Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 44-45 (30.10.1919)
- Date
- 1919-10-30
- Page
- Seite 1393-1394 (sequence 13)
- Language
- German
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VOLK UND LAND 1494 1393 wichtig als daß sic an Bedenken dieser Art scheitern dürfte. Zu dem Angriff auf den Erreger der Malaria gehört auch die Chininprophylaxe (varbeugende Chininbehancilung). Regelmäßig durchgefiihrt ist sie in schweren Malariagegenden von Wert. Die kämpfende Truppe konnte ihrer nicht entraten. Die Schwierigkeiten liegen in der absoluten Regelmäßigkeit der Durchführung, sowie auch in einigen Gründen rein ärztlicher Art, deren Ausführung hier zu weit führen würde. Ich glaube, daß sie unter bestimmten Verhältnissen und in der richtigen Form Vorteile bringen wird. Das in Palästina häufig geübte Vorgehen mit 0,25 gr täglich ist nach Ansicht des deutschen Malariaforschers Ziemann, mit dem ich die jüdischen Kolonien Obergaliläas zum Studium der Malariaverhältnisse besuchte nicht ausreichend. Fast wichtiger als der Kampf gegen den im Menschen befindlichen Erreger der Krankheit ist der Feldzug gegen den Ueberträger, die Anophelesmücke. Es handelt sich im wesentlichen darum, ihre Brutplätze, stehende und langsam fließende Wasserstellen aller Art, von der weggeworfenen und vollgeregneten Konservenbüchse bis zum Teich und Sumpf auszutrocknen oder für die Brut unbewohnbar zu machen. In Jerusalem waren die Zisternen eine Hauptbrutstätte der Mücken. Die Engländer sollen sie zugeschüttet und durch eine; Wasserleitung von den Salomonischen Teichen her | ersetzt haben; das ist nun ein heroisches Mittel,! denn eine Zisterne ist bei dem langen und trockenen i Sommer immer äußerst wertvoll und man kann | sie auch vor Mücken schützen. Sorgfältige Sauberkeit der Straßen, gute Abwässerungsbeseitigung, j vielleicht auch hier und da Petrolisieren von kleinen Wasserflächen können' helfen. In den jüdischen; Kolonien hält man viel von den Anpflanzungen von Eukalyptusbäumen gegen Malaria. Diese sehr schnell wachsenden Bäume trocknen den Boden aus und gewähren auch schnell angenehmen Schatj ten. Ihre Wirksamkeit gegen Malaria wird wohl j etwas überschätzt. Die Hauptsache wird die gute! Regulierung der Flußläufe tun, bei der die kleinen { z. T. mit Gestrüpp überwachsenen Tümpel in den ) Wadis mit beseitigt werden müssen. Ich glaube J allerdings, daß zwei Umstände in der Zukunft eine j Vermehrung der Malaria im Gefolge haben werden. Erstens werden die bei der großzügigen Kolonisation, bei den Stromregulierungen bei der Hebung der Bodenschätze, beim Bau von Wegen, Eisenbahnen und Ortschaften notwendigen Erdi arbeiten und die Heranziehung von infizierten Ari beitem eine große Zahl von neuen Malariaerkrankungen und eine Verschleppung in bisher freie Orte zur Folge haben. Das ist eine alte Erfahrung, die man bisher immer bei großen Erdbauten in Malarialändern gemacht hat (Panamakanäl, Bägdadbahn). Zweitens wird die dem Lande dringend notwendige künstliche Bewässerung, die von allen i Projekten vorgesehen wird, den Mücken gute Brutplätzc schaffen, ja eine durchgreifende Mückenbekämpfung vielleicht unmöglich machen. Um so mehr Wert wird auf die anderen Mittel der Malaria- | bekämpfung gelegt werden müssen. Bewährt hat sich in vielen tropischen Kolonien, in Italien und auch in Palästina die sogenannte j mechanische Prophylaxe, d. h. der Schutz vor dem | Stich der Mücken durch Mückenschleier und Netze über den Betten, sowie vor den Türen und Fenstern. Diese Methode ist auch wirklich gut aber sehr kostspielig, erfordert viel Sorgfalt und ist besonders in der