Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1353-1354 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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1353 VOLK UND LAND 1354 Bemühungen wurde die „Hadassah“ überall von den Behörden unterstützt. Viele Strafen und Häuser in Haifa sind auf diese Weise untersucht und gereinigt worden. Die Haupttätigkeit in sanitärer Beziehung war die Bekämpfung der Miickengefahr, soweit das ohne die notwendigen grollen radikalen Maßnahmen (Trockenlegen der Sümpfe und Beschaffung von gutem Trinkwasser) möglich war. Den Quellen und Zisternen in Jerusalem, Jaffa und Saffed sind von der „Hadassah“ zur Bekämpfung der Anopheles-Mücken größere Mengen von Naphtha zugeführt worden. Jm einzelnen ist zu erwähnen, daß in Jaffa im März 5249 Brunnen untersucht wurden, wobei Anopheles-Mücken in 91 gefunden wurden. Im April w urden 5282 Brunnen untersucht, Anopheles-Mücken wurden in 30 gefunden. Im Mai wurden 6294 Brunnen untersucht, Anopheles-Mücken wurden in 44 gefunden. In Saffed begann die Bekämpfung der Malaria Anfang Mai. Am 4. Mai wurden in 28 % aller Brunnen Anopheles- Mücken gefunden, am 25. Mai, also nach 3 Wochen, nur in 5 °o. Viele Aufgaben auf medizinischem und sanitärem Gebiet harren noch ihrer Lösung. Einige der wichtigsten mögen hier aufgeführt werden: In Tiberias und Haifa fehlen jüdische Krankenhäuser. Ueberall im Lande herrscht Mangel an Zahnärzten. Es fehlt eine Heilanstalt für Tuberkulosekranke. Es fehlen Einrichtungen, um die Mütter über Säuglingspflege zu unterrichten. Ein energischer Kampf muß gegen den Trachom beginnen, und man muß schon jetzt Maßnahmen treffen, um den zu erwartenden Einwanderern nach Palästina medizinische Hilfe angedeihen lassen zu können. Die Durchführung aller dieser Pläne ist im wesentlichen eine Geldfrage. Im Gegensatz zu den im Lande zirkulierenden Gerüchten hat die „Hadassah“ niur über ein sehr bescheidenes Budget verfügt, das heute noch kleiner ist, als es vor 6 Monaten .war, obwohl die Tätigkeit der „Hadassah“ sich in dieser Zeit erheblich vergrößerte. Arbeitsgelegenheit in Palästina Dem Kopenhagener Zionistischen Büro wird aus Palästina berichtet: „Mit dem Einmarsch der Engländer nach Palästina sind große Entwicklungsmöglichkeiten für das gesamte ökonomische Leben des Landes entstanden. Zahlreichen Personen bot sich Arbeitsgelegenheit und es machte sich eine wesentliche Hebung dies sozialen und wirtschaftlichen Lebens geltend. In der letzten Zeit, nach der Entlassung vieler Militärabteilungen, stellte sich ein fühlbarer Mangel an Arbeitskräften ein, namentlich auf solchen Arbeitsgebieten, in denen früher Soldaten tätig waren. Viele Hunderte Arbeitsloser bekamen hierdurch gut bezahlte Arbeit. Hauptsächlich waren es Arbeiten an den Eisenbahnen. In den letzten Monaten hat die Militärverwaltung durch Anschläge wiederholt zahlreiche Arbeiten an Eisenbahnen angeboten, sowohl für Beamte als für Arbeiter. Nicht immer konnte man das gewünschte Menschenmaterial bekommen. Die Zahl der Juden, die sich für solche Arbeiten meldeten, bildete im Verhältnis zu den anderen Arbeitern einen ganz geringen Prozentsatz, was nur aus dem Mangel an Menschen zu erklären ist. Oft werden eine größere Anzahl von Arbeitern iim Zeitraum von 2—3 Tagen verlangt und die sich zuerst Meldenden erhielten das Vorrecht. In vielen Fällen wurden einige Hunderte von Arbeitern gesucht, wobei sich nur 30—40 Juden meldeten. Letzterer Umstand läßt sich aus zwei Gründen erklären: 1. weil es in der Tat keine große Anzahl Arbeitsloser unter den Juden gibt, die für Eisenbahnarbeiten geeignet sind; 2. weil wir noch