim (,'liam zurzeit Antwerpen. Endlich, nach sechs Monaten, kommt die von Ruppin in Aussicht gestellte „Aufklärung“ Oettingers! Es ist höchst bedauerlich, daß der Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung im Palästinaamt sich vor seiner Antwort nicht doch mit einem Buchhaltungsexperten beraten hat. Denn wenn auch die Oettingerschen Ausführungen, die mit einem großen Aufwand von Worten um die einfachsten Dinge herumgehen, den Laien vielleicht bluffen können, der Fachmann kann nur mitleidig lächeln. Ehe ich auf das Sachliche eingehe, muß ich aber die Oettingersche Unterstellung, ich sei „auf der Suche nach Entdeckungen“ gewesen, aufs Entschiedenste zurückweisen. Meinem ganzen Wesen ist der Kampf in der Oeffentlichkeit zuwider, und ich habe ihn gemieden in all den 20 Jahren, die ich zur Bewegung gehöre. Wenn ich in letzter Zeit doch aus der Reserve gedrängt worden bin, so ist es nichts weiter als die tiefinnerste Besorgnis, daß das Schiff des jüdischen Volkes vielleicht doch nicht den richtigen Kurs steuere. E i n e nl Vorwurf kann mir allerdings Oettinger mit Recht machen: daß ich der einzige war, der sein Büchlein mit^ so viel Aufmerksamkeit gelesen hat, wie es die Sache erheischt. Zu J. Typus II: Wirtschaft basiert hauptsächlich auf Milchviehzucht. Auf dem eigenen Boden werden für 2500 Francs Futtermittel gewonnen und an das eigene Vieh verfüttert. Es bestehen da nur zwei Möglichkeiten der Buchung. Entweder wird der Posten überhaupt vernachlässigt, denn es besteht ja weder eine „Einnahme“ noch eine „Ausgabe“ im eigentlichen Sinne, oder aber er muß in Ausgabe und Einnahme erscheinen. Oettingerbuchtihn abernu runter Ausgaben, genau so, wie wenn er die Futtermittel gekauft hätte! Die von ihm aufgeführten Einnahmen von 5200 Francs sind tatsächliche, nicht rechnerische, und es ist unzulässig, wenn jetzt Oettinger Vortäuschen möchte, daß in diesen obigen 2500 Francs rechnerisch mit enthalten seien. Herr Oettinger bucht unter Ausgaben 2500 Francs für Futtermittel, die er gar nicht gezahlt hat, da sie im eigenen Betrieb gewonnen wurden. Wenn das ein Buchhalter tut, so kann sein Abschluß nicht stimmen, es sind 2500 Francs zuviel. Wenn es bei ihm aber doch „stimmen“ sollte, macht er sich einfach strafbar. Zu 2. Es ist wohl richtig, daß' die Erträge bei einer speziellen Molkereiwirtschaft größer sein werden als bei Wirtschaften, die Milchwirtschaft nur nebenher betreiben. Daß aber eine Kuh derselben Qualität bei dem einen Typus 650 Francs, beim andern nur 300 Francs einbringen sollte, dürfte sogar für Palästina unwahrscheinlich sein. Im übrigen habe ich an den Oettingerschen tatsächlichen Angaben keinerlei Kritik geübt, sie vielmehr alle blind als richtig vorausgesetzt und nur seine aus den eigenen Angaben abgeleiteten falschen Ergebnisse richtiggestellt. Zur Kritik wäre aber auch für mich recht oft die Möglichkeit gewesen, wo es sich z. B. um Angaben handelt, die nirgends und unter kenen Verhältnissen richtig sein können. So setzt Oettinger in Typus 1 (Bodenwirtschaft weitab von der Stadt) den Milchpreis ebenso hoch ein — mit 0,25 Francs pro Liter — wie in Typus II (Molkereibetrieb in der Nähe von Städten usw.), während er bei Typus I doch erheblich niedriger sein müßte. Daun ist der von ihm pro Kuh angenommene Milchertrag von 2000 Litern im Jahr für einen Molkereibetrieb bei „sehr guten“ Milchkühen lächerlich gering. Zu 3. Ich hatte in meiner Kritik die Plantagenwirtschaften der „Reichen“ wohl nicht berücksichtigt, weil man da Oettinger schließlich gestatten kann, Imit den Mitteln der Kolonisten weniger ängstlich umzugehen. Es ist aber natürlich ein unmögliches Beginnen, bei einem Betrieb, der nur wenige 1000 Francs nach ihm in Jahre abwirft, Einnahmen aus Viehzucht einfach garnicht speziell anzusetzen, sondern einfach zu ignorieren. Denn es ist nicht wahr, wenn Oettinger jetzt behauptet, daß die Einnahmen aus den Nebenzweigen der | Wirtschaft von ihm in Form einer Durchschnittsj einnahme auf jeden Dunam der nicht für Pflanzun-! gen benutzten Fläche berechnet wären, denn 30 J Francs pro Dunam gibt Oettinger in Typus II! (bei intensiver Wirtschaft) als Ertrag des Dunam j auch ohne Einnahmen aus Nebenzweigen an! Das Kurioseste aber ist, daß Oettinger trotz seiner j arigebliehen Pauschalberechnung die viel unrenta- | blere Geflügelzucht bei Typus III mit 50 Francs I Ertrag doch wieder besonders ansetzt! Zu 4. und 5. Es ist unrichtig, wenn Oettinger jetzt behauptet, daß bei Typus V und VI die Einnahmen aus der Viehhaltung im Durchschnittsbetrag der Einnahmen der ganzen bewirtschafteten Fläche mit enthalten sind. Beweis: Der Durch- . schnittsertrag bei Gemüsekultur ist von Oettinger bei beiden Typen mit 200 Francs angegeben worden (nur daß er beim „Großbetrieb“ 40 Francs für Transportkosten in Abzug bringt, was aber hier nicht weiter interessiert). Nun fallen aber bei Typus V auf 20 Dunam e i ne Kuh und bei Typus VI auf nur fünf Dunam zwei Kühe! Und doch der gleiche Durchschnittsertrag! Das wird doch auch Oettinger für unmöglich halten. Des ferneren behauptet Oettinger jetzt, daß bei Typus VI der Kolonist nicht genügend Boden hat, um das Futter für die Kühe zu besorgen. O, daran hätte Herr Oettinger schon gedacht, denn unter den Ausgaben figurieren wohl die Posten von 150 bzw. 300 Francs für Unterhalt des Viehs! Nur die Einnahmen vergißt Herr Oettinger immer zu verbuchen. Ich will Oettinger folgen, daß es für den Kolonisten mit einem Viehbestand von nur zwei Kühen unmöglich sein soll, 650 Francs pro Kuh Ertrag zu erzielen. Nehmen wir sogar nur 300 Francs an! Dann haben wir 600 Francs Bruttoertrag von den zwei Kühen bei Typus VI. Im ganzen werfen die fünf Dunam bewässerbaren Bodens nach Oettinger brutto 1000 Francs ab inkl. Ertrag aus Viehzucht, so daß also nach Abzug des letzteren 400 Francs Bruttoertrag für die intensiven Kulturen herauskommt, d. h. also pro Dunam 80 Francs! Wenn der Kolonist nur diese Kulturen hätte und keinerlei Viehzucht triebe, würden nach Oettinger immer noch 300 Francs jährliche Wirtschaftsausgaben sein, so daß also der Ertrag von fünf Dunam intensiver Kulturen nur 100 Francs wäre! Für Qrundkapitalrente, Verzinsung und Tilgung sind nach Oettinger 182 Francs jährlich zu zahlen, so daß also immer nach Oettinger die intensivste landwirtschaftliche Kultur mit einem Fehlbetrag von 82 Francs abschließt, oder mit anderen Worten: der Kolonist wohnt noch nicht einmal mietfrei, er hat hierfür trotz seiner und seiner Familie Arbeit noch 82 Francs jährlich darauf zu zahlen! Herr Oettinger, geben Sie Ihre Fehler noch immer nicht zu? Dann