Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 44-45 (30.10.1919)
- Date
- 1919-10-30
- Page
- Seite 1421-1422 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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1421 VOLK UND LAND 1422 lassen könnten, dem Antrag Stricker entgegenzutreten. Der Antrag ist auch kein Novum, der Landtag der Bukowina hat seinerzeit die Scheidung nach Nationalitäten unter Berücksichtigung auch der jüdischen Nation in einem Gesetze beschlossen. Auch der mährische Landtag hat eine ähnliche Maßnahme durchgeführt. Es ist eine Fälschung der Tatsachen, wenn die deutsche Nation immer in ihrer numerischen Stärke belastet ist mit der Zuzählung der Juden, die sich heute als Tschechen, morgen als Deutsche bekennen. Es sei datier zu bedauern, daß der Staatskanzler dieser Frage eine solche Bedeutung beimißt, daß er förmlich die Vertrauensfrage an uns richtet und mit dem Einsetzen seiner Persönlichkeit von uns verlangt, dem Anträge die Zustimmung zu versagen. Einem Argumente in der Rede des Staatskanzlers müsse Redner allerdings recht geben, nämlich dem Hinweise darauf, daß es sich jetzt nur um eine durch die Not gebotene Volkszählung handelt, die in sehr kurzer Zeit von einer definitiven Volkszählung abgelöst werden soll. Die Annahme des Antrages Stricker würde eine Verzögerung der so dringend notwendigen Volkszählung nach sich ziehen, was Ln diesem Augenblick nicht verantwortet werden könne. Schon heute richte Redner aber an die Regierung die Aufforderung, für die definitive Volkszählung im Jahre 1920 die Vorkehrungen dahin zu treffen,, daß dem Antrag Stricker Rechnung getragen werde. Für seine Person — und er spreche heute nur für seine Person, da der Klub sich mit der Frage noch nicht zu beschäftigen Gelegenheit hatte — - könne Redner sich, wenn es sich um eine endgültige Volkszählung handeln werde, nicht entschließen, einem gleichen Antrag die Zustimmung zu verweigern. Nur mit Berücksichtigung des Umstandes, daß es sich gegenwärtig um eine provisorische Volkszählung handelt, und insbesondere mit Rücksicht darauf, daß die endgültige Volkszählung in sehr kurzer Zeit erfolgen wird, trete er heute dafür ein, gegen den Antrag Stricker zu stimmen. Bei der Abstimmung über den, Antrag Stricker beantragte Abgeordneter K i 11 i n g e r die Feststellung des Stimmenverhältnisses. Der Antrag wird mit 4$ gegen 25 Stimmen a b - g dehnt. WIRTSCHAFT Leder und Schuhindustrie für Palästina Die „Jüdische Volkszeitung“ (Preßburg) veröffentlicht folgendes Projekt der Gründung einer Schuh- und Lederindustrie für Palästina, das aus der Feder eines Fachmannes stammt, der überdies versichert, daß das Projekt von den Herren Prof. Dr. Otto Warburg und Dr. Arthur Ruppin geprüft wurde und das angeregte Unternehmen von ihnen als rentabel angesehen wird. Herr Weinfeld skizziert sein Projekt folgendermaßen: Der Titel des Unternehmens könnte etwa lauten: „Prodüktenverwertungs-Aktiengesellschaft, Jaffa“. Es soll der Lederfabrik eine Gerberschule angegliedert werden. Es wäre überflüssig, statistische Aufstellungen zur Begründung des Bedürfnisses und der Rentabilität zu veröffentlichen, nachdem das zu gründende Unternehmen nicht den zwanzigsten Teil des leicht zugänglichen Landesbedarfes zu decken imstande wäre, noch viel weniger die aufkommenden Produkte aufzuarbeiten. Abgesehen davon, daß ich selbst Fachmann bin, habe ich vor zwei Jahren auch an Ort und Stelle in der Türkei reichliche Erfahrungen gesammelt. Folgende Daten über die Art der Beschaffung von Rohleder und Gerbestoffen mögen hier Platz finden: Es werden von arabischen Händlern Schaf-, Lamm-, Zicgenfelle und andere