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Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · p. Seite 1361-1362

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
Seite 1361-1362 (sequence 29)
Language
German
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1361 VOLK UND LAND 1362 erhielt von der Zentrale den Auftrag, die Wohnräume der Gesellschaft nicht mehr zu vermieten, da diese von der Gesellschaft selbst demnächst gebraucht werden. Vor dem Kriege besaß diese Gesellschaft ein Waisenhaus, einige Arbeitshäuser und ein Spital. Eine besondere Mission für die Araber bestand in Jerusalem, die ebenfalls einige Wohltätigkeitsanstalten eröffnete, durch welche sie mit den Arabern in Berührung kam. Während des Krieges hatte die Mission ihre Tätigkeit eingestellt. Im Gegensatz zu der jüdischen Mission hat die arabische Mission einige Erfolge zu verzeichnen. Vermöge ihres Einflusses haben sich zahlreiche Jerusalemer Araber in arabisch-christlichen Gemeinden organisiert. In Jerusalem gibt es außerdem eine französische Mission, die eine Mädchenschule „St. Joseph“ unterhält. Diese Anstalt hat ihre Tätigkeit bereits wieder auf genommen; auch einige jüdische Mädchen besuchen diese Schule. Obwohl die Missionsgesellschaften unter den Juden bisher so gut wie gar keine Erfolge hatten, halten es die jüdischen. Kreise doch für ratsam, der Tätigkeit der Missionare sowohl in Palästina als imi Auslande Beachtung zu schenken. Ein katholischer Palästina - Kongreß 'Im der Zeit vom1 21. bis 25. Oktober fand in Einsiedeln ein internationaler katholischer Palästinakongreß statt. Die Anregung hierzu ging vom Komitee des Schweizer Heiligenlandvereines aus. Der Zweck des Kongresses war die Wahrung und Kräftigung der katholischen Interessen in Palästina und die Erhaltung der heiligen Stätten dortselbst. sowie der Rechte der katholischen Welt daran. SOZIALES Aufruf zur Einberufung einer Hilfskonferenz der Juden aller Länder Das „Komitee der Jüdischen Delegationen“ in Paris richtet an sämtliche Gesellschaften und Komitees, welche der Hilfe fü(r die vom Kriege betroffenen. Juden gewidmet sind, folgenden vom Präsidenten N. Sokolow und Generalsekretär L. Motzkin Unterzeichneten Aufruf, den $ie „J. P. Z.“ im Wortlaut wiedergibt: In dem Moment, in dem der allgemeine Friede kommen wird, steht das Judentum der ganzen Welt vor einer außerordentlichen Aufgabe. Es gilt jenen Brüdern, die durch die Frontkämpfe, durch Deportationen, Pogrome, Okkupationen und sonstige Schrecken des Krieges ruiniert worden sind, die wirtschaftliche Wiederaufrichtung zu ermöglichen. Der größte Teil der osteuropäischen Juden befindet sich in einem Zustand wirtschaftlichen Zusammenbruches, der eine Anspannung sämtlicher jüdischen Kräfte erforderlich macht, wenn diese Massen nicht uintergehen sollen. Dazu sind nicht nur ungeheure Finanzmittel notwendig, sondern auch eine wohlüberlegte Systematisierung und Organisierung der ganzen Rekonstruktionsarbeit. Leider halben in verschiedenen Ländern bei weitem noch nicht alle Juden, die dazu im Stande sind, auch nur der primitiven Pflicht gegenüber ihren Brüdern genügt. Während Amerika und einzelne Länder Europas für «die wm Kriege betroffenen Juden Bewundernswertes geleistet und einen großen Opfermut bekundet halben; gibt es bedeutende Teile des jüdischen Volkes, die trotz des Anblicks ihrer hungernden und verschmachtenden Brüder, bewußt oder unbewußt eine passive Gesinnung an den Tag gelegt haben. Noch stehen die Formen nicht fest, welche die Möglichkeit schaffen werden, die Folgen der Katastrophen zu beseitigen, oder zu mildern. So viel ist klar; die Hilfe muß von gewaltigen Dimensionen