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Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · p. Seite 1351-1352

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
Seite 1351-1352 (sequence 24)
Language
German
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1351 VOLK UND LAND 1352 Hier zeigt sich, wie auch der (ietreidebau liodiluhnend gemach 1 werden kann. 240 Doppelzentner Getreide vom Hektar bedeuten bei dem Friedenspreis von 20 Frcs. per Doppelzentner nicht weniger als 4800 Frcs.; nach Oettinger für etwa sieben Familien sicherlich mindestens für vier ausreichend. Für den eigenen Bedarf an Brotgetreide würden im gartenbaumäßigen Betrieb 100 qm (' ha) pro Kopf, bzw. 1 :_,n ha pro Familie von fünf Köpfen genügen. Es ist (klar, daß man auch für beste Bodenbearbeitung hierzu kein Zugvieh anzuschaffen und das ganze Jahr zu halten braucht. Allenfalls kann eine Gartenbau-Kolonie ihren Getreidebau an die Peripherie und in einheitlichen Betrieb ünd zusammenhängende Flächen verlegen, die mit jeder beliebigen Art von Kraft beackert werden können. Für so intensive Arbeitsweise und so hohe Erträge käme sogar diie Bodenbearbeitung mittels Dynamit in Frage, die selbst in Deutschland neuerdings nicht nur für Obst- und Gartenbau und zahlreiche kulturtechnische Arbeiten, sondern auch für die Verwandlung von Oedland in Getreideboden und dergleichen in steigendem Maße verwendet wird. Wenn das sogar für die verhältnismäßig geringen Erträge der üblichen Getreidewirtschaft lohnt, 'um wieviel besser dürfte es sich für derlei hochwertige Verwendungszwecke empfehlen? Die Ausnützung von Soja Nach einer Mitteilung der wirtschaftlichen Gesellschaft von Algerien interessiert die Soja, diese chinesische Hülsenfrucht, die lange unbekannt war, mehr und mehr die Kolonisten Algeriens. Wenn Soja nicht wie Brechbohnen gebraucht werden kann, kann es der Bereitung von zahlreichen Ernährungsprodukten von ganz erstklassiger Art dienen. Milch mit Soja bereitet, ist in der Probierstube bei der Sitzung der Kulturgeselilschaft großartig befunden worden. Man kann ein Mehl herstellen, das leicht geröstetes Soja enthält. Dieses MeM hat den Geschmack von Brechbohnen verloren und paßt für die Zubereitung eines saftigen Frühstücks unter Hinzufügen eines schwachen Verhältnisses vön Kakao. Eine Pariser Gesellschaft ist sogar darauf gekommen, mit Soja trockene, ausgezeichnete Kuchen zu bereiten, wovon die Truppen während des Krieges eine große Menge verbrauchten. Der Hafen von Tripolis L.— Die französische Militärmission in Syrien hat der Stadt Tripolis mitteilen lassen, daß der dortige Hafen durch Frankreich unter Aufwendung beträchtlicher Mittel ausgebaut werden soll. Ebenso soll die Bahnstrecke Horns—Tripolis, die während des Krieges im Bau ruhte, schnellstens fertiggestellt werden. PALAESTINA Die Tätigkeit der „Hadassah“ In „Chadaschoth Haares“ berichtet ein Mitglied der amerikanisch-jüdischen Aerzte-Expedition, Dr. I. M. Riilbiner, über deren Tätigkeit in Palästina. Seinem Bericht entnehmen wir folgendes: Während des Krieges waren die Mitglieder der Aerzte-Expedition gezwungen, von Ort zu Ort zu fahren, um die dringendste medizinische Hilfe zu bringen. Während dieser Zeit konnten daher keine Institutionen von dauerndem Wert geschaffen werden. Für die sanitäre Entwicklung in der Zukunft wichtiger sind daher die Arbeiten während! der letzten Monate gewesen. Als Resultate der bisherigen Arbeit können bezeichnet werden; 1 1. 3 Hospitäler in Jerusalem, Jaffa und Saffed. 2. 0 Polikliniken in Jerusalem, Jaffa, Haifa, Liberias,; Saffed und Hebron. 