Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · p. Seite 1345-1346

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
Seite 1345-1346 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649308--0840-2650203
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

1345 ■ - —.— -—■= ,-^= VOLK UND LAND =-^-=-- --— 1346 Arbeit ist die Bahnstrecke im Jahre P>()7 bis Medina fertiggestellt werden. Die Unkosten, die sich auf etwa () Millionen türkische Pfund beliefen, wurden van den Mohammedanern in allen Weltteilen gesammelt. Die Eisenbahn ist also eine ausgesprochen mohammedanische, die für ein religiöses Ziel erbaut wurde, und jeder Mohammedaner hat daher die Pflicht, an ihr wieder aufzubauen, was während des Krieges zerstört worden ist. Die Kosten der Reparaturen werden sich nach Meinung von Fachleuten auf eine Million Pfund belaufen. Die Leitung der Eisenbahn hat bisher weder einen Kostenvoranschlag noch einen Reparaturplan vorbereitet. Der neue Generaldirektor der Eisenbahn, Mr. Holmods, beabsichtigt jedoch, einen ausführlichen Wiedlerherstellungsplan auszuarbeiten. Auch der Emir Faisul interessiert sich lebhaft für den Stand der Eisenbahn und hat bereits eine Kommission zu deren Instandsetzung ernannt. An der Spitze dieser Kommission steht Saad Pascha-Schakir, der Leiter der Finanzangelegenheiten in Syrien/' „Mu'katabs“ meint, daß zur Deckung der Unkosten für die Reparatur der Eisenbahn der Friedenskonferenz eine Aufstellung aller durch den Krieg entstandenen Schäden eiinzureichen ist, um1 auf diese Weise die erforderlichen Gelder zu bekommen. Von besonderem Interesse für uns ist folgender Passus in diesem Bericht der Zeitung: . Die Ausgaben der Eisenbahn übersteigen deren Einnahmen bei weitem. Die türkische Regierung zahlte den Leitern der Bahn nur 300 Pfund pro Jahr, hat ihnen aber zugleich die Erlaubnis gegeben, den Hafen in Haifa zu bauen und ihnen Konzession erteilt, die warmen Bäder in Tiberias zu übernehmen und die Bodenfläehen am Kinerethsee zu explodieren.“ Der Bericht schließt: „Werden die Leiter der Eisenbahn weitsehend genug sein, um ihre Rechte zu wahren und werden sie verstehen, alle Schätze, die in dem Boden an der ganzen Bahnstrecke entlang ruhen, auszunutzen, so wird diese Bajhn in der nächsten Zukunft eine der einträglichstein in der Welt sein.“ Die jüdische Presse gibt diese für uns sehr wichtigen Mitteilungen ohne Kommentar wieder. Die jüdische Lage in Sowjet-Rußland In den Warschauer jüdischen Zeitungen gibt eine Person, die Moskau vor drei Wochen verlassen hat, folgende Einzelheiten über die Auflösung der jüdischen Gemeinden im bolschewistischen Rußland (zur Auflösung ist es letzten Endes nach dem „Jtidiszen Folk“ nicht gekommen): Die Initiative kam vom Kommissar für jüdische Angelegenheiten Düamantstein, der sich an den Volkskommissar für die Nationalitäten, dem bekannten Stalin, mit einem Memorandum gewendet hat, worin er den bourgeoisen Charakter der jüdischen Gemeinde und die Notwendigkeit ihrer Auflösung zu ‘beweisen sich bemühte. Stalin war mit dem Standpunkt Diamantsteins nicht einverstanden. Darauf wandte sich Agursky, Mit- J glied des Kollegiums des jüdischen Kommissariats, mit j cinemi neuen Memorandum an Stalin* von dem er, nach-; dem er Stalin überzeugt hatte, tatsächlich bevollmächtigt wurde, das Dekret wegen der Auflösung der jüdi- | sehen Gemeinde zu unterschreiben. Gleichzeitig sollte I auch ein Dekret wegen des Verbotes der hebräischen j Sprache veröffentlicht werden, das ebenfalls bereits unterschrieben war. Die Sache wurde in Moskau bald bekannt und rief große Erregung hervor. Ohne auf die gedrückte politische Lage zu achten, organisierte der „Tarbufh“ ein großes Protestmeeting, zu dem er