sein und zugleich nicht einer unzulänglichen, zeitweiligen, philanthropischen Aktion gleichen, sondern einen ernsten wirtschaftlichen und sozialen Charakter tragen. Zwei große Aufgaben müssen also zugleich gelöst werden; das richtige Sammeln, das richtige Verteilen. Beide Aufgaben sind aber miteinander aufs engste verbunden. Aus den Formen der Hilfe ergeben sich auch die Formen der Herb eischaff ung der Mittel. Für eine großangelegte soziale Art der Rekonstruktion sind ganz andere Mittel aufzubringen, als für eine reine Wohltätigkeitsaktion. Was im Sinne einfacher Verschenkung nicht zu erreichen ist, läßt sich durch Anleihen, deren Verwendung kontrolliert wird, durch ein großangelegtes System der Herbeischaffung von Rohmaterial oder ähnliche Methoden wohl durchführen. Je mehr jes sichergestellt wird, daß die Empfänger durch das ganze System der Verwendung in die Lage versetzt werden, die gewährten Subventionen zurückzuerstatten, desto größer werden die Möglichkeiten der Aufbringung grandioser Mittel. Wird diese Aktion in, jedem Lande unabhängig organisiert und durchgeführt, so muß das Werk chaotisch, philanthropisch und nur von vorübergehendem Nutzen sein. Es wird den Untergang der Millionen nicht aufhalten und wird in seinen katastrophalen Wirkungen die Juden aller Länder beeinträchtigen. Das Komitee der Jüdischen Delegationen zu Paris, welches für die Interessen des Ostjudentums eintritt, möchte rechtzeitig dafür Vorsorge tragen, daß durch die Vereinigung aller Kräfte in das drohende Chaos Ordnung hineinkomme, möchte rechtzeitig eine unübersehbare Katastrophe verhindern. Denn eine solche Katastrophe wird es sein, wenn nicht in. der allernächsten Zeit die Richtlinien festgelegt worden, wie alle Energien zur Rettung des ruinierten Judentums in Bewegung zu setzen und welche Methoden der Hilfe amzuwenden sind. Der erste Schritt, um diese großen und komplizierten Ziele zu verwirklichen, ist die schnelle Einberufung einer Hilfskonferenz von Juden aller Länder. Das Komitee der Jüdischen Delegationen zu Paris hat den Beschluß gefaßt, daß im November oder Dezember 1. J. eine allgemeine jüdische Konferenz abgehalten werden müsse. Es wendet sich jetzt mit dieser Aufforderung an sämtliche Hilfskomitees, welche zur Milderung der Leiden des vom Kriege 'betroffenen Judentums ins Leben gerufen wurden, an alle Organisationen, welche mit den wirtschaftlichen Problemen des jüdischen Lebens sich befassen — oder indirekt auf das wirtschaftliche jüdische Leben einen Einfluß auszuüben suchen — und Persönlichkeiten, welche diesen Aufgaben sich widmen,. An die Hilfskomitees und die entsprechenden Organisationen in 25 Ländern Europas, Amerikas, Asiens und Afrikas ergeht der Ruf: Kommt schnell zusammen, um das Ziel rechtzeitig klar zu formulieren, um die Komponenten der schweren Aufgabe kennen zu lernen, um die Kräfte, welche das Ziel verwiridichen sollen, einsuschätzen, um das System der Rekonstruktionsarbeit festzustellen, um eine programmatische Koordination aller dieser Faktoren herbeizufüihrea Geschieht es nicht bald, so wird es zu spät sein. Indem wir uns jetzt an Ihre Organisation mit unserer Aufforderung wenden, beanspruchen wir Ihre Aktivität schon im vorbereitenden Stadium. Wir hoffen, daß Ihre Organisation schon bei der Festsetzung des Programms entscheidend mitwirken wird. Denn nur die Stimmen der in der Arbeit erprobten Kräfte, nur deren Rat und Forderungen können maßgebend sein. Indem Wir zu dem wichtigen Schritte die Initiative ergriffen haben, haben wir damit im Bewußtsein unserer Verantwortung einer allgemeineh jüdischem Pflicht ge-

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