Landwirtschaft nicht immer durchzuführen. Es ist ein Irrtum, daß die Malariamücken j nur am Abend stechen. Sie bevorzugen die Dämme- { ning und Dunkelheit, gelegentlich stechen sie aber auch am Tage und der tätige Mensch kann sich nicht immer unter dem Mückennetz bewegen. Auch durch ein Insekt, die Sandfiieg^ (Phlehotanus) wird das Papputanfieber übertragen. Es ist eine drei Tage dauernde hochfieberhafte Erkrankung, der oft eine vvochenlange unangenehme Rekonvaleszenz folgt. Die Krankheit befällt fast jeden, der in das Land kommt. Sie ist unangenehm aber ungefährlich. Moskitonetze bieten gegen die sehr kleinen Ueberträger keinen Schutz. Aehnlich sind die Erscheinungen der in Syrien zu mancher Zeit sehr häufige Dengue- Krankheit. Eine schwere Plage bilden heute in Palästina neben der Malaria die ansteckenden Darm krankheiten, besonders rühr- und typhasähnüche Erkrankungen und gelegentlich auch die Cholera. Ruhr tritt meistens in der schweren und hartnäckigen Form ,der tropischen Amöbenruhr auf, gegen die wir zwar ganz gute Mittel besitzen, die aber doch oft £U schwerem Siechtum oder zum Tode führt. Der eigentliche Bauchtyphus ist selten, wird aber durch den Paratyphus, der ihm sehr ähnlich ist, ersetzt. Ferner spielen Durchfälle aller Art im Lanu'e eine große Rolle, besonders in der heißen Jahreszeit. Sehr gefürchtet ist die asiatische Cholera, pie an einzelnen Orten und in einzelnen Sommern sehr viele Opfer fordert. Ihr Auftreten war ganz sprunghaft. Der Sommer 1917 brachte Tiberias eine schwere Epidemie, während der Sommer ,1918 unter ungünstigeren allgemeinen Verhältnissen fast cholerafrei war. Die Darmkrankheiten sind meistens auf den Genuß verunreinigter Nahrungsmittel (besonders Früchte und schlechtes Trinkwasser) zurückzuführen, aber Erkättungsursachen spielen auch eine Rolle. Die Verunreinigung geschieht oft durch kranke Menschen, die sich gesund fühlen aber doch die Krankheitserreger beherbergen (Bazillenträger), ferner durch den Staub, in dem häufig die ausgetrockneten, infektiösen Ausscheidungen der Kranken verweht werden, ferner durch Fliegen. Der Kampf gegen die Darmkrankheiten hat zunächst mit einer Hebung der allgemeinen Sauberkeit im weitesten Sinne zu beginnen. Wieder ein inniger Zusammenhang zwischen Gesundheit und allgemeiner Kultur. Die Basare mit ihren schmutzigen Verkäufern und Käufern, den Fliegen, dem Staub müssen verbessert werden. Die Lebensmittel müssen gegen Staub und Fliegen geschützt und vor dem Genuß gereinigt oder gekocht werden. Mit Verordnungen ist da nicht viel zu erreichen, das Verständnis der Bevölkerung muß gehoben werden. Die Juden werden die praktische Hygiene schnell lernen, aber bei den Arabern wird das noch Lange dauern. Sache der Sanitätsbehörden ist Absonderung der Erkrankten, Bewachung der Erzeugung und des Verkehrs mit Nahrungsmitteln, Kontrolle des Trinkwassers. Man findet noch oft in Palästina die Zisternen in großer Nähe der Abortgruben, so daß eine Kommunikation zwischen Fäkalien und Trinkwasser leicht möglich ist. Diese Zustände sind fiir die Verbreitung der Darmkrankheiten natürlich sehr günstig. Den typhusähniüchen Erkrankungen kann man das Maltafieber anreihen, dessen Erreger durch Ziegenmilch und Ziegenkäse übertragen wird. Es ist ein langes und zehrendes Fieber, dem schwer beizukommen ist. Es ist durch Kochen der Milch zu vermeiden. Allerdings müßte man dann auf den Ziegenkäse verzichten. Die Krankheit hat für Palästina aber keine große Bedeutung. Furchtbare Opfer, besonders unter den Juden des alten Jischmv, forderte das. Fleck fieber. Am schlimmsten waren Safed und; Tiberias be-