kein zentrales Informationsbüro besitzen, das in verschiedenen Teilen des Landes Filialen unterhält, um über alle Arbeitsmögläcbkeiten rechtzeitig Auskunft zu geben. Die Verwaltung der militärischen Palästina-Eisenbahn gibt;etzr bekannt, daß die militärische Eisenbahn und die Fabriken in Kantara eine große Anzahl von Arbeitskräften brauchen. Bis jetzt waren diese Arbeiten wenig gesucht, weil die Militärverwaltung zu niedrige Löhne gezahlt hat. Die Eisenbahnverwaltung hatte bisher für die Eisenbahnarbeiten ausschließlich ägyptische Arbeiter herangezogen, die sich mit einem geringen Lohn begnügten. Die Eisenbahnverwaltung glaubte, auch in Palästina Arbeiter und Beamte zu diiesen Löhnen anwerben zu können. Es stellte sich aber heraus, daß es in Palästina nicht möglich war, Arbeiter und Beamte zu diesen Bedingungen zu erhalten. Die Eisenbahnverwaltung sah dies bald ein und hat Löhne festgesetzt, die den Verhältnissen des Landes und der Arbeiter entsprachen. Folgende Löhne wurden festg esetzt: 1. Beamte Europäer Eingeborene Oberaufseher 32—38 £* monatl. Aufseher 20—30 „ 11—18 £* monatl. Gehilfe d. Aufsehers 8-10 „ „ Oberbeamte 26 - 30 „ 15—24 „ „ Unterbeamte 5—18 „ Revisoren 26-30 „ 8-18 „ „ Kontrolleure 26—30 „ 8—18 „ „ Zugführer 20 -30 „ 5—18 „ „ Elektrotechniker 20—24 „ Lageristen 5—18 „ „ Statiomsaufseher 5—18 „ „ Lagerbeamte 5—14,, „ B i 1 le tko ntrol le u re 8-10 „ „ 2. Arbeiter und Handwerker (allgemeine Löhne): Depotarbeiter 10—12 Piaster pro Tag, Arbeiter 8, Schienenleger 8—10, tiruppenaufseher 12—20, Heizer 16 30, Schmiede 15—25, Heizer- und Schmiedegehilfen S 14, Dachdecker 12—21, Kupfer- und Metallarbeiter 16—30, Zeichner und Mechaniker 16—30, Mechaniker f. Haizarbeiten 16—30, Elektrotechniker 16—30, Wagen- Reparateure 12—25, Schmierer 8—10, Tischler 14—25, Rohrarbeiter 12—21, Maurer 12—20, Bauarbeiter 12—20, Kalkarbeiter 12—20, Glasarbeiter 12—20, Färber 11 bis 20, Modellierer 20—25, Mühlenarbeiter 14—21, Kehrarbeiter 8, Kehrarbeiter-Aufseher 9—12, Automobilführer 20—30, Telegraphisten 17—20, Telephonisten 10—20, Hilfsarbeiter 4—8, Signalisten 10—20, Schienenaufseher 10-18, Lampenanzünder 8—12 Piaster pro Tag. In der Mitteilung wird gesagt, daß die Bewerber sich bei den Eisen bahn Verwaltungen in Lud oder in Haifa zu melden haben, wo sie auf ihre Arbeitsfähigkeit hin geprüft werden. Nach ihrer Annahme werden sie nach Kantara geschickt, w o sie Kost und Logis unentgeltlich erhalten. Wie es heißt, sollen die Fabriken in Kantara demnächst nach Haifa verlegt werden* wo die Arbeitsbedingungen wesentlich besser sind. Das Vorrecht wird denjenigen Arbeitern gewährt, die sich sofort melden und nicht abvvarten, bis die Fabriken nach Haifa verlegt werden. Die jüdische Presse macht auf diese großen Arbeitsmöglichkeiten aufmerksam und fragt, ob wir Juden bereits ein Institut besitzen, das dje Vermittlung dieser zahlreichen Arbeiten übernehmen kann. Welche Bedeutung diese Arbeiten für das ökonomische Leben der jüdischen Bevölkerung in Palästina haben können, liegt auf der Hand. Daß Angebote von anderer Seite zahlreicher erfolgen, braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden. Die Militärverwaltung braucht Arbeiter, und sie wird jede geeignete Kraft anstellen. Wir dürfen diese Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen. Das zu schaffende zentrale Informationsbüro müßte alles unternehmen, um sämtliche nur erreichbaren jüdischen Arbeitskräfte heranzuziehen. Einem solchen Institut wräre es ein Leichtes, mit sämtlichen Regierungsanstalten, die zahlreiche Arbeiten zu vergeben haben, in direkten Verkehr zu treten.“ *) ägypt. Pfund.