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Volk und Land · 1919-10-30 · Heft 44-45 (30.10.1919) · p. Seite 1423-1424

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 44-45 (30.10.1919)
Date
1919-10-30
Page
Seite 1423-1424 (sequence 28)
Language
German
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1423 VOLK UND LAND 1424 litat, sich auf eine scharfe Krise gefallt machen. Um dieser Situation möglichst abzuhelfen, werden gegenwärtig große Anstrengungen gemacht, um die ausländischen Arbeiter zu amerikanisieren und ihre Lebenslage zu verbessern. Es werden ebenfalls professionelle Schulen gegründet, um wiikiiche Amerikaner in den Handwerken auszubilden, die bisher von Juden, polnischen oder rumänischen Ursprungs, ebenso wie von Griechen, Italienern und Südslawen ausgeübt wurden, die jetzt in Massen nach ihrem Heimatlande zurückströmen. Alle diese Mittel jedoch werden keine nennenswerten Resultate vor einer gewissen Zeit bringen und die Krise ist jetzt eminent. Das deutlichste Resultat wird zweifelsohne eine Verminderung der Produktion und ein neues Steigen der Löhne sein.“ (Les Echos de FExportation, Paris.) Jüdische Handelskammer in London Die jüdischen Zeitungen Londons veröffentlichen einen Aufruf zur Gründung einer jüdischen Handelskammer in London, deren Aufgabe es sein soll, die jüdischen Handelsbeziehungen mit den anderen Nationen der Welt zu schützen und zu entwickeln. Eine Reihe prominenter jüdischer Kaufleute nimmt an den Gründungsvorbereitungein aktiven Anteil. PALAEST1NA Die Misrachi Konferenz in Palästina Dem K. Z. B. wird aus Palästina berichtet : Die soeben abgeschlossene Misrachi-Konferenz in Jerusalem gehört zweifelhaft zu den bedeutsamsten politisch-organisatorischen Ereignissen innerhalb der palästinensischen Judenbeit. Die Konferenz lieferte den besten Beweis für den entscheidenden Progreß, den der alte Jischmv in den letzten zwei Jahren durchgemacht hat. In weiten zionistischen Kreisen in den Galuthländern herrschen offenbar ganz verkehrte Ansichten über die jüdisch-nationale Gesinnung der orthodoxen jüdischen Kreise. Man hat sich daran gewöhnt, gegen diese neuen Zionisten, die man bestenfalls als „Deklarationszionisten“ bezeichnete, Mißtrauen zu hegen. Die Konferenz hat bewiesen, daß diese Auffassung völlig unbegründet ist, daß das orthodoxe Judentum in Palästina auf dem Wege einer vollständigen Zionisierung ist und daß auf diesem Gebiete dem palästinensischen Misrachi eine große Rolle beschießen ist. Schon äußerlich bot die Konferenz ein ungewöhnliches Bild. Noch vor zwei Jahren hätte man es für unmöglich gehalten, eine parlamentarische Konferenz mit der hauptsächlichen Beteiligung von Kaftan- und Peiesjuden, zumal in einer Synagoge abzuhalten. Der ,Jeschi wa-Tempel“ in Meah Schearim wurde für die Konferenz eigens hergerichtet und geschmackvoll ausgeschmückt. Nachdem Herr Zobner die 70 Delegierten und die zahlreichen Gäste namens der misrachistischen Ortsgruppe Jerusalems begrüßt hat, hält Rabbiner Hurw i t z die feierliche Eröffnungsrede. War seine Ansprache fast durchweg eine religiöse vom alten Schlage der jüdischen Maggids, so schlug der zum Vorsitzenden gewählte Rabbiner Fischmann eine ganz andere Note an. „Jahrein, jahraus“ sagte Herr Fischmann, „schlossen wir unsere Misrachi-Konferenzen mit dem stillen Gebet „Im nächsten Jahre in Jerusalem“. Lob und Preis dem Gott Israel, der diesen unseren Wunsch nunmehr hat zur Tatsache werden lassen. Diese Konferenz ist die erste national-religiöse Konferenz des Judentums auf seinem eigenen Boden seit der Zerstörung Jerusalems!. Die orthodoxen Juden waren die ersten, die zum Aufbau des Jischuw herbeigeeilt sind und sie werden auch jetzt nicht die letzten sein. Wir erblicken unsere Aufgabe darin: alle religiösen Juden in unserem Lande sollen sieh um die Fahne Misrachi scharen. Unser Programm ist: Religion und Nation! Auf diesem Wege wollen wir unerschütterlich vorwärtsgehen.“ Die Rede Fischmanns, die schwungvoll und in einem glänzenden Hebräisch gesprochen wurde, wurde von der ganzen Versammlung mit stürmischem Beifall aufgenonrmeni. Zahlreich waren die emgclauienen Begrüßungen. Einen starken Eindruck machte insbesondere die Begrüßung des Chacham Baschi von Jaffa, Rabbi Ben Zion Usiel, der in lebhaften Ausführungen die Entwicklung des jüdischen Lebens in Palästina in den letzten zwei Jahren schilderte. Der Redner sprach warme Worte des Lobes und begeisterter Anerkennung für die tapferen jüdischen Legionäre, die von der ganzen Versammlung mit starken Enthusiasmus angehört wurden. Allgemein ist das neue, bis jetzt ganz unbekannte Moment aufgefatlen: Sämtliche Reden waren in tadellosem, modernem Hebräisch gehalten. Auch die ausländischen Delegierten aus Kairo, aus Damaskus und Saloniki sprachen hebräisch und wurden von der Konferenz mit demonstrativer Begeisterung aufgenommen. Die Berichte der Delegierten gaben ein charakteristisches Bild von der Tätigkeit des Misrachi in Palästina. Der objektive Hörer mußte zugeben, daß, wenn die Organisierung der palästinensischen Judenheit tatsächlich erreicht werden soll, dies nur unter der entscheidenden Beteiligung des Misrachi erreicht werden kann. Der Vertreter Jerusalems berichtet, daß die dortige Ortsgruppe 800 zahlende Mitglieder vereinigte Die angesehensten orthodoxen Persönlichkeiten Jerusalems gehören dem Misrachi an. Im Laufe des Jahres haben 90 Versammlungen in Jerusalem stattgefunden. Große Fortschritte macht die misrachistische Frauenvereinigung in Jerusalem. Das Waisenhaus ist unter die Verwaltung des Misrachi gestellt worden, der dort das Hebräische vollständig durchgeführt hat. Der Misrachi entwickelt eine lebhafte Tätigkeit zugunsten des Jüdischen Nationalfonds und ist gerade dabei, eine große landwirtschaftliche Tätigkeit unter den orthodoxem Elementen duTchzuführen,. Rabbiner Slonim, der Delegierte aus Hebron, berichtete: „Die Ortsgruppe Hebron ist vor etwa einem Jahre entstanden;. Fast sämtliche Juden unserer Stadt sind dem Misrachi beigetreten. Es ist uns gelungen, mehrere Juden in die Regierungsstellen1 zu bringen'. Wir haben uns hauptsächlich bemüht, die sozial-ökonomische Lage unserer Gemeinde zu verbessern. Wir haben eine Mühle gegründet, die mehreren jüdischen Familien Brot gibt. Auf Veranlassung des Palästina-Amtes schritten wir an mehrere Bodenkäufe, die wir aber inzwischen auf Verordnung abbrechen mußten.“ Der Redner schlug vor, die Konferenz möge beschließen, in Hebron ein Lehrerseminar zu eröffnen. Delegierter Kalirs aus Tiberias berichtet: „Die größte Zahl der in Tiberias wohnenden 4000 Juden neigen zum Misrachi. Sämtliche Gemeindeführer und angesehene Persönlichkeiten gehören der Ortsgruppe an. Der Vorsitzende der Ortsgruppe in Tiberias ist der Chacham-Baschi Abulafiaf. Der Misrachi in Tiberias gründete einen Rettungsfonds für die Pogromopfer in Polen und der Ukraine, der bereits ansehnliche Beträge auftreiben konnte. Wir gründeten in Tiberias den Handwerkerverein. Hauptsächlich aber sind wir stolz darauf, daß es uns gelungen ist, die Herrschaft <Jes Hebräischen in Tiberias in Schule und Gemeinde durchzuführeni. Die beiden Waisenhäuser sind in die Verwaltung des Misrachi übergegangen. Wir gründeten die Gesellschaft „Haus und Garten“ für unsere jemenitischen Brüder.“ Der Redner verlangt die Errichtung einer Lesehalle und Bibliothek, sowie die Eröffnung von Bildungs-Kursen für die Heranwachsende Jugend in Tiberias. Der Vertreter der Ortsgruppe Saffed berichtete, daß der dortige Misrachi 150 Mitglieder zähle. Leider konnte der Misrachi keine erfolgreiche Tätigkeit entwickeln. Unter den Juden in Saffedl herrscht eine starke Neigung für landwirtschaftliche Betätigung. Leider erweise man ihnen

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