trotz strengen Verbotes durch Plakate auf forderte. Zu dem Meeting kamen auch inkognito die bekanntesten Führer > der Bolschewisten, um zu erfahren, was die Juden } eigentlich wollen. Rabbiner Mase hielt eine glänzende j Rede. Am anderen Tage kam Fürst Doigorukow, ein Mitglied der alten russischen fürstlichen Familie, der jetzt ebenfalls Bolschewist ist, zu dem Rabbiner und teilte ihm mit, daß seine Rede einen großen Eindruck gemacht habe und daß Volkskommissar Lunatscharsky ihn zu sprechen wünsche, um sich über die Frage des Hebräischen zu informieren. Nach einem Gespräche zwischen Lunatscharsky und Rabbiner Mase wurde das Dekret betreffs des Verbots der hebräischen Sprache nicht erlassen. Dasselbe geschah auch hinsichtlich des Zionismus. Die! Denunziationen der jüdischen Kommunisten hatten schon j fast dazu geführt, daß auch in Großrußland ebenso wie in der Ukraine, der Zionismus verboten werden sollte. Nur mit schwerer Mühe gelang es, das Dekret zurückzuhalten und der „Zik“ (Zentralny lspolnitelny Komitet), die höchste Macht im Sowjet-Rußland, hat eitle Resolution angenommen, daß der Zionismus vorläufig nicht verboten werde, da keine Beweise vorliegen, daß die in Rußland verbliebenen zionistischen Führer sich durch Teilnahme an englischen Intrigen kompromittiert hätten. Das „Lodzer Volksblatt“ meldet: Aus Minsk Ankommende berichten, die Räteregierung habe 200 Millionen Rubel zugunsten der Pogrom-Geschädigten in dier Ukraine assigniert. Die jüdischen Rechte in Serbien Einer Delegation der Belgrader jüdischen Gemeinde erklärte der serbische Ministerpräsident, daß die serbische Regierung mit ihrem Proteste gegenüber der Klausel über den Schutz der nationalen Minderheiten keineswegs die Juden imi Auge habe. Serbien habe die Juden stets als treue Bürger anerkannt, ihnen alle Rechte gegeben und auch Zutritt zu den Regierungsstellen gewährt. Die Regierung wird nichts dagegen haben, daß die Juden in ihren Schulen ihre Sprache lernen. Sie hat der Religion gegenüber stets vollste Toleranz und gehörige Beachtung bewiesen. Die Regierung könne jedoch die Minoritätsklausel nicht annehmen, weil in Neu-Serbien viele Bulgaren wohnen, die diese Klausel zum Zwecke einer großbulgarischen Agitation ausnützen könnten, was für Serbien eine große Gefahr bedeuten würde. WIRTSCHAFT Bedarf an landwirtschaftlichen Maschinen in Aegypten Einem amerikanischen Konsulatsbericht über den Markt für landwirtschaftliche Maschinen in Aegypten wird folgendes entnommen: Auf vielen größeren Gütern werden Dreschmaschinen verwandt. Auf einigen großen Gütern Ober-Aegyptens werden Dampftraktoren gebraucht, ferner kommen Dampfmaschinen, einschließlich Dampflokomobilen von 8, 10 und 12 PS, mit Petroleum gespeiste Maschinen und Farmtraktoren zur Verwendung. Vor dem Kriege sandten je eine amerikanische und eine deutsche Firma einen Farmtraktor nach Aegypten. Sie bewährten sich aber nicht, da sie für die Landwege zu schwer waren. Weitere Farmtraktoren sind bisher nicht nach Aegypten eingeführt worden. Die landwirtschaftlichen Maschinen, die sich für Aegypten am besten eignen, sind Dreschmaschinen, die 10 busheis in der Stynde verarbeiten, für Güter von 40 bis 603 acres, und Maschinen, die 25 busheis Getreide stündlich ausdreschen, für Besitzer von Gütern, die 1003 acres und mehr umfassen. Dampftraktoren werden für Aegypten nicht empfohlen. An Farmtraktoren kommen zwei Größen in Frage: Ein Traktor, der 5 acres täglich und ein zweiter, der 15 acres täglich wirksam1 umpflügen kann. Beide Pflüge müssen leicht sein, der kleinere darf nicht mehr als 1200 Ibs, der größere nicht mehr als 2000 Ibs wiegen, da der Boden in Aegypten meist leicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.