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Volk und Land · 1919-10-30 · Heft 44-45 (30.10.1919) · p. Seite 1391-1392

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 44-45 (30.10.1919)
Date
1919-10-30
Page
Seite 1391-1392 (sequence 12)
Language
German
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13Q1 ==--_—-■--=== VOLK LND LAND -1392 Der Kampf matt wesentlich an drei Stellen ansetzen. Es handelt sich erstens da:am, die Mahvriaerreger im kranken Menschen abzutöten, mit andern Worten, den Kranken auszuheilen, damit er nicht von neuem zur Ansteckangsquelle wird, liier/a gehört auch die Vernichtung der Krankheitserreger im Menschen zu der Zeit, wo die Krankheit noch nicht zum Ausbruch gekommen ist. (Prophylaxe.) In zweiter Linie muß man die Ueberträger der Krankhe.t, die Anophelesmücken* vernichten, bzw. ihre Lebensbedingungen so versch.e^htern, daß sie sich nicht entwickeln können. DnLens muß man das Zusammentreffen von Mensch und Mücke — den eigentiehen Vorgang der Ansteckung — durch geeignete Vorrichtungen zu verhindern suchen. Für die erste Maßnahme, die Ausheilung des erkrankten Menschen, steht uns leider noch kein Mitte] zur Verfügung, das mit Sicherheit üje Krankheit beseitigt. Von allen vorhandenen Mitteln leistet am meisten das Chinin, wenn es in richtigerWej.se und in genügender Menge gegeben wird. Das Chinin ist heute in Palästina das gebräuchlichste Heilmittel bei allen möglichen Krankheiten. Der Beduine hat „Suffata“ (Chininsulfat) so gut in seinem Zelte wie der Jude des alten Jischuw auch wenn er noch so arm ist „e bisserle Chine“ in seiner Wohnung hält. Bei Kopfschmerzen, Magenschmerzen, bei jeder Art Fieber, man kann sagen bei allen Krankheiten wird zunächst einmal Chinin probiert. Daran ist in einem Malarialande etwas richtiges, weil man bei der großen Verbreitung der Kraniche t und der Verschieuer.ardgkeit ihrer Symptome wirklich immer zuerst an Malaria denken muß. Nur wird von Laien und auch von schlecht vorgebildeten Medizinalpersonen mit dem kritiklosen Chiningeben ein großer Schaden angerichtet. Es wird entweder Chinin gegeben, wo es nicht nötig ist, wodurch oft eine Gewöhnung und damit eine verminderte Wirksamkeit des Mittels eintritt, oder, und das ist das schlimmere, es wird in den wirklichen Maiariafällen zu wenig und zu kurze Zeit gegeben. Hierdurch werden zwar oft d ie Fieberanfälle für eine gewisse Zeit kupiert, aber die Krankheit nichi ausgehcilt, was doch für den Kranken und für das ganze Land das zu erstrebende Ziel ist. Es kommt dann häufig zu den in Palästina sehr zahlreichen chronischen Maiariafällen, die jahraus jahrein ihre Fieberanfälle haben, dann etwas Chinin nehmen, bis sie fieberfrei sind, uind die doch ständig die Malariakeime im Blut oder in den inneren Organen tragen und zur Quelle neuer, ungezählter Ansteckungen für andere Menschen werden. Eine wirklich rationelle Maiariabehand.ung und -Bekämpfung kann nur durch besonders geschulte Aerzte erfolgen, die mit dem Mikroskop gut umzugehen verstehen, und deren Anordnungen durch den Staat zu größtmcg.kher Wirksamkeit verholten wird. Zur Bekämpfung der Malaria wären Malariastationen an verschiedenen Orten zu errichten, deren Zahl von den Verkehrs Verhältnissen abhängig wäre; auch Wanderstationen kämen in Betracht Diese Stationen müßten aufs engste einer straffen Sanitätsorganisation angegliedert sein. Sie würden den Regierungsärzten unterstehn und die Kampfeinheiten im Feidzuge gegen die Seuchen bilden. Die Stationen hätten folgende Aufgaben: 1. Regelmäßige Btutuntersuchungen bei der gesamten Bevölkerung zur Herausfindung der Parasitenträger. Diese werden gezwungen, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Die Behandlung