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Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · p. Seite 1355-1356

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
Seite 1355-1356 (sequence 26)
Language
German
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1356 1355 —^=^ ---=• —= VOLK UND LAND Die Legion rjic „Zidovske Zpravy“ erhalten vom Korporal T. B. Breth vom 30. Bataillon Roval Füsiliers, dem einzigen tschechoslowakischen Juden in der Legion, aus dem Lager von Ramleh in Palästina folgenden Brief über die jüdischen Legionen: Im November 1917 veröffentlichte die englische Regierung die historische Erklärung ihrer Sympathie für; die Bewegung, deren Zweck die Erneuerung der jüdischen Heimstätte in Palästina ist. Damals war Palästina; nur zum Teile von der britischen Armee besetzt, Judäa j war zwar schon fast ganz von den Türken geräumt, aber j Samaria und Galiläa waren noch in den Händen des Feindes. Kurz darauf wurde die jüdische Legion geschaffen, welche ähnlich wie die tschechoslowakische Armee und die polnischen Legionen sich mit den Armeen der Verbündeten vereinigten, um mit ihrer Hilfe die Freiheit ihrer Nation zu erkämpfen. Die englische Regierung warb Legionäre in der ganzen Welt, aber die 15 000 russischen Juden, welche sich meldeten, konnten nicht nach Palästina transportiert werden. Daher war die Legion auf englische Bürger und auf Juden aus Amerika angewiesen. Aber auch da gab es verschiedene Schwierigkeiten, denn die amerikanische Regierung gestattete niemand, in die britische Armee einzutreten, der nach dem Gesetz in die amerikanische Armee gehörte. So wurden alle amerikanischen Bürger und auch jene ausgeschlossen, welche ihren Willen erklärt hatten, amerikanische Bürger zu w erden. Trotzdem meldeten sich viele Tausende von Männern, von denen etwa 8000 von der englischen Rekrutierungskommission als tauglich befunden wurden. Aus diesen, sowie aus einigen tausend englischer Juden und einigen hundert Juden aus Argentinien, Palästina, Aegypten und Griechenland formierte die englische Regierung vier jüdische Bataillone. Sie hießen offiziell 38, 39, 40 und 42 Bataillon Royal Füsiliers. Die R. F. sind das Londoner Haus-Regiment und zählen außer den vier jüdischen noch etwa 60 englische Bataillone. Aufrichtig gesagt, enttäuschte diese Einreihung in eiin rein englisches Regiment viele, welche gehofft hatten, daß für die Juden ein eigenes Regiment mit jüdischem Namen, hebräischem Kommando usw. formiert werden würde, aber aus administrativen Gründen war dies unmöglich. Nicht alle Legionäre waren Juden, es meldeten sich auch einige christliche Freunde des Zionismus und auch unter den Offizieren waren einige Christen, wie Kapitän Beatty, ein Bruder des englischen Admirals, und andere. Alle Soldaten und Offiziere, Juden und Christen, trugen den Davidstern am Aermel ihrer Uniform und die einzelnen Bataillone unterschieden sich durch die Farbe dieses Magen David. Die englischen Legionäre waren zum größten Teil alte Soldaten mit mehrjähriger Kriegserfahrung in Frankreich und sonstwo. Die übrigen aber waren vollständige Neulinge. Sie wurden in Kanada konzentriert, wo sie in den Forts Windsor und Halifax die erste Ausbildung erhielten. Von dort wurden sie nach England überführt, wo in Hornisten bei London die Kriegsbasis aller R. F. ist. Die Ueberfahrt auf überfüllten Transportdampfern bei bewegter See bleibt allen, die sie mitmachten, unvergeßlich. Im südwestlichsten Zipfel Englands, nahe bei Plymouth, war ein eigenes Lager ausschließlich für jüdische Soldaten. Wer die Gelegenheit hatte, dieses Lager zu sehen, erhielt zweifellos einen tiefen Eindruck. In einer idyllischen Gegend am Meeresufer lange Reihen militärischer Gebäude. Eine große jüdische Fahne flatterte über der Hauptwache und überall exerzierten die Legionäre. Sowie die Ausbildung genügend vorgeschritten war, traten die Legionäre den langen Weg über Frankreich und Italien und durch das Mittelländische Meer nach Aegypten an, wo in Heliopolis bei Kairo ein zweites jüdisches Lager war. Hier wurden sie akklimatisiert und dann mittels Bahn über die Halbinsel Sinai nach dem Ziele ihrer langen Fahrt, nach Palästina, gebracht. Vielen schien es ein Traum: Im Februar bummelte er lioeh über den New Yorker Broadwav und im August lag er schon in der Kampflinie in Palästina. Im Herbst 191S griff General Allenby, Oberbefehlshaber der palästinensischen Front, auf der ganzen Linie an. Die jüdischen Truppen lagen damals im Jordantal, nicht weit vom Toten Meere, und bildeten die Flanke des rechten Flügels der englischen Armee. Bekanntlich wurde die türkische Armee im Zentrum durchbrochen und Tausende von Türken und Deutschen flohen gegen die arabische Wüste. Die jüdischen Bataillone erhielten den Befehl, hinter der australischen Kavallerie den Vormarsch gegen Es Salt aufzunehimen und die Türken von Arabien abzuschneiden. Es war ein furchtbarer Marsch. Die Senke des Toten Meeres liegt Hunderte von Metern unter dem Meeresniveau und' Es Salt hoch im Gebirge. Die Wege zogen sieh durch tiefe Schluchten und ringsum waren die Höhen vom Feinde besetzt, welcher unaufhörlich in die jüdischen Reihen feuerte. Die Hitze war außerordentlich, denn in diesem toten Tale wehte kein Luftzug. Die Füße der müden Legionäre versanken bis über diie Knöchel im Staub, welcher sich in Wolken über die sich durch die Täler windende Kolonne erhob und an die schweißtriefenden Gesichteklebte. Jeder Soldat war zwar mit zwei Feldflaschen ausgerüstet, aber sobald dieses Wasser ausgetrunken war, gab es keines mehr und der Durst war unaussprechlich. Mancher blieb am Wege liegen, aber die übrigen marschierten weiter und das Regiment erreichte sein Ziel nicht nur zur Zeit, sondern sogar zwölf Stunden vor dem festgesetzten Zeitpunkt und war das erste englische Regiment, welches den Kampfplatz erreichte. Die türkische Uebenmacbt war gewaltig und leicht hätten alle Juden getötet werden können, aber die Türken hatten den Mut verloren weiter zu kämpfen und ergaben sich zu tausenden, da sie sich abgeschnitten sahen. Die Verluste in diesem Kampfe waren groß. Nur wenige wurden von den feindlichen Waffen verwundet, aber der mühevolle Marsch in. dem heißen Klima war die Ursache, daß mehr als die Hälfte am Fieber erkrankte und mancher in den jüdischen Spitälern seine Seele aushauchte. Nach einer gewissen Zeit war das Regiment so geschwächt, daß es anderen Truppenteilen zugefeilt werden mußte, und erst als Verstärkungen aus England und Amerika hinzukamen, wurde es neu aufgestellt. Aber nach zweitausend Jahren hatten die Juden wieder gezeigt, daß sie nicht nur als Einzelne, sondern auch als Truppe zu kämpfen wissen, und General Allenby telegraphierte den Ruhm jüdischen Heldentums in die ganze Welt hinaus. Die Sprachenfrage Dem Kopenhagener Zionistischen Büro wird aus Palästina berichtet: Folgender Befehl ist an die Militärbehörden ergangen : Wenn es sich als notwendig erweist, einen Befehl in einigen Sprachen zu erteilen, so ist dabei folgende Ordnung zu beachten: 1. Die Reihenfolge der Sprachen von oben nach unten ist Englisch, Französisch, Arabisch, Hebräisch. 2. In einer Reihe oder auf gegenüberliegender Seite ist die Reihenfolge von links nach rechts folgende: Englisch, Französisch, Arabisch, Hebräisch. Falls nur Arabisch und Hebräisch benutzt werden, so ist die arabische Sprache zur Rechten der hebräischen zu setzen. 3. Die Papiere und Formulare, die Obiger Verordnung nicht entsprechen, dürfen, soweit sie vorrätig sind, verwandt werden. Bei Drucklegung neuer Schriftstücke muß obige Reihenfolge beachtet werden'.

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