Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 46-47 (13.11.1919)
- Date
- 1919-11-13
- Page
- Seite 1443-1444 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1443 VOLK UND LAND 1444 ihnen gern Tausende van echten Chaluzim aus dem Auslande folgen und unter den schwersten Bedingungen sich ansiedeln wollen, um durch ihre Arbeit j den Weg zu bahnen für Hu.nderttausende, die dann! in der Zukunft aiuf demselben Boden von selbst zu intensiven Kulturen übergehen werden. 9. Wenn ich vom Standpunkt der nationalen Kolonisation dafür bin, daß in gewissen Gegenden sofort Getreidebauwirtschaften angelegt werden! sollen, so versucht Trietsch den Wert solcher Anlagen herabzusetzen und zweifelt daran, ob wir diel nötigen Kapitalien finden werden, um Boden zu erwerben, der nicht viel mehr als zwei Prozent abwirft. Trietsch versucht auch zu vertuschen, daß es sich bei den zwei Prozent nur um die Erbpacht für den Boden handelt, der vom Nationalfonds abgegeben wird. Er sagte in seiner Rede aui dem Delegiertentag in Berlin, ich wolle den größter^ Teil des Kapitals von 27 000 Frcs., das für die Ansiedlung eines Bauern nötig ist, zu 2 Prozent Zinsen hergeben. Er erwähnt dabei nicht, daß die 2 Prozent sich nur auf dasjenige Kapital beziehen, das die jüdische Nation (durch den Jüdischen Nationaltonds) den selbstarbeitenden Ansiedlern in Palästina liefert, wie auch jedes andere Volk den Boden an die Arbeitenden unter günstigen Bedingungen abgibt. Trietsch gibt übrigens selbst zu, daß er mein Buch nicht gründlich, sondern nur oberflächlich durchgesehen hat. Dieses Geständnis zeigt, wie wenig gründlich seine Kritik sein kann. So hat er auch nicht bemerkt, daß der niedrige Zinsfuß für den Boden sich nicht allein auf die Getreidebauwirtschaft bezieht, sondern auchauf die anderen j; von mir ausgestellten Wirtscliaftstypen Anwendung 5 findet. | 10. Auch ich glaube an die Möglichkeit, Mil-! lionen in Palästina anzusiedeln, wie ich das in meinem Buche und auch in meiner Rezension des Ballodschen Buches gesagt habe. Aber diese Kolonisation kann nicht verwirklicht werden, wenn man von Anfang an mit Bluffs arbeitet. Das würde nur zu einer Katastrophe führen. Ich zweifle auch nicht einen Augenblick daran, daß, sowie der erhoffte Moment ein tritt, in dem es möglich sein wird, weite Strecken unseres Landes zu erwerben, alle Schichten unseres Volkes die Mittel zur Erlösung des Landes in weitem Maße zur Verfügung stellen werden. Es ist selbstverständlich leicht, in Momenten, wie wir sie jetzt durchleben, wo hunderte von Gemeinden sehnsüchtig darauf warten, nach Palästina auszuwandern, mit einem Programm für eine schnelle Kolonisation hervorzutreten, wie dies Trietsch tut, wenn er auf die Möglichkeit einer billigen Kolonisation hin weist. Jedoch steckt darin keinerlei Verantwortungsgefühl gegenüber den Zehntausenden von Menschen, die bereit sind, nach Palästina auszuwandern. Trietsch stützt sich auch aut mich, indem er Zitate aus meinem Aufsatz über die Schrift von Prof. Ballod heranzieht, dort, wo ich mich Ballod darin anschließe, daß in Palästina eine Ansiedlung von Millionen möglich sei. Die Frage ist jedoch: ln welchem Tempo wird Palästina denjenigen Zustand erreichen, in dem es Millionen wird ernähren können? Der Weg, den Trietsch vorschlägt, ist jedenfalls nicht der Weg, in Palästina Millionen von Juden in kurzer Zeit J anzusiedeln. 3. Nochmals ,,J ü Aus „Jüdische Zeitung“, Wien, Nr. 45 vom 14. November 1919. Wir haben uns bereits mehrmals gegen die verantwortungslose Art gewendet, i«n der Herr Davis Trietsch die Kolonisationsfachmänner der zionistischen Leitung in der Oeffentlichkeit zu diskreditieren sucht. In der letzten Nummer der „Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht der Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung des Palästinaamtes, Agronom' J. Oettinger (Jaffa), einen aufsehenerregendem Artikel, in welchem er den Beweis erbringt, daß Trietsch dilettantische Berechnungen völlig unrichtig sind. Trietsch hat bekanntlich auf dem letzten deutschen Parteitag Sensation erregt, indem er und Dr. Chamizer den scheinbaren Beweis erbrachten, daß Oettingers Buch „Methoden und Kapitalbedarf der jüdischen Kolonisation in Palästina“ in seinen wichtigsten Folgerungen auf einem — Rechenfehler beruhe, daß sich sonach in Wirklichkeit die Ansiedlung weit billiger stellt, als Oettinger annimmt, daß mit weniger Kapital mehr Gewinn zu erzielen ist, so daß also die jüdischen Massen ermutigt werden können, mit wenig Kapital nach Palästina zu gehen, da sie dort ein gutes materielles Auskommen finden werden. Auf diese Weise will Trietsch möglichst große Massen nach Palästina locken, aiuf diese Weise sein „maximalistisches“ Pro* gramm verwirklichen. Demgegenüber wurde vor verantwortlicher Seite immer wieder geltend ge macht, daß — so wünschenswert auch eine schnelle jüdische Masseneinwanderung wäre — man doch durch falsche Vorspiegelungen eine ungeheuere j Katastrophe heraufbeschwören und dem jüdischen j Volke unwiderbringlichen Schaden zufügen könnte,! di sehe Zeitung“ Das Argument des Herrn Trietsch, daß Pettinger ein „Rechenfehler“ unterlaufen ist, hat angesichts des Umstandes, daß niemand darauf vorbereitet und daher niemand in der Lage war, sofort den Gegenbeweis zu führen, einen Eindruck nicht verfehlen können. Durch die Entgegnung Oettingers, der in Palästina mitten in der Praxis steht uind daher erst jetzt erwidern kann, ist nun die Sache völlig klargestellt. Oettinger weist nach, daß die von Dr. Chamizer entdeckten Zahlenirrtümer nicht vorhanden sind, so daß die Positionen seines Buches unverändert aufrechterhalten werden. Der Irrtum! Chamizers entstand dadurch, daß Oettinger in seinem Buch nur die Endresultate angeführt hat und nicht im einzelnen die Entstehung der Bilanz durch die verschiedenen Buchungen aufgezeigt hat. Dadurch schien es, daß er 2300 Francs als Futtereinnahme in der Milchwirtschaft zu buchen vergessen hat, während in Wirklichkeit dieses Futter schon vom Vieh aufgezehrt ist und also sein Wert in dem Gewinn der Molkereiprodukte inbegriffen ist. Es wird das Molkereikonto zugunsten des Futterkontos belastet. Wenn man sich einen Betrieb in tUr Wirklichkeit vorstellt, wird ohne weiteres klar, daß Oettingers Aufstellung richtig ist. Oettinger entgegnet im einzelnen auf die Einwendungen und wir können hierbei nur auf Nr. 76 der „Jüdischen Rundschau“ verweisen. Der ganze Streit hat in Deutschland am meisten Staub aufgewirbelt, wurde jedoch durch die Vorträge des Herrn Trietsch auch in Oesterreich bekannt. Darum i ist es wichtig, die zionistische Oeffentlichkeit I Oesterreichs aut Oettingers sachliche Richtigstellung! aufmerksam zu machen.