der fieberfreien Parasitenträger müßte in jedem Falle kostenlos erfolgen, am besten die ärztliche Behandlung der Malaria überhaupt. Der Arzt müßte entweder vom Staat oder von einer allgemeinen Zwangskrankenkasse für Malaria nicht pauschal, sondern für seine einzelnen Leistungen am Kranken (Beratung, Untersuchung usw.) bezahlt werden. Er maß verpflichtet sein, seine l Jntersuchungsergebnisse klinischer und mikroskopischer Art der Malariastation za übersenden. Diese Station führt für jeden Bewohner des von ihr versorgten Bezirkes eine Untersuchangsliste. Aerzdicl.e Behandlung und Beratung durch die Station findet nicht statt, sondern bleibt den freie Praxis ausübenden Aerzten überlassen, ln Notfällen und unter besonderen Verhältnissen (z. B. abgelegene Gegenden ohne Arzt) sind Ausnahmen zu gestatten. Die Aerzte müssen an Einkommen und gesellschaftlich so gestellt sein, daß sie Bestechungen unzugänglich sind. Die unter türkischem Regime tätig gewesenen arabischen Stadtärzle waren sehr bestech.ich. Zurzeit ist die Durch Untersuchung und Durchbehandiung sämtlicher Kranken des Landes fast unausführbar, weil ein großer Teil der Bevölkerung, die Beduinen und Fellachen, auch ein Teil der Juden noch gar kein Verständnis für hygienische Fragen hat und gar nicht recht faltbar, geschweige denn kontrollierbar ist. Schon hier zeigt sich deutlich, daß die Lösung der hygienischen Frage nur möglich ist im Verein mit der Hebung der Gesamtküliur des Landes. 2. Di^ Stationen stehen den Aerzlen zur Untersuchung der Blutpräparate zur Verfügung. 3. Die Stationen sammeln das für die Bekämpfung so notwendige statistische Material, das zurzeit noch sehr unvollständig ist. Das Material muß von einer Zentralsanitätsbehörde bearbeitet werden, die aus den Ergebnissen die notwendigen Folgerungen zu ziehen hat. 4. Die Stationen beaufsichtigen die Durchführung auch sämtlicher sonst gegen die Malaria getroffenen Maßnahmen. Sie meiden der Zentralbehörde mangelhafte .Durchführung und ergreifen die Initiative für neue Maßregeln. 5. Den Stationen wären zweckmäßigerweise andere hygienische Untersuchungen auf Cholera-, Ruhrusw. Geschlechtskrankheiten, Ausführung der Wassermaiinsehen Reaktion, Impfstoffbereitung, ferner Nahrungsmittelbegutachtungen je nach Bedarf zu übergeben. Man könnte sie dann auch allgemein Seuchenstationen oder hygienische Institute nennen, .doch wird immer die Malariabekämpfung im Vordergrund ihrer Tätigkeit stehen. 6. Eine Station ist besetzt mit mindestens einem Arzt (Hygieniker), der später in eine höhere Regierungsstelle aufrücken kann, ferner je nach Bedarf mit einer Anzahl im Laboratoriumsdienst ausgebildeten Hilfskräften, einem Schreiber und Dolmetscher, sowie Dienern für Reinigung der Gefäße, Gläser, Räume, für Botengänge usw. Bei der kostenlosen Abgabe von Chinin (zu einer Kur sind erhebliche Mengen, 30 gr und mehr notwendig) besteht die Gefahr, daß das teure und schlecht schmeckende Material nicht immer genommen sondern verschleudert oder an Nachbarländer, in denen es auch sehr begehrt ist, verkauft wird. Wie man dieser Gefahr begegnen kann ist mir nicht klar. Das zur Chininprophylaxe und Malariabehanidlung dem deutschen und türkischen Militär ausgegebene Chinin ist oft gegen klingende Piaster verkauft oder in Naturalien wozu auch Liebesdienste zu rechnen sind, umgesetzt worden. Die Gefahr des* Schmuggels ist bei dem geringen Gewicht und dem hohen Wert des Heilmittels sehr roß. 1918 kostete in Tiberias 1 gr Chinin 1 iaster hart. Ein Eselchen mit Chinin beladen stellt ein großes Vermögen dar, das der Beduine sehr leicht nach Bagdad oder Mossul transportieren kann. Die Malariabekämpfung ist aber zu

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