3. 3 Bakteriologische Laboratorien in Jerusalem. Jaffa und Saffed. 4. 2 Schulen zur Ausbildung von Krankenschwestern in Jerusalem und Saffed. 5. Organisierung sanitärer Arbeit in Jerusalem, Jaffa, Haifa, Tiberias und Saffed. Das Krankenhaus in Jerusalem hat 112 Betten, Jaffa 18 Betten, Saffed 50 Betten, zusammen also 180 Betten. Während des Monats März wurden 240, im April 192, im Mai 314 Patienten in diesen drei Krankenhäusern aufgenommen. Im Anschluß an die Krankenhäuser wurde von der „Hadassah“ das erste Laboratorium für Röntgenbehandlung in Palästina begründet, zum ersten Mal eine besondere Abteilung für Hautkrankheiten eingerichtet uind zurzeit wird neben dem Rothschild-Hospital in Jerusalem, das unter Aufsicht der „Hadassah“ steht, von ihr die erste pathologische Abteilung im Lande errichtet. In den Polikliniken beschäftigt die „Hadassah“ eine ganze Anzahl von Spezialärzten. Im April besuchten annähernd 4000 neue Patienten die Polikliniken, im Mai 6300. Der Gesamtbesuch der Polikliniken belief sich im April auf ca. 15 000, im Mai auf ca. 22 700 Kranke, wobei die von der „Esrah medicinith“ ebenfalls unter Aufsicht der „Hadassah“ behandelten 5100 Patienten nicht einbegriffen sind. Die Gesamtzahl der Behandelten im Mai betrug also ungefähr 27 800, die sich auf die einzelnen Städte wie folgt verteilen: Jerusalem 13 953, Jaffa 5124, Tiberias 3066, Saffed 3031, Hebron 467. Das wachsende Vertrauen der jüdischen Bevölkerung zur „Hadassah“ und ihren Institutionen äußert sich in dem rapiden Anwachsen der Anzahl der Personen, die sich in die Behandlung der „Hadassah“ begeben. Als Beispiel mag Jaffa dienen, wo die Zahl der Patienten, die im April noch 2323 betrug, im Mai auf 5124 Personen gestiegen war. Von großer Bedeutung war die Eröffnung der drei bakteriologischen Laboratorien, die um so dringlicher war, als bis dahin das Laboratorium beim „Jüdischen Gesundheitsamt“ in Jerusalem das einzige Laboratorium in ganz Palästina war. Im April wurden in dem drei Laboratorien der Hadassah ca. 500, im Mai ca. 750 Untersuchungen vorgenommen. Die Arbeit der Laboratorien wird sich noch stärker entwickeln, sobald die pathologische Station in Jerusalem eröffnet sein wird. Neben den Krankenhäusern und Polikliniken der „Hadassah“ wurden die Laboratorien auch von dem Gesundheitsamt der Regierung, sowie von anderen Krankenhäusern und Privatärzten für Diagnosen usw. in Anspruch genommen. Durch die Eröffnung von zwei Schulen zur Ausbildung von Krankenschwestern werden in Palästina die modernen Methoden der Krankenpflege Eingang finden. Die Schule in Jerusalem wird von 30 Schülerinnen besucht, deren Anzahl in ständigem Wachsen begriffen ist. Die Unterrichtssprache dieser Schule ist Hebräisch. Die Besucherinnen der Schule von Saffed, wo die Ausbildung hauptsächlich theoretisch ist, müssen zur praktischen Ausbildung für ein Jahr nach Jerusalem gehen. Zurzeit sind noch die amerikanischen Schwestern im den Krankenhäusern beschäftigt; an Stelle der 12 jetzt nach Amerika zu rückk ehr enden Schwestern werden aber nur 4 oder 5 andere von dort kommen, lund in 2—3 Jahren wird die ganze praktische Krankenpflege in den Händen von Palästinenserinnen liegen können. Abgesehen von den eigentlichen medizinischen Aufgaben hat sich die „Hadassah“ auch mit der Verbesserung der sanitären Einrichtungen beschäftigt. Sie mußte ihre Arbeit in dieser Richtung vorläufig auf die größeren Stäidte beschränken^ wo mit verhältnismäßig kleinen Geldmitteln große Resultate erzielt werden können. Bet diesen

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