Rohleder aufgekauft und teilweise nach Smyrna und Konstantinopel Weiterverkauf!. Diese Sorten dienen in Europa zur Erzeugung von diversem Oberleder. Es kommen ferner in Betracht Esel-, Kamel- und teilweise auch Kuh- und Ochsenhäute, von welchen ein Teil für die dort landesübliche Beschuhung verwendet werden kann. Der größte Teil hiervon kann jedoch für Sohlenleder verarbeitet werden. An Gerbestoffen ist Palästina und die benachbarten Länder sehr reich; werden ja aus den Nachbargebieten größere j Mengen von Gerbestoffen nach allen europäischen Staaten i exportiert. Die zu gründende Fabrik wäre in den ersten Jahren! kaum in der Lage, alles aufkommende Material zu verarbeiten. Infolgedessen müßte der Rest der Ware zu einer Art Halbprodukt hergerichtet und in diesem Zustande exportiert werden. Es käme ferner in Betracht eine Manipulation und Sortierung für die verschiedenen aufkommenden Wollen und Haare dieser Produkte. Dieselben, könnten, sofern man sie im Inlande nicht verwerten kann, ebenfalls exportiert werden. Wiewohl der jetzige Zeitpunkt, mit Rücksicht auf die j ungeklärten Verhältnisse nicht geeignet ist, das Unternehmen der Verwirklichung zuzuführen, so könnten ' doch die vorbereitenden Schritte zur Aufbringung des Aktienkapitals aus den Kreisen der Interessenten — wobei ich in erster Reihe an die jüdische Bevölkerung der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie denke — unternommen werden. Meiner Anschauung nach würde zunächst ein Kapital von 4 Millionen Mark in Betracht kommen, zwecks Durchführung folgender Aufgaben: Die Erbauung einer Lederfabrik mit angegliederter Schuhfabrik und 5 großen Sälen für die Gerberschule samt Nebenräumen würde einen Aufwand von ca. 700000 Mark erfordern. Die hierzu nötigen Einrichtungen und Maschinen würden sich auf 700000 M. stellen. Als Betriebskapital zu diesem Unternehmen wäre ein Betrag von 1400000 M. notwendig. Hierzu kämen noch die Kosten des Produktenverwertungsgeschäftes sowie des Manipulationsgeschäftes. Hierfür würde man 60 Leute von Fach benötigen, und zwar 5 technische Leiter für das Leder-, Schuh- und Manipuiationsgeschäft, 20 Fadi-! arbeiter für die Lederfabrik, 20 Facharbeiter für die Schuhfabrik und 15 Fachleute für den Einkauf und die Manipulation des Produktengeschäftes, 100 Tagelöhner, Lehrjungen und Mädchen, ferner 100 Schüler. Innerhalb eines Jahres wäre ich imstande, die aufzunehmenden j Schüler sukzessive bis auf den letzten als Facharbeiter heranzubilden,, so daß wir schon nach einem Jahre 100 eigene Fachleute bei diesem Unternehmen verwenden . könnten. Ueber die Rentabilität dieses Unternehmens möchte ich nicht viel Worte verlieren, nachdem ich selbst, der ich die einschlägigen Verhältnisse im ganzen Kontinent ziemlich gut kenne, bloß von materiellen Erwägungen geleitet, mich als erster Gründer mit einem Betrage von 50000 M. beteilige. Zionismus und Konfektion „Der Erfolg der zionistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten verursachte große Beunruhigung in den Konfektions-Industrien, deren Arbeiter größtenteils eingewanderte Juden sind, die der Bewegung mit Enthusiasmus angehören. Die „Zionist Society“ beabsichtigt eine Muster-Kolonie von 100000 Juden in Palästina anzusiedeln; die zum großen Teil aus den Vereinigten Staaten kommen würden. Man rechnet, daß zirka 8000 Arbeiter des Schneider-Gewerbes auswandern werden. Nachdem die Arbeiterzahl in diesen Industrien seit dem Kriege infolge des Einwanderungs-Verbotes schon ungenügend ist und viele Arbeiter in die Fabriken der Kriegsindustrie abgewandert sind, so muß man, bei der äußerst wahrscheinlichen Realisierung dieser Eventua-