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Volk und Land · 1919-11-13 · Heft 46-47 (13.11.1919) · p. Seite 1437-1438

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 46-47 (13.11.1919)
Date
1919-11-13
Page
Seite 1437-1438 (sequence 4)
Language
German
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1437: VOLK UND LAND ihn ist Zionismus ,Jwdenhilfe“; tuind er lehnt aib, darin etwa Philantropie zitii sehen, sondern sie sei etwas eminent Nationales. Darin hat Trietsch zweitellos recht. Philanthropie ist lediglich eine bestimmte Methode der Juidienhilfe (z. B. die von Trietsch propagierte Chalukah), es kann auch’ nach großzügigen nationalen luimd sozialen Gesichtspunkten ein Hilfswerk geführt werden und eben dies will auch der Zionismus (und wollen alle Zionisten. Der Zionismus ist äber nicht identisch mit Judenhilfe. Er hat nicht den Sinn, heute tund sofort jedem einzelnen Juden aus seiner momentanen materiellen Bedrängnis zui helfen, sondern er erstrebt — und das ist etwas grundisätzlich anderes — eine Totallösung der jüdischen Frage. Was hülfe es uns, wenn wir alle Juden erretteten und doch die letzte Möglichkeit, das jüdische Volk als Ganzes zu retten, das heißt auf eine ganz neue, grundsätzlich neue Lebensbasis zu stellen, preisgäben? Diese neue Lebensgrundlage kann aber nur sein ein gesundes, produktives, auf reinen sozialen Beziehungen auf gebautes Wirb schäftsieben, aus dem alle Elemente der Galuth verbannt sind, und ihr Ziel ist die Wiederaufrichtung Zions, das der Sinn der jüdischen Volksexistenz und die Fleischwerdung des jüdischen Geistes ist. Wenn wir jetzt um jeden Preis mög* liehst viel Menschen nach' Palästina bringen und uns nicht scheuen, dort Winkelbörsen ziu errichten und Schwitzhöllen und Chalukah einzuführen, so haben wir vielleicht vielen Juden über ihre monnen* tanen Schwierigkeiten hinweggeholfen, aber dauernd geholfen haben wir auch diesen Juden nicht, denn das jüdische Volk bliebe weiter in der Verbannung und das Galuthschicksal würde sich wiederholen. Sicher ist es ein schwerer und bedrückender Ge* danke, daß der Abbau unseres Gemeinwesens Zeit braucht; aber in diesem Falle können wir uns wirklich mit Recht darauf berufen, daß nach der zweitaiusendjübrigen Dauer unserer Verbannung es aut ein oder das andere Jahr nicht mehr ankommen kann. Immerhin soll {nicht übersehen werden, daß auch Trietschs Kritik eine Fülle bemierkenswerter und fruchtbarer Einzelheiten enthält. So* zum Beispiel die Beanstandung der Forderung der Leitung, daß die Arbeiter die Mittel zur Ueberfahrt selbst stellen sollen. Ueber solche Einzelheiten wäre zu dis* kotieren, aber die Prätention, mit welcher Trietsch seinen. MaximalismUs. in die Arena führt, muß prinzipiell abgelehnt werden. Trietsch1 steht heute außerhalb jeder Verantwortung und kritisieren ist bekanntlich leichter als Aufbauen, zumal dabei ein wenig Dilettantismus keine so große Rolle spielt. Trietsdi aber ist ein Maximalist aus Diillettantismms Er hat in den letzten zwanzig Jahren unermüdlich gearbeitet, er hat eine Unmenge an Ideen und Einfällen produziert, von denen immer wenigstens einige durchführbar und wertvoll waren, aber im allgemeinen hat er es mit seinen Theorien und Aktionen nie sehr genau genommien. Trietsch war bekanntlich auch! mehrere Jahre in Palästina, ohne daß es ihm gelungen wäre, etwas Bedeutendes zu schaffen. Demgegenüber haben wir einen: Mann in der Partei, der nicht nur Theorien und Einfälle produziert, sondern tatsächlich ein Werk von über* ragender Bedeutung geschaffen hat, der durch den vollen Einsatz seiner integren: Persönlichkeit das Wunder vollbracht hat, im palästinensischen Juden* tum wirklich eine Autorität aufzurichten. Dieser Mann ist berufen, auch in der künftigen Ent* Wicklung eine ausschlaggebende Rolle zu spielen Und auf ihn setzt das jüdische Volk, das wenige seinesgleichen hat, seine größten Hoffnungen. Gerade in dem ChaOs, das in Palästina bei Beginn der Einwanderung zu entstehen droht, bei den uns wohl bekannten auseinanderstrebenden Tenden: und der jüdischen Undiszipliniertheit sowie den * dem Landesverhältnissen sich ergebenden Schwie rigkeiten, werden wir seine starke Hand, seinen ruhig und kühl erwägenden Verstand, seine selbst* lose, hingebungsvolle, präzise, gewissenhafte und dadurch Respekt erzwingende Arbeit brauchein. Darum müssen wir uns dagegen wenden, daß gegen diesen Mann, gegen Arthur Ruppin, in der Organisation eine derartige Agitation betrieben! wird, wie sie der dilettantische MaximalismUs, der sich jeder Verantwortung enthoben fühlt, eröffnet. Auch die Kolonisationsfrage mit all ihren Ein* zeih eiten hängt übrigens nicht nur von den prak* tischen Realitäten, sondern auch von den politischen Entscheidungen aib. Noch immer ist es schieier* haft, wann diese erfolgen werden. Wir hoffen, daß dies bald der Fall sein wird, damit er Zionismus freie Hand zur Arbeit bekommt. Die wichtigste Gruppe der Opposition ist zweifellos die palästinensische Arbeiterschaft, die immer drängender ihre Forderungen erhebt. Mit diesem Problem werden wir uns nächstens aus* ein andersetzen. Uebrigens scheint durch die letzten Beschlüsse des Aktionskomitees in der zionisti* sehen Verwaltung Palästinas eine grundlegende Aenderuing eingetreten zu sein. Hierzu einige weitere Bemerkungen: Der Anonymus der „Jüdischen Zeitung“ wendet den bekannten Trick an. den Standpunkt des Gegners zu verschieben, und zu karrikieren, um ihn besser amgreifen zu können. Es lohnt nicht, ausführlich auf alles einzugehen, was der Zurückweisung bedarf. Wenn der Betreffende aus seiner Anonymität heraustreten: wird, so dürfte ihm Gelegenheit geboten werden, näheres zu hören und auch zu antworten. Nur iim Interesse des Lesers soll hier auf einige Punkte eingegangen werden. Herr X verkennt den „Maximaliismüs“ komplett, wenn ier ihn „sofortige unbeschränkte Einwanderung großer Massen fordern“ läßt. Wir wenden uns vielmehr gegen die geplante g e wa 11s amie B es chrämkung der Ein Wanderung auf ein en kiel m en Bruchteil des Notw e n d i g e n u n d Durchführbaren und sehen schon Innerhalb der w e i t g e h e n d e n Vorbereitung sehr große Einwanderungsmöglichkeiten. Unter „amerikanischen Arbeitsgelegenheiten“ verstand ich deren G roß z ü g i g k e i t. Der Anonymus kann sich nichts anderes vorstellen, als diaß ich darunter Schwitzhöllen und Ausbeutung empfehlen, wollte. In meinen Aufbaupläinen, die sein Mißfallen, finden, hat er offenbar übersehen, daß ich für die Abschaffung jeden dauernden Arbeitertums überhaupt eiintrete. Es steht deutlich darin. Aber das hindert diese Leuchte unserer Journalistik nicht, mir antisoziale Tendenzen zuzuschreiben. Ich kann auch nicht einsehein, weshalb das mach Palästina ein wandern de Chal uk a-E 1 ernen t im der Balfourschen Erklärung zugunsten eines freien jüdischen Palästinas gerade für sich ein Einwanderuingsv er b o t erblicken soll, sondern meine, daß auch dieses Element nun zahlreicher kommen wird als früher, und ich halte es für zionistischer daß arbeitsunfähige unterstützte Volksgenossen in Palästina leben als in Pogrom ien. Was den „zionistischen Geist“ betrifft, will ich mit einem Anonymus nicht streiten. In diesem Augenblick handelt es sich jedenfalls mehr um1 die Schaffung der Majorität-in Palä-stina als um den Geist eines Herrn X, der mich darüber aufklären will, daß der Zionismus nicht identisch mit Judenhilfe sei. „Er hat nicht den Sinn — sagt X — heute und sofort jedemi einzelnen Juden aius seiner momentanen materiellen, Bedrängnis zu helfen, sondern er erstrebt —- und das ist etwas grundsätzlich anderes — eiine Total lösung der jüdischen Frage.“ Jenen Sinn hat er inl der Tat nicht. Aber der in den schönsten Wortbildungen schwelgende Herr X will wohl die Total lösung dadurch herbei-

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