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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1439-1440

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1439-1440 (sequence 5)
Language
German
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1439 VOLK UND LAND führen, daß er sie jedem) Einzelnem verweigert. Dias Volksganze besteht — zwiar nicht ausschließlich, aber doch als Hiauptgrundlage — aus seinen einzelnen Gliedern. Wenn man diese sich selbst überläßt, oder sie nach den Vereinigten Staaten oder nach Rußland verweist, wird man schwer die zionistische Totallösung des Herrn X in Palästina erreichen. Der Anonymus der „Jüdischen Zeitung“ sagt dann weiter: „Trietsch war bekanntlich auch mehrere Jahre in Palästina gewesen, ohne daß es ihmi gelungen wäre, etwas Bedeutendes zu schaffen. Demgegenüber haben wir einen Mann . . .“ und dann folgt ein Hymnus auf meinen Freund R u pp in, den ich diesem auch herzlich gönnen würde, wenn er von einem aufrechten, nicht-anonymen, verständigen Menschen herrührte. Aber der Aponymus der „Jüdischen Zeitung“ übersieht den kleinen Unterschied, daß Ruppin immerhin mit allerlei Vollmachten und Mitteln ausgestattet in Palästina arbeiten konnte, während es mein Los war, iim Gegensatz zu dem 144ö palästinafeindlidien Regime Wolfsohns, ohne eigene oder Parteimittel, rein als Privatmann midh zu betätigen, so gut es gehen wollte. Daß ich immerhin den I n f o r m ations dienst geschaffen und den Grund zu einer sachlich informierenden Palästina- Literatur gelegt habe, daß mein Aufenthalt einige industrielle Wirkungen gehabt, und daß meine Anregungen auch sonst nicht unfruchtbar gewesen sind, übersieht unser Herr X. Es würde für den Zionismus schon etwas bedeuten, wenln mehr Privatleute A ehn 1 i ch es bewirkt hätten, wenn ich auch selbst mit dem Erreichten nicht zufrieden bin. Aber von dem1 Anonymus der „Jüdischen Zeitung“ ist es eine glatte Unverschämtheit, zwischen Ruppin und mir derartige Zensuren zu verteilen. Drollig ist es schließlich, wenn er am Schlüsse eine neue „grundlegende Aenderung iln der zionistischen Verwaltung Palästinas“' begrüßt. Wozu eine solche, wenn doch alles so gut war?! D. T. 2. Zur Kritik der Herren Trietsch und Chamizer über mein Buch „Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina“ Von Agronom J. Oettinger, Jaffa, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung am Palästinaamt. Die Herren Trietsch und Chamizer wollen bei mir grundlegende Irrtümer gefunden haben, die nicht nur meinen Plan, sondern das ganze Gebäude der gegenwärtigen zionistischen Leitung untergraben sollen. So fragt Herr 1 r i e t s ch: „Was hätte Herr Oettinger gemacht, wenn er vor der Drucklegung von irgend! jemandem, beispielsweise vom Korrektor auf denselben Irrtum aufmerksam gemacht worden wäre, den später Dr. Chamizer gefunden hlat? Hätte er seine Anschauungen, die er sich durch seine Lebensarbeit errungen hat, aufgegeben? Hätte er sein Buch neu geschrieben?“ Darauf kann idh antworten: Keineswegs. Ich braudhe weder meine Anschauiungen zu ändern, noch mein Buch neu zu schreiben, nlodh die Kritik stillschweigend hinnehmen, oder mich vlon meinem: Buch loszusagen. Es hat auch niemand das) Recht, die zionistische Leitung auf Grund meines Buches anzugreifen. Die Z ah 1 en ir rt üm er, die von Dr. Chamizer entdeckt worden sind, sind nicht vorh anden, wie im folgenden klargelegt werden wird: I. In bezug auf den Typus der Wirtschaft, die hauptsächlich auf Milch v i e h zucht begründet ist, stellte ich folgende Rechnung auf: Zum Unterhalt von Rindvieh, nämlich von B Kühen (ä 200 Frcs.), 1 Pferd (600 Frcs.) und einigen Kälbern (300 Frcs.) sind insgesamt 2500 Francs erforderlich, die in der Form von Futter aus der Wirtschaft selbst entnommen werden, außerdem sind für einzukaufendes Futter noch 500 Frcs. anszugeben, zusammen also 3000 Frcs. Nun fand Dr. Chamizer in dem Ausdruck „aus der Wirtschaft entnommen“ einen Grund, einen Irrtum festzustellen, nämlich, daß im Verzeichnis der Einnahmen der Wirtschaft die Summe von 2500 M., die aus der Wirtschaft entnommen wird und für das Milchvieh verwendet wird, fehlt. Herr Dr. Chamizer hatte auf der Suche nach Entdeckungen keine Zeit gehabt, um die Wirtschaft praktisch zui betrachten, sich genau vorzustellen, was in einer Wirtschaft im Laufe des Jahres vorgeht und was für Buchungen in den Geschäftsbüchern entsprechend vorgenommen werden, bis die obige Bilanz herauskommt, die in der Wirklichkeit gar nicht anders sein kann. Wer die zwei Rubriken der Einnahmen und der Ausgaben dieses Wirtschaftszweiges, der hauptsächlich auf Milchproduktion beruht, aufmerksam betrachtet, der wird einseh en, daß die Frage, wo die Einnahme vom Futter verzeichnet ist, gar keine Frage ist. Die beiden Rubriken lauten folgendermaßen: Ausgaben: Lohnarbeit ► * ■ 200 Frcs. Unterhalt der Milchkühe und der Arbeit ■ - 3000 „ Saatgut ...*• 100 „ Dünger . 500 „ Reparaturen, Abnützung 150 „ Steuern 600 „ Unterhalt der Familie 900 „ insgesamt 5450 Frcs. Einnahmen: Von der Milch und vion der Aufzucht des Jungviehs 5200 Frcs. . Von der Bodenbestellung ■ 300 „ Von der Gemüsezucht 1270 „ Von der Geflügelzucht - 400 „ insgesamt 7170 Frcs. Wenn idh nun sagte, daß vom Futter, das von der Wirtschaft im Betrage von 2500 Frcs. entnommen wird, das Milch- und Jungvieh ernährt wird, so ist doch klar, daß diese Einnahmen beim Abschluß der Bilanz nicht mehr im Speicher vorhanden, noch ihr Geldwert im bar da ist, sondern eben zum Unterhalt des Viehs vorausgabt worden ist. Mit einfachen Buchhaltungsworten zu sprechen: Wir belasten das Molkereikiomfo zugunsten des Futterkontos. Die Futtereinnahme ist bereits in der Ausgabe für Unterhalt des Viehs mit inbegriffen, sonst könnte der Bauer nicht eine derartige Einnahme herausschlagen. Dadurch, daß der Bauer das Futter für das Vieh hergibt, sichert er die Einnahme aus der Milchwirtschaft und vom Jungvieh im Betrage von 5200 Frcs. Folglich finden wir in der Aktiv- und Passivbilanz den Betrag von 2500 Frcs. nicht mehr als Füttereinnahme, sondern in seiner zweiten Metamor phose, als Produktion der Molkerei, was ganz klar wird, wenn ich die Detaileinnahmen auf zähle: Einnahme von der Molkerei, von 8 Kühen (2000 Liter Milch ä 0,25 Francs von jeder Kuh) 4000 Frcs. Von der Aufzucht des Jungviehs »«* 1200 „i insgesamt 5200 Frcs. *) Aus dem Hebräischen übersetzt.

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