Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 44-45 (30.10.1919)
- Date
- 1919-10-30
- Page
- Seite 1429-1430 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649309--0887-2650251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1429 14 HO VOLK UND LAND Agudas Jisroel und Palästina - Arbeit Auf dem Delegiertagdes Gruppenverbandes der Agudas Jisroel in Deutschland, der in Halberstadt stattfand, wurde folgende Resolution angenommen: „Für das Verhältnis der Paläsfinaarbeif der Agudas Jisroel zu der anderer Organisationen sei Grundsatz: Bei Gegensätzen grundlegender Bedeutung ist organisatorische Vereinigung unmöglich, bei Uebereinstimmmung in praktischen Zielen ist Arbeitsgemeinschaft wünschenswert, wenn sie keinerlei Aufgabe von Prinzipien bedingt. Hieraus ergibt sich, daß 1. die Agudas Jisroel prinzipiell bereit sein soll, in wirtschaftlichen und sozialen Fragen mit der Zionistischen Organisation zusammenzuarbeiten, soweit diese Bürgschaften gibt, daß auf dem gemeinsamen Arbeitsgebiet das Thoragesetz nicht übertreten wird. 2. Soweit auf kulturellem Gebiet Uebereinstimmuing zwischen Misrachi und Agudas Jisroel inbetreff der Tendenzen und Arbeitsziele besteht, ist Zusammenarbeit mit dem Misrachi möglich und erwünscht, sofern der Misrachi in Durchführung derselben durch seine Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation nicht behindert ist. Vor allem muß das orthodoxe Erziehiungswesen in Palästina völlig unabhängig von der allgemeinen zionistischen Schulkommission (Waad Hachinuch) sein.“ Personalia Oberst Meinertzhagen, der zum Hauptbeamten für politische Interessen, und General W atts on, der zumi Verwa 1 tungschef von Palästina ernannt worden ist, haben sich nach Palästina begeben, um ihr Amt anzutreten. Wie der „Doar Hayom“ meldet, ist Leutnant Colonel Norman Bentwich, der bis jetzt als Stellvertreter des Oberrichters Ln dem okkupierten Gebiet der Türkei fungierte, zum Oberrichter ernannt worden. N. Bentwich ist der Sohn des ersten englischen „Chowewe Zionisten“ Herbert Bentwich. Die Britische Verwaltung in Palästina Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Die Britische Militärverwaltung in Palästina (O. E. T. A. d. i. Occupied Enemy Territories Administration) verwaltet Palästina nicht nach dem alten türkischen System der „Sanjaks“, sondern hat das Land in Distrikte zerlegt, von denen viele den alten „Kazas“ entsprechen. Alle Distrikte unterstehen direkt dem Hauptquartier in Jerusalem. Es sind 10 Distrikte eingerichtet worden und zwar Berseba, Gaza (Subdistrikt Mechdel), Hebron (Subdistrikt Deir Aban), Jaffa (SubdistriJkt Ramleh), Jerusalem JSubdistrikte Bethlehem, Ramallah, Jericho), Tulkeram, Nablus, Jenin, Galiläa) (Subdistrikte Nazareth, Tiberias, Saffed, Beisan), Haifa (Subdistrikt Acre). Beim Hauptquartier in Jerusalem sind folgende Departements eingerichtet worden: Departement P (Personalia und Politik), Q (allgemeine Verwaltung), F (Finanzen), L (Justiz), M (Sanitätswesen), W (öffentliche Arbeiten), C (Waren-Niederlagen), R (Steuern), Ag (Agrikultur), La (Bodenregistrierung), Fp (Polizei), Ec (Wirtschaftsdepartement), P. Ed. (Erziehungswesen), Vet (Veterinärwesen), A c (Rechnungswesen). Eine Warnung Dem Palästina-Amt in. Wien ist im Wege des Zionistischen Büros in Kopenhagen vom Palästina-Amt in Jaffa folgender vom 17. September datierter Brief zugekommen: „Wir bestätigen den Empfang Uwes Schreibens vom 10. Auguet und freuen uns sehr mit Ihren Nachrichten, die nach so langer Unterbrechung wieder eingelangt sind. Wir hoffen, daß in naher Zukunft die Postverbindung sieh stabilisieren wird und wir dann in eine innigere Korrespondanz treten können. Der erste Transport ist glücklich angekommen, aber bei der Landung gab es Schwierigkeiten, denn bei den Visen fehlten einige Förmlichkeiten. Nur der Vorzug, daß die meisten Beanstandeten tatsächlich aus Palästina stammten, ermöglichte ihnen die Landung; diejenigen aber, die nicht aus Palästina stammten und keine aus- | drückliche Erlaubnis für die Landung hatten, durften ' vorerst nicht landen. Mit schwerer Mühe haben wir j denselben schließlich auch zum Landen verholten, doch | nur provisorisch unter unserer Verantwortung und vorj behältlich der endgültigen Entscheidung. Man möge, künftig genau darauf achten, daß niemand ohne die vollständig, gesetzlich vorgeschri ebenen Dokumente hierher fahre. Die hier Gelandeten erzählen von den übertriebenen Nachrichten, welche im Ausland über das hiesige „Paradies“ verbreitet sind und daß diese Nachrichten sogar zur Liquidierung von Geschäften und infolgedessen zum wirtschaftlichen Ruin der Betroffenen führen, die alle die Möglichkeit der Herreise so ersehnt haben. Sie führen alle Klage darüber, daß die Zeitungen solche märchenhafte Hoffnungen erwecken. Wir erachten es als unsere Pflicht, zu warnen und nochmals zu warnen vor diesen Ueberweisungen, welche keine Grundlage haben. Die Lage hierzulande entspricht noch nicht einmal den Verhältnissen vor dem Kriege, denn weder die politischen noch die wirtschaftlichen Bedingungen sind vorerst ins klare gerückt und es gibt auchi keine wie immer geartete Arbeit für die Neuankommenden.i Weder gibt es Boden m kaufen noch andere Geschäfte. Die Ankommenden sehen sich in ihren im Auslande erweckten Hoffnungen hier vollständig enttäuscht und ist es Pflicht, dem Publikum diese Wahrheit mitzuteilen.“ Palästina -A.- G. „Chiram“ Die vor einiger Zeit in Kopenhagen ins Leben gerufene Palästina-Aktiengesellschaft „Chiram“ hat ihre Arbeit nunmehr aufgenommen. Die Leitung der Geschäfte liegt in Europa in den Händen des Herrn William Perlis, Kopenhagen. Die Zweigniederlassung in Palästina steht unter der Leitung des Herrn Josef Salzmann. Von dem Aktienkapital der Kopenhagener Gesellschaft sind 500000 dänische Kronen eingezahlt. In kurzem wird eine Niederlassung in London eröffnet werden. Die Gesellschaft hat größere Mengen derjenigen Waren, die Palästina zurzeit am meisten entbehrt, eingekauft: Baumaterialien aller Art, insbesondere ISchnittholz in großen Mengen, Dachdeckungsmaterialien, Orangenkisten, Maschinen, Einrichtumgs-, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenstände. Die Gesellschaft beabsichtigt, auch den privaten Güterverkehr nach Palästina in weitem Maße zu fördern und ist bereit, Stückgüter mit ihren Sendungei zu expedieren. Der erste Transport im Umfange von über 2000 cbm. geht am 25. Oktober ab, ein zweiter folgt voraussichtlich im Dezember. Anfragen sind zu richten an: Palästina Aktieselskabet Chiram, Kopenhagen, Frederiksbeiggade 27. Telegrammadresse: Chiram, Kopenhagen.) (K. Z. B.) Bodenerwerb Nach statistischen Angaben haben die jüdischen Kolonisten in Palästina trotz der Schwierigkeiten, die sie (unter dem türkischen Regime zu überwinden hatten, folgende Bodenteile erworben: in Judäa und Samaria 181000 Dunam, wovon mehr als ein Drittel bepflanzt worden Ist und zwar auf